Die Vorhersage der Monsunregen in Indien.
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anzeigt. Dagegen kann man sich einer erfolgreichen Voraussage von Umständen,
Jie noch nicht ausgebildet sind und von Bedingungen abhängen, die sich auf die
Bewegung grofser Luftströme über ausgedehnten Gebieten beziehen und erheb-
liche Zeiträume umfassen, zwar vorläufig nach empirischen Merkmalen nähern,
zu ihrer Weiterbildung bedarf es aber so vieler rationeller Untersuchung, Er-
klärung und Ableitung, wie sie nur die Wissenschaft zu liefern vermag. Indien
bedarf deshalb eines Prognosendienstes von ganz besonders hoher wissenschaft-
licher Ausbildung und praktischer Geschicklichkeit.
Die Aufstellung der Monsunprognosen in Indien beruht gegenwärtig auf
drei oder vier Hauptsätzen, deren Gründe bis jetzt nur theilweise verstanden
werden. Verknüpft damit wird ein bedeutender Betrag von Deduktion aus
rationellen Hypothesen, Vergleichung mit gegenwärtigen und vorhergehenden
Zuständen auf den mafsgebenden Gebieten, Analogie mit ähnlichen Zuständen
in früheren Jahren, und Abänderung des gewonnenen Resultats gemäfs der er-
kannten Andauer örtlicher Abweichungen.
Die bestimmenden Einflüsse können eingetheilt werden in (1) örtliche
and (2) allgemeine. Die örtlichen Einflüsse, welche früher als die wichtigsten
and thatsächlich entscheidenden Ursachen des Monsuns angesehen wurden, haben
sich in den letzten Jahren, besonders seit der Veröffentlichung der Wetterkarten
vom Indischen Ocean, als denjenigen untergeordnet erwiesen, die offenbar die
Stärke und die Eigenschaften der Monsunströmung selbst regieren,
Für den Sommer, oder den Südwestmonsun, sind diese örtlichen Einflüsse
folgende:
(a) Der Schneefall in der vorhergehenden kalten Jahreszeit, und (b) die
{okalen‘ Anomalien über Indien und den angrenzenden Meeren während der dem
Monsun vorhergehenden Monate, die auf den monatlichen Abweichungskarten er-
kennbar werden. Eine Zeit lang glaubte man in dem ersteren den Schlüssel für
das Problem der Dürren und der schweren Regen über dem ganzen Lande
gefunden zu haben, indem spärlicher Regen auf grofsen Schneefall folgte.
Die Erfahrung hat indessen gezeigt, dafs zwar reichlicher Schneefall auf dem
Himalaya, besonders spät im Frühling, wie im April und Mai, einen aus-
gesprochenen Einflufs ausübt, indem er den Eintritt des Monsuns verzögert bezw.
seinen Fortschritt hemmt über denjenigen Theilen von Oberindien, welche die von
diesem excessiven Schneefall betroffenen Gebirge umsäumen; dafs aber das Gegen-
theil nicht so wirksam sich zeigt und daß die Wirkung durch den Einbruch
eines besonders kräftigen Monsuns in Indien aufgehoben werden kann. Dieser
letztere Umstand wird aber durch Einflüsse regulirt, welche mit dem Kreislauf der
Atmosphäre in allen Höhen und über einer ganzen Halbkugel zusammenhängen
and daher viel zu grofßs sind, um ernstlich durch die lokale Gegenwirkung eines
vergleichsweise kleinen mit Schnee bedeckten Gebiets verändert zu werden.
Dennoch sind die Berichte über den winterlichen Schneefall im Himalaya
von beträchtlicher Wichtigkeit bei der Abschätzung der komplexen Wahrschein-
lichkeit eines frühen oder späten, günstigen oder ungünstigen Monsuns, und
bilden eine der öffentlich anerkannten Grundlagen, auf welchen die endliche Vor-
hersagung im Mai aufgebaut wird.
Der zweite, einst als Alles entscheidend, und auch jetzt als sehr bedeutsam
in der Bestimmung der durchschnittlichen örtlichen und provinziellen Schwan-
kungen des Wetters während des Monsuns angenommene Faktor (b) wird
nach der synoptischen Darstellung der Temperatur und besonders der Druck-
abweichungen beurtheilt, die auf den monatlichen Abweichungskarten der dem
Monsun vorangehenden heifsen Jahreszeit dargestellt sind,
Diese Abweichungen erweisen sich als mehr oder weniger auch während
des ganzen Südwestmonsuns fortdauernd und weisen auf diejenigen Striche, welche
durch die regenbringenden cyklonischen Wirbel der Regenzeit bevorzugt oder
gemieden werden. Wie Blanford in seiner klassischen Arbeit über den Regen-
fall in Indien bewiesen hat, weisen sie mehr auf eine Abhängigkeit der Depres-
sionsbahnen von einer vorherrschenden Vertheilung des Luftdrucks, als auf eine
blofse Beeinflussung des mittleren Luftdrucks durch den Vorübergang der baro-
metrischen Depressionen hin.
Die Umstände, die den plötzlichen Ausbruch des Monsuns in der ersten
Juniwoche bedingen, sind vor Kurzem von Herrn Eliot in seiner Abhandlung über
Ann. a. Hydr. ete.. 1897. Heft 2,