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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Wetter-Telegraphie und Wetter in Japan 1883—84. 
zu 
Die Wetter-Telegraphie und das Wetter in Japan 1883—84.7 
(Mit Tafel 2—4.) 
Im Juli 1875 wurde in Tokio die erste meteorologische Station errichtet, 
In rascher Folge ist seit dieser Zeit ein vollständiges Netz von Beobachtungs- 
stationen über die Küsten von ganz Japan gelegt worden: im Dezember 1881 
waren bereits 12 und seit dem Januar 1883 21 Stationen in Thätigkeit, zu 
denen neuerdings noch zwei weitere Plätze hinzugetreten sind, Von den 
Stationen kommen 3 auf Kiushu, 1 auf Shikoku, 16 auf Nippon und 2 auf Yezo; 
die Centralstelle bildet Tokio. Mit wenigen Ausnahmen liegen die Stationen 
unmittelbar an, oder doch nur in geringer Entfernung von der Küste und sind, 
die Landestheile ohne Telegraphen abgerechnet, möglichst gleichmäfsig vertheilt: 
im Südwest Nagasaki und Kagoshima, im Süden Miyazaki, Kochi und Wakayama, 
in der Binnenlandsee Hiroshima, Osaka und Kioto, im Westen Shimonoseki, 
Sakai und Kanazawa, im Südosten Gifu, Hamamatsu, Numadzw und Tokio, im 
Nordwesten Nügata und Akita, im Nordosten Nobiruw und Miyako, im Norden 
Aomori, Hakodate und Sapporo. In Thätigkeit ist ferner im Osten von Yezo 
die Station Nemuro; indefs steht diese noch nicht, wie die übrigen Beobachtungs- 
stellen, in telegraphischer Verbindung mit der Centralstelle. Leicht könnte der 
technische Apparat dadurch noch vervollständigt werden, dafs die Leuchtthürme, 
welche bereits sämmtlich meteorologische Stationen sind, dem Netze einverleibt 
würden. Wünschenswerth würde ferner wenigstens eine Station nördlich von 
Yezo sein; besonderen Werth aber müfsten einige Stationen auf den Liukiu- 
Inseln besitzen, in deren Gewässern Taifune besonders häufig auftreten, auch 
dort entstehen und je nach der Jahreszeit in seltenen Fällen nach Westen, 
häufiger nach Nordwesten, Norden oder Nordosten wandern. 
Ueber den Dienst der meteorologischen Stationen Japans giebt Herr 
E. Knipping in Tokio in der Abhandlung „Die Wettertelegraphie in Japan“ 
(Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ost- 
Asiens; Band IV, Seite 11 und Sonderabdruck. Yokohama 1884, Buchdruckerei 
des „Echo du Japan“) nähere Auskunft, . 
Für die Vornahme der Beobachtungen auf den einzelnen Stationen ist 
eine mittlere japanische Zeit, nämlich die von Kioto angenommen worden; 
einerseits ist es die centrale Lage in Japan, andererseits die günstige Position 
dieser Stadt in Hinblick auf eine event, einzuführende Weltzeit mit Greenwich 
als Ausgangspunkt, welche diesen Ort hierzu geeignet machen; die Länge des- 
gelben beträgt 9 3" Ost. Als absolute Beobachtungszeiten sind die Stunden 
6 Morgens, 2% Nachmittags und 9% Abends festgesetzt. Von den Resultaten 
werden Seitens der einzelnen Zweigstationen sogleich nach der Beobachtung 
au die Centralstelle der Luftdruck im Meeresspiegel, Windrichtung und Stärke, 
Regenfall, Form, Menge, Richtung und Geschwindigkeit (4theilige Skala) der 
Wolken, sowie die Lufttemperatur in Form von 12 Ziffern zu 3 Gruppen tele- 
graphirt. Besonders wichtige Bemerkungen werden in Worten den Zahlen 
angehängt. Diese, speciell in Hinblick auf die japanischen Verhältnisse ge- 
wählte einfache Form der Mittheilung hat sich bis jetzt bewährt. Sie unter- 
scheidet sich von den in Europa üblichen derartigen telegraphischen Meldungen 
hauptsächlich durch Wegfall der Zehntel bei den Angaben von Luftdruck und 
Temperatur, Fehlen der Angaben über den Feuchtigkeitsgehalt der.Luft, Be- 
schränkung der Himmelsrichtungen auf 8 (statt 16), sowie durch den Zusatz 
der Richtung und Geschwindigkeit der Wolken. 
Bei Ankunft der Telegramme werden die Angaben in Formulare, welche 
besondere Spalten für Druck- und Wärmeunterschiede enthalten, dann in die 
Arbeits- und die zum Druck dienende Karte eingetragen. ‘ Aufser der Haupt- 
karte mit den Isobaren fertigt man noch 4 kleinere Kärtchen an: eines für die 
1) S. „Ann, d. Hydr. etc.“ 1881 S. 74, 127, 1882 S. 671, 
Ann. d. Hydr. efc., 1885, Heft IL
	        
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