Tieflothungen im Nordatlantischen Ocean.
Tieflothungen im Nordatlantischen Ocean zwischen Cadix und den
Canarischen Inseln,
Die von den Dampfern „International“ und „Dacia“ im Oktober und
November 1883 zum Zweck einer Kabellegung ausgeführten Lothungen liefern
werthvolle Beiträge für die Kenntnifs des zwischen der östlichen Azoren-Rinne
und der Afrikanischen Küste liegenden Theils des Atlantischen Oceans, in
welchem Gebiete bisher noch verhältnifsmäfsig wenig zusammenhängende ähn-
liche Messungen gemacht sind. Wir geben daher die Lothungen möglichst
vollständig wieder!) und lassen aus der Reihe nur diejenigen weg, welche
lediglich behufs Temperaturmessungen in verschiedenen Tiefen gemacht zu sein
scheinen und demnach nicht die wirkliche Wassertiefe bis zum Grunde an der
Stelle angeben. Die bei diesen Lothungen gemachte Entdeckung einer in
31° 10‘ N-Br und 13° 38‘ W-Lg liegenden Bank, der Dacia Bank, ist bereits
in der „Annonce hydrographique“ No. 193/1076, Paris 1883, und aus dieser
entnommen in den „Nachrichten für Seefahrer“ 1884, No. 25, mitgetheilt. Es
scheint aber hier in Bezug auf die Angabe der Tiefe und geographischen Lage
der flachsten Stelle ein Versehen gemacht zu sein. Die auf 31° 10‘ 25“ N-Br
und 13° 38‘ 15“ W-Lg gemachte Messung von 60m ist keine Grundlothung
gewesen, sondern war wahrscheinlich nur zur Temperaturmessung bestimmt;
dies geht daraus hervor, dafs in der Rubrik „Beschaffenheit des Grundes“ keine
Eintragung gemacht ist, die sonst, wenn das Loth den Grund berührt hat, auch
wenn man keine Grundprobe erhielt, stets ausgeführt ist; ferner sind an der-
selben Stelle noch zwei Lothungen gemacht: die eine mit 79m, auch ohne
Grund, während die andere bis auf den Meeresboden reichte und als Wasser-
tiefe an der Stelle 106m ergab. Die geringste Wassertiefe der Bank beträgt
93m, und liegt in: 31° 9‘ 30“ N-Br
13° 36‘ 0“ W-Lg.
Die Bank nimmt mit Tiefen von 90 bis 150m ein Gebiet ein, von
31° 2‘ — 31° 14‘ N-Br
13° 30‘ — 13° 48‘ W-Lg.
Die Wassertiefen nehmen zuerst allmählich, dann schnell bis zu 2000m
zu. Der Grund besteht aus Sand und Korallen mit zerbrochenen Muscheln.
Im Allgemeinen wachsen die Wassertiefen in dem abgelotheten Gebiet des
Atlantischen Oceans allmählich mit der Entfernung von der Afrikanischen Küste,
betragen in einem Abstande von 50 Sm von derselben überall über 1000m,
liegen meistens zwischen 2000 und 3000m und steigen bis über 4000m; die
gröfste Tiefe, welche gelothet wurde, beträgt 4344m, und zwar wurde dieselbe
an zwei Stellen gefunden, in:
34° 15‘ 0“ N-Br, 11° 26‘ 30” W-Lg und
33° 29‘ 0“ N-Br, 14° 0‘ 0“ W-Lg.
Zwischen den Canarischen Inseln sind verhältnifsmäfsig grofse Tiefen
(2000 bis 3000m), die auch bis dicht an dieselben heran ziemlich bedeutend
bleiben, den Inseln also den Charakter steiler, von dem Meereshoden auf-
steigender Berge geben.
Aufser der bereits angeführten Dacia Bank ergeben die Lothungen noch
mehrere andere Erhebungen von nicht geringerem Interesse.
Zwischen 33° 43‘ — 33° 53‘ N-Br und 14° 15‘ — 14° 24‘ W-Lg erhebt
sich aus einer Tiefe von über 4000m eine Sandbank bis zu 200-—150m unter
der Meeresoberfläche. Die flachste auf derselben gefundene Stelle von 157m
liegt in 33° 47‘ 35“ N-Br und 14° 20‘ 45“ W-Lg.
Eine andere unbedeutendere Erhöhung, aber doch verhältnifsmäfsig flache
Stelle mit 792 bis 1000m Wasser wurde in 34° 57‘ N-Br und 11° 57‘ W-Lg
gefunden.
Zwischen 30° 0‘ -— 30° 10‘ N-Br und 15° 50‘ — 16° 0‘ W-Lg liegt eine
theilweise mit Sand und Korallen bedeckte Felsenerhebung, welche, im All-
gemeinen 400 bis 800m Wassertiefe aufweisend, mit einem Gipfel bis zu 55m
an die Oberfläche heranreicht; diese Felsenspitze liegt in 30° 6‘ 50” N-Br und
15° 52‘ 15” W-Lg.
1) Aus den „Annales Hydrographiques“, 1884, No. 667, S. 115.
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