Veränderungen in der Sunda-Strafse durch a. vulkan. Ausbr. b. Krakatos.
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gleichzeitig Erdspaltungen!) statt. Sehr merkwürdig ist es, dafs — wie dio Karte
zeigt — die beiden dieht bei. Krakatoa gelegenen, den versunkenen Theil
gewissermafsen umfassenden Inseln von der Umwälzung unberührt blieben. Man
möchte es vielleicht so erklären können, dafs diese Inseln Theile der Wände
eines alten sehr ausgedehnten Kraters sind, also aus Lava bezw. aufgeschüttetem
Material bestehen, während der jetzt fortgesunkene Theil von Krakatoa der
alte Boden dieses Kraters war, aus dem auch wieder der neue Ausbruch erfolgte
und der unter Wasser sank, nachdem die vulkanische Aktion sich mehr nörd-
lich, in die Gegend der beiden neu entstandenen Inseln, verpflanzt hatte. Der
bedeutende Umfang der sichtbaren Umgestaltung des Terrains ergiebt sich
aus der folgenden, durch Vergleich der alten und neuen Karte gewonnenen
Aufstellung über die versunkenen bezw. bis zur Meeresfläche gehobenen Areale,
wobei die Insel Dwars in den Weg ebensowohl wie die Inseln Bezee oder
Sebesie und Verlaten unberücksichtigt bleiben. Hinsichtlich der letzteren Inseln
ist zu bemerken,. dafs die neueste holländische Vermessung gegenüber den
alten Karten eine nicht ganz unbedeutend vergröfserte Form dieser Inseln giebt,
indefs mag diese Differenz nicht auf einem Landzuwachs, sondern auf Ungenauig-
keit der alten Karte beruhen. Bei Verlaten-Insel ist die Vergrößerung freilich
so erheblich — sie beträgt 7,8 qkm, während die Insel nach der. bisherigen
Karte überhaupt nur 2,5 qkm Areal besalfßs —, dafs die obige Erklärung nicht
viel Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Frühere Insel Krakatoa hatte ca 34,40 gakm Areal
Davon versunken. ... 21,00
„ stehen geblieben. . . 13,40 „
Neu gehoben bei Krakatoa . 0,70
Jetzige Insel Krakatoa . . . 14,10
Neu entstandene Steers-Insel f bis zur Niedrig- 250
” ” Calmeyer-Insel] wasser-Linie } 3,00
Also unter Wasser versunken im Ganzen. . 2100
Bis zum Meeresniveau gehoben im Ganzen . 620
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Vorstehende Werthe veranschaulichen nur die morphologischen Ver-
änderungen über der Meeresfläche bei Niedrig-Wasser. Zieht man die Ver-
änderungen unter Wasser mit in Betracht, wie sie sich aus dem Vergleich der
früheren und neuen Lothungen ergeben, so gestaltet sich das Bild der Um-
wälzung noch weit grofsartiger. Mitten über dem: versunkenen Theil der Insel
Krakatoa hat man bei Lothungen mit 300m Leine keinen Grund erhalten, Da
dieser Inseliheil früher eine Höhe von mindestens 100m über dem Meeresniveau
gehabt haben muls, so betrüge die senkrechte Veränderung über 400m. Ferner
aber sind nicht nur die neu entstandenen Inseln Steers und Calmeyer aus Tiefen
von ca 40m emporgehoben worden, sondern an dieser Erhebung ist ein halb-
kreisförmiges Terrain betheiligt, welches halbwegs zwischen den Inseln Krakatoa
und Calmeyer in Ost beginnt, sich nach Nordwest bis zu den Felsen Zeeklip
und nach Süd bis zu der Verlaten-Insel erstreckt und mindestens 250 qkm um-
fafst; denn hier finden sich in den alten Karten nirgends unter 36m Tiefe,
mehrfach aber einige 50m, während die Tiefen sich jetzt dort meist unter 20m
halten. Nicht uninteressant ist es, dafs das durch die vulkanische Aktion
gehobene Terrain eine Kurve bildet, welche, wenn man die Inseln Verlaten
und Krakatoa mit einschliefst, die Form eines nur an beiden Seiten der letzteren
‘) In einigen Berichten ist von Spaltung des Vulkans auf Dwars in den Weg die Rede,
andere Berichte sprechen von Spaltung der Insel in eine Anzahl kleinerer; soweit bekannt und aus
dem äufseren Ansehen zu schliefsen, besitzt die Insel keinen Vulkan, und die Berichte mögen über-
trieben sein. Die holländisch-indische Neuvermessung erstreckt sich nicht bis zu dieser Insel. Der
anschaulichste Bericht eines Augenzeugen von der Katastrophe am 26. und 27. August ist der des
Kapt. Watson vom britischen Schiff „Charles Bal“, welches am 26. gerade aus dem Indischen
Ocean in die Sunda-Strafse eintrat. Danach scheint die Hauptkatastrophe um 2 Uhr Nachmittags
am 26. August begonnen, die mächtige Revolution nebst Erdbebenwelle aber am 27. August
Vormittags stattgefunden zu haben. Um Mittag dieses Tages war es am Östlichen Ausgang der
Sunda-Stralse; 50 bis 60 km von der Insel Krakatoa, so finster, dafs die Personen auf dem Verdeck
jenes Schiffes sich nicht mehr sehen konnten,
Ann, d. Hydr. etc., 1884, Hoft IL