Ueber Gewitter- und Hagelbildung.
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einige Entfernung vom Beobachtungsorte getragen wird. Man erhält in der
That nie Funkenbildung, ohne dafs Regen, Schnee oder Hagel am Orte selbst
oder in geringer Entfernung fällt.
4) Das Gesetz hinsichtlich der Luftelektricität während ruhiger, stiller
oder Gewitterregen kann man so formuliren:
Da wo Regen fällt, giebt sich eine starke positive Elektricität kund;
dieses Gobiet ist von einer Zone negativer Elektricität umgeben, die wiederum
von: einer Zone . positiver Elektrieität umgeben ist. Auf der Grenze zwischen
je zwei Zonen ist die Spannung Null. Folglich kann man je nach dem Orte,
den man in Bezug auf das Regengebiet einnimmt, bald stark positive, bald
stark negative Spannung beobachten, und ebenso gelangt man von einer Phase
zur andern, wenn der Regen in einiger Entfernung zu fallen beginnt, dann
sich nähert und wieder entfernt. Daraus schliefst Palmieri, dafs die Wolken
keine elektrisirten Konduktoren sind, sondern dafs sie eine Quelle positiver
Elektricität werden, wenn sie sich in Regen verwandeln. Also ihre starke
positive Spannung ruft durch Influenz in der Umgebung negative Elektricität
hervor. Daher giebt es keine Wolken mit eigener negativer Elektricität, und
wenn sie doch zuweilen bei Regen vorkommen, so hat dies seinen Grund in
einem entfernteren, noch stärkeren Regen.
5) Endlich hat Palmieri durch das Experiment gezeigt, dafs Wasser-
dampf beim Kondensiren positive Elektricität entwickelt, woraus er schliefst,
daß man der Kondensation des Wasserdampfes in den hohen Regionen der
Atmosphäre die, Elektricität der Wolken zuschreiben mufs.
Denza, Direktor des Observatoriums in Moncalieri, stellt auf Grund
12jähriger Beobachtungen der Luftelektrieität folgende Sätze auf: ;
Gewitter üben immer einen vorwiegenden Einflufs auf die elektrische
Spannung der Luft während ihres Vorüberganges aus. Dieselbe kann sich bis
zur Funkenbildung steigern. Vor und nach dem Gewitter zeigt das Elektro-
meter fast immer Null oder doch sehr kleine Spannungen an. Der Fall von
Regen oder Schnee vermehrt die Luftelektricität, sei es auf kontinuirliche oder
diskontinuirliche Weise. Aber oft tritt, wie bei Gewittern, vorher und nachher
eine starke Verminderung der Elektricität ein.
Dichter Nebel, Reif, Glatteis, Wolkenbildung vermehren die Luft-
elektrieität,
Die geringste elektrische Spannung tritt ein bei heiterem Himmel, be-
sonders aber wenn zur Heiterkeit noch hohe Wärme hinzukommt. Die Süd-
Winde und besonders die SE-Winde vermehren die Luftelektrieität, welche im
allgemeinen bei nördlichen Winden schwächer ist. Die Zahl der Fälle, wo sich
bei Regen oder Schnee die Luft negativ elektrisch zeigte, betrug mindestens
50 auf 100. Daraus ersieht man, dafs Regen oder Schnee beim Fallen eben-
sowohl positive jals negative Elektricität mittheilen. (S. übrigens Satz 4 von
Palmieri.) Dasselbe Verhältnifs ergab sich bei Gewittern und Hagelfällen,
die über den Beobachtungsort hinzogen. Der negativ elektrische Zustand der
Luft geht den Gewittern bald voran, bald folgt er ihnen. Mag der Himmel
bewölkt oder heiter sein, die Luftelektrieität ist immer positiv. Wenn sie
negativ ist, so hat dies seinen Grund in fremden Ursachen, wie z. B. in vor-
überziehenden Gewittern, Regen, Wolkenbildung etc. .
Brito Capello in Lissabon beobachtete negative Elektrieität vor oder
während Regenfällen, bei Gelegenheit von Gewittern, in Fällen plötzlichen
Umschlags der Windrichtung und während sehr heftiger Winde.
Die während des Regenfalls so häufig beobachtete negative Elektricität
der Luft hat nach den Untersuchungen Faraday’s ihren Grund in der
Reibung der Wassertropfen an der Luft, da nach jenen Untersuchungen die
Reibung der Wassertropfen an irgend einer Substanz negative Elektricität
entwickelt. Man hat bei Wasserfällen die Luft in ihrer Umgebung immer
stark negatiyr elektrisch gefunden. Dafs diese Elektricität nicht etwa
umgekehrt der vertheilenden Wirkung der Luftelektricität zuzuschreiben ist,
geht daraus hervor, dafs diese erstens nicht immer positiv ist, sondern auch
zuweilen negativ, und dafs. zweitens die Stärke dieser durch den Fall (bei
Wasserstürzen). erzeugten Elektrieität in gar keinem Verhältnifs steht zu der
Luftelektricität, die viel schwächer ist. Eine ähnliche hierhin gehörige Er-