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Kleine hydrographische Notizen,
Kleine hydrographische Notizen. )
1. Die Entstehung einer neuen Insel bei Island. Am 29. Juli
wurde von dem Leuchtthurmwärter auf Kap Reykjanes, der SW-Spitze Island’s,
eine neue Insel entdeckt, welche nach seiner Schätzung ungefähr 14 Sm nord-
westlich von der Insel EKidey lag. Ueber die Art der Entstehung derselben ist
nichts bekannt geworden; es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, dafs sie
vulkanischen Ursprungs ist. Denn Reykjanes ist schon seit langer Zeit als der
Sitz lebhafter vulkanischer Thätigkeit bekannt; auch sind hier schon öfter
plötzlich kleine Inseln aus dem Wasser aufgetaucht, die aber nach kurzer Zeit
wieder verschwanden. So entstand im Jahre 1783 nahe derselben Stelle, wo
jetzt die neue Insel liegt, eine solche, die von den Dänen in Besitz genommen
and ANye-Insel genannt wurde; dieselbe stürzte jedoch, nur aus vulkanischer
Asche und Bimsstein bestehend, unter dem HEinflusse der Wellen bald zusammen
und war nach einem Monat ganz verschwunden. Aufser kleinen Erdbeben-
stöfsen, die hier nichts Aufsergewöhnliches sind, einige Tage vor der Ent-
deckung der neuen Insel, sind keine besonderen Anzeichen wahrgenommen
worden. Da ein Besuch der Insel, der durch die hohe See bei Reykjanes und
die vielen die vorliegenden Inseln umgebenden Riffe und Untiefen erschwert
wird, noch nicht ausgeführt worden ist, so ist noch sehr wenig über dieselbe
bekannt geworden. Der britische Konsul, Herr W. G. Spencer Paterson,
ist zur Besichtigung der Insel am Kap Reykjanes gewesen und hat sich auch
darauf beschränken müssen, dieselbe von hier aus in Augenschein zu nehmen;
er giebt einen kurzen Bericht hierüber in „Nature“ No. 785. Nach seiner
Ansicht liegt die Insel ungefähr WSW von Reykjanes und nordwestlich von
Eldey, über 10 Sm von dem ersteren Kap entfernt; nach der Schätzung mus sie
in der Nähe der ca 11,5 Sm in SWzW von Reykjanes liegenden Insel Geirfu-
glasker liegen, welche, weil sie sehr niedrig, nicht zu sehen ist. Paterson
hält es sogar für nicht unmöglich, dafs die neue Insel mit Geirfuglasker zu-
sammenhängt und eine Vergröfserung dieser bildet, oder dafs nur eine Hebung der
letzteren stattgefunden hat, wodurch sie nun, von /sland aus gesehen, als neue
Insel erscheint, Die Gestalt der Insel hat sich seit ihrer Entdeckung schon
wieder verändert. Zuerst erschien dieselbe als abgestumpfter Kegel mit einer
kleinen Einsenkung in der Spitze und einem stufenförmigen Absatz in der Mitte
des Abhanges an der Nordseite. Nach einigen heftigen Erdbebenstöfsen am
5. und 6. August, durch welche der Leuchtthurm zu Reykjanes Beschädigungen
erlitt, hatte sich ein grofser Theil des südlichen Abhanges in das Meer gesenkt,
und neben der nun fast senkrechten Wand ragten noch zwei kleine Spitzen aus
dem Wasser hervor.
2. Notizen über Angra Pequefia. Nach dem Reisebericht S. M. S.
„Leipzig“, Kapt. z. See Herbig. Angra Pequena ist ein guter Hafen, der bei
vorzüglichem Ankergrund Schiffen jeden Tiefganges in der Bucht zwischen
Angra Point, Shark- und Penguin-I. guten Schutz bei allen Windrichtungen,
mit Ausnahme derjenigen von West bis Nord, bietet. Sehr unangenehm ist
jedoch die hohe Dünung, welche sich dort auch bei schwachem und sogar bei
südlichem Winde bemerkbar macht; S. M. S. „Leipzig“ schlengerte in dieser Dü-
nung derartig, dafs die Backspieren ins Wasser fauchten und eine an denselben
liegende Jolle kenterte. Das Wetter im Juli war schön, die Temperatur kühl;
der Wind, welcher meistens aus den Richtungen Süd bis SW wehte, frischte
regelmäfsig gegen 11 Uhr Vormittags auf und nahm bis 4 Uhr Nachmittags an
Stärke aufserordentlich zu, flaute mit Sonnenuntergang wieder ab, um für die
Nacht meist einer vollkommenen Stille Platz zu machen. Das Barometer stand
durchschnittlich auf 770mm, seine täglichen Schwankungen hetrugen 2—4mm;
das Minimum fiel zwischen 2 und 4 Uhr Nachmittags. Am 27. Juli Nachts
trat plötzlich mit einer starken Böe und steigendem Thermometer Ostwind ein,
der durch seine trockene Hitze sich unangenehm fühlbar machte und eine Menge
feiner Sandtheile und Insekten mit sich führte. Die Windverhältnisse wurden
jetzt umgekehrt wie vorher; nach Sonnenuntergang frischte der Wind auf, in
der Nacht wehte es kräftig, gegen Mittag schlief der Wind ein. Der durch-
i) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet,