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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Bemerkungen über zwei Stürme in Japan, 
Bemerkungen über zwei Stürme in Japan am 10. bis 16. und 
24, bis 26. August 1884. ; 
Von E, Knipping aus Tokio. 
Die beiden Stürme, welche mit einem Zwischenraum von 14 Tagen Japan 
heimsuchten, haben, besonders der zweite, einen grofsen Verlust an Menschen- 
leben und Eigenthum zur Folge gehabt, dessen Gröfse sich nach den bis jetzt 
eingegangenen unvollständigen Nachrichten noch nicht mit Sicherheit angeben 
läfst. Mit Hülfe der täglichen Wetterberichte und Karten des Observatoriums 
und einiger Schiffsberichte läfst sich aber eine Uebersicht über die Ausdehnung 
and den allgemeinen Charakter der Stürme gewinnen. Beide sind lehrreich, 
weil sie sich, obgleich ähnlicher Natur, doch in vielen Beziehungen wesentlich 
von einander unterscheiden und selbst den mit dem Gegenstande weniger Ver- 
trauten zeigen, in wie verschiedenartiger Form und Gestalt diese grofsen von 
Stürmen begleiteten atmosphärischen Störungen auftreten. 
Am 3. und 4, August zeigten sich in der östlichen Chinesischen See 
bereits die Anzeichen für die Bildung eines Sturmes; aber infolge der Aus- 
breitung der bestehenden Depression von den Küsten Kiushus nach Formosa 
and der südlichen chinesischen Küste fand nur eine theilweise Entwickelung 
statt. Am 9. jedoch stellten sich die früheren Wetterverhältnisse wieder ein, 
und am 10. näherte sich der erste Sturm dem Süden von Kiushu, Das Centrum 
desselben rückte aus der Richtung der Riukiu Gruppe auf die Westseite der 
im Süden von Kiushw gelegenen Inseln zu und befand sich am 10. um 9 Uhr 
Abends in ungefähr 31° N-Br und 130° O-Lg. Der „Sumanoura Maru“, Kapt. 
Spiegelthal, befand sich zu dieser Zeit ungefähr im Westen vom Centrum 
und hatte Nordsturm; in Kagoshima wehte ein Oststurm, bei Satanomisaki 
SE-Sturm. Das Centrum befand sich demnach in dem von dem bezeichneten 
Schiff, Station und Leuchtthurm gebildeten Dreieck, und die cyklonischen Winde 
waren auf allen Seiten vollständig entwickelt. Langsam, mit einer Geschwin- 
digkeit von ungefähr 8 Sm p. h., vorwärtsschreitend, passirte es am 11. um 
6 Uhr Morgens westlich von Kagoshima, wo sich die Nähe des Centrums be- 
merkbar machte durch ein Abschwächen des Sturmes zu einer mäfsigen süd- 
lichen Briese, welche nach dem Passiren wieder in einen Weststurm überging. 
Das Barometer erreichte von allen Stationen seinen niedrigsten Stand in 
Kagoshima mit 736 mm um 6ha.m. Der gröfste Gradient während des Sturmes, 
6 mm, zeigte sich auch auf Kiushu. Nach seinem Eintritt auf diese Insel sich 
allmählich nach Ost wendend, befand sich das Centrum 24 Stunden später 
ungefähr SW von Kocht auf Shikokw, jedoch mit einer geringen Depression 
von nur 742 mm, Während dieses östlichen Kurses längs der Südküste wehten 
in der Inlandsee heftige östliche Winde und Stürme. Das Dampfschiff „se 
Maru“, Kapt. E. J. Efford, passirte Shimonoseki am 10. Mittags und ging, 
nach Kobe bestimmt, in der /keda Bay am 11. um 4* p. m. und später in der 
Dchinoumi Bay bei Shozushima zu Anker. Um 12 Uhr Nachts begannen hier 
ESE-Stürme, die allmählich auf NE und Nord gingen und bis 6 Uhr Morgens 
den 12. anhielten; der niedrigste Barometerstand wurde um 1” p. m. beobachtet. 
Der Dampfer „Toyoshima Maru“, Kapt. J. Thomas, der am 9. Nagasaki ver- 
liefs, um nach Kobe zu gehen, traf ähnliches Wetter in der /nlandsee; während 
er in der Hanamura Bay bei Shikoku gegenüber von Shozushima zu Anker lag, 
hatte er SE-, darauf NNE-Sturm, der vou Mitternacht den 11. bis 8 Uhr 
Morgens den 12., zu welcher Zeit der Dampfer bereits in Kobe eingetroffen 
war, anhielt. Hier wurde der niedrigste Barometerstand um 7* p. m. beobachtet, 
Dampfer „Echigo Maru“, Kapt. J. Lampart, der in Osaki Bay auf der Ostseite 
des Kir Kanals lag, berichtet von schweren SE-Böen, die vom 11. Mittags bis 
4 a, m. den 13. auf NE und NW gingen. Das Barometer war hier um 6" p. m. 
am 12., ungefähr zu derselben Zeit wie in Kobe, am niedrigsten. Alle drei 
Schiffe befanden sich nördlich von der Sturmbahn und hatten eine Windänderung 
in demselben Sinue — Ost, Nord, West; in Kagoshima und Miyasakti, die auf 
der anderen Seite der Bahn lagen, fand ein Windwechsel in entgegengesetztem 
Sinne — Ost, Süd, West — statt. Am 13. um 6 Uhr Morgens befand sich 
das Centrum bei Owari Bay, noch immer mit derselben Geschwindigkeit vor- 
wärtsschreitend. Der Dampfer „Tokai Maru“, Kapt. H. J. Carrew, welcher
	        
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