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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Bemerkenswerthe Stürme. 
Fortbewegung des Minimums drehten sich, west-ostwärts fortschreitend, die 
Winde aus der südwestlichen nach der nordwestlichen Richtung und erreichten 
an unserer ganzen Küste die Stärke eines schweren Sturms, wie die angefügten 
Aufzeichnungen an den Signalstellen zur Genüge nachweisen. Insbesondere 
unheilvoll waren die Sturmböen aus W und NW am 28. Abends für unsere 
Nordseeküste, indem hier, abgesehen von aufsergewöhnlich hohem Wasserstande, 
einige Schiffbrüche und Strandungen vorkamoen. 
Am 29. nahm die Windstärke an unserer Küste west-ostwärts fort- 
schreitend langsam ab, so dafs dieselbe noch im Laufe des Tages überall sturm- 
frei wurde. Daher wurde um Mittag für die westliche Küstenstrecke 
bis Rügen Abnahme des Signals angeordnet und für den Osten keine 
weitere Warnung mehr gegeben, so dafs also am Abend des 29. kein 
Signal mehr aufgezogen war, 
In der Abhandlung über typische Witterungserscheinungen‘) habe ich 
auf Grund der Wetterkarten nachgewiesen, dafs die barometrischen Minima 
sich in der Weise bewegen, dafs sowohl der höhere Luftdruck als auch die 
höhere Temperatur rechter Hand liegen bleiben. Dieses zeigt sich auch in 
unserem Falle sehr deutlich an. Betrachten wir die Wetterkarten vom 26. 
8h g.m., so finden wir an der Südostseite des Minimums über Skandinavien 
starke Gradienten, während gleichzeitig, wie die täglichen Wetterkarten der 
Seewarte nachweisen, eine Zone höchster Temperatur über England, der öst- 
lichen Nordsee und Norwegen liegt, so dafs die nordöstliche Bewegung der 
Depression hieraus erklärlich ist. (Zugstrafse 1.) 
Anders ist die Situation am 28. 8" a. m.: nicht allein die stärksten 
Gradienten liegen auf der Südseite des Minimums, sondern die höchsten 
Temperaturen, und daher die Fortbewegung nach östlicher Richtung. (Zug- 
straße 11.) 
Auch bei dieser Erscheinung finden wir die Drehung der Verbindungs- 
linie beider Minima entgegengesetzt der Bewegung der Uhrzeiger deutlich 
ausgesprochen, am 28. &a. m. ist die Verbindungslinie nach Nordost, um 
8% p. m. nach Nord und am 29. 8* a, m. nach Nordwest gerichtet, Ebenso liegt 
die grolßse Axe des Minimums am 28. a. m. nach Ost, um 8" p. m. nach Nord 
und am 29. 8° a. m. nach Nordwest. 
Ueber die Windverhältnisse während des Sturmes giebt die nachstehende 
Tabelle Aufschlufßs, in welcher die mittleren stündlichen Windgeschwindigkeiten 
von sieben deutschen Küstenstationen für die Zeit vom 26. bis zum 29. Oktober 
Mittags in Metern pro Sekunde übersichtlich zusammengestellt sind. 
Aus der Tabelle sind die beiden Sturmphänomene deutlich zu erkennen. 
Die stärksten Winde am 26. traten ein in Keitum zwischen 6" und 7*a, m., in 
Hamburg und Kiel um Mittag, in Wustrow und Swinemünde zwischen 2* und 
3b p. m., in Neufahrwasser zwischen 5* und 6* p. m. und in Memel zwischen 
8h und 9" p. m. — Eine zweite Anschwellung des Windes erfolgte am 27. Vor- 
mittags, nachdem das Barometer vom Fallen ins Steigen übergegangen war. 
Die heftigste Luftbewegung trat ein am 28. und zwar an allen Stationen 
mit Ausnahme von Memel, zwischen 6% und 9" p.m,.; in Memel traten die 
stärksten Winde erst zwischen 5% und 7* p. m. ein. Ueber der westlichen Ostsee 
war das Maximum der Windgeschwindigkeit ungewöhnlich grofs: in Kiel 
30,7 m, in Wustrow 30,1m p. Sek. mittlere stündliche Geschwindigkeit. 
Die beigefügte Kurventafel zeigt den aufserordentlich regelmäfsigen 
Verlauf der Erscheinung. Die Bewegungen des Barometers erfolgen an allen 
Stationen übereinstimmend mit einer nur kleinen Verschiebung der Kurven, 
welche durch die Fortpflanzung des Phänomens von Westen nach Osten 
bedingt ist. 
Aus dem „Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrgang V, No. 3 (vgl. auch diese Annalen, 
Heft IV, 1884).
	        
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