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Bemerkenswerthe Stürme,
Sehr häufig wird man sich damit begnügen können, nur das erste Glied
dieser Ausdrücke zu berechnen. Diese Methode der Verbesserung läfst gewils
nichts zu wünschen übrig, selbst wenn man genöthigi sein sollte, wegen der
Größe der gegenseitigen Korrektionen dieselben mehrfach berechnen zu müssen,
weil dadurch im Wesentlichen nur das R beeinflufst wird.
Man könnte (82) noch so umformen, dafs man anstatt R und £ der zu
eliminirenden Tide, die unmittelbar gefundenen Koeffiecienten A und B benutzte,
zu welchem Zwecke man nur £ durch Auflösung der cos und sin herauszu-
schaffen hätte, indessen scheint die obige Form doch die bequemste und
übersichtlichste zu sein, obwohl sie die vorherige Berechnung von R und £
voraussetzt.
Bemerkenswerthe Stürme.
Von Dr. J. van Bebber,
(Mittheilung von der Deutschen ‚Seewarte,)
IV. Sturm vom 26. bis 29. Oktober 1884.)
(Mit Tafel 15 und 16.)
Der Sturm in der letzten Dekade des Oktober 1884 gehört jedenfalls zu
den bemerkenswerthen Stürmen, nicht allein wegen seiner Heftigkeit, womit
derselbe im Nord- und Ostseegebiete auftrat, sondern ganz besonders wegen
seiner langen Dauer und der regelmäfsigen Aufeinanderfolge der Witterungs-
erscheinungen.
Der Sturm wurde hervorgerufen durch zwei barometrische Minima von
ungewöhnlicher Tiefe und Intensität, von denen das eine in nordöstlicher
Richtung auf der Zugstrafse I (vgl. diese Annalen, Heft IV, 1884) im Nord-
westen Europas fortzog, das andere auf der Zugstraße II von Schottland ost-
wärts über die nördliche Nordsee und Südskandinavien nach Finnland sich
bewegte.
Am 25. Morgens war das Wetter über ganz Europa ruhig. Zwischen
zwei barometrischen Maxima, von denen das eine südwestlich von den britischen
Inseln, das andere im Osten über Rufsland sich befand, lag eine breite Zone
relativ niedrigen Luftdruckes, welche im Nordwesten die tiefsten Barometer-
stände zeigte. Anhaltendes starkes Fallen des Barometers während der Nacht
vom 24, auf den 25. und am 25., dann Auffrischen der südwestlichen Winde
über den britischen Inseln, deuteten auf die Annäherung einer tiefen Depression
vom Ocean her. Am Abend des 25. war das Barometer in den letzten
12 Stunden gefallen: auf den Hebriden um 12, in Christiansund um 10, in
Shields und Skudesnaes um 9 mm, während gleichzeitig die Gradienten über
dem Nordseegebiete stark zusammengeschoben waren. Trotzdem war das
Wetter im Allgemeinen noch ruhig, insbesondere an der Deutschen Küste, wo
überall nur schwache südliche und gsüdöstliche Winde wehten. Allein in
Anbetracht der drohenden Gefahr wurde am 25. 9'/4 Uhr Abends die
ganze Küste durch das Signal „Ball“ gewarnt und der Eintritt stür-
mischer südwestlicher Winde in Aussicht gestellt.
Beim Herannahen der Depression frischten an der Nordsee die Winde
Jangsam, aber successive auf und erreichten am 26. Morgens einen stürmischen
Charakter, stellenweise zum vollen Sturm sich steigernd. Die beigefügte
Wetterkarte giebt die Luftdruckvertheilung und die Ausdehnung des Sturmfeldes
am 26. Oktober 8" a, m. Das Minimum liegt mit einer Tiefe von unter 720 mm
westlich von der norwegischen Küste, umgeben von dicht gedrängten Isobaren
und einem Sturmfelde, welches sich über die britischen Inseln, die Nordsee und
Skandinavien erstreckt. Hervorzuheben sind die aufserordentlichen Aenderungen
im Luftdrucke, indem an der mittleren norwegischen Küste die Abnahme des-
N I II und DIT s. Ann. 1880 S. 609, 1881 8.9. 1882 S. 6.