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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893.
de los Colorados, am Eingang des Hafens, kommt der Lootse mittelst eines
kleinen Ruderbootes an Bord, und unter seiner Führung geht das Schiff durch
einen 2 Sm langen und ziemlich engen, an der schmalsten Stelle nur 1 Kabllg.
breiten, natürlichen Kanal in die Xagua-Bai. Die Einfahrt macht mehrere scharfe
Biegungen, es ist daher nothwendig, dafs das einlaufende Schiff gut steuer-
fähig ist.
8 Die Lootsen sind zuverlässig und stehen unter scharfer obrigkeitlicher
Kontrole; sie führen als Abzeichen eine rothe Flagge mit weißem P im Boot.
Mehrere Bänke und seichte Stellen durchziehen die Bai, sind aber durch
Bojen gekennzeichnet, die allerdings anders liegen, als auf der Specialkarte der
britischen Admiralität angegeben ist. Die Schiffe ankern in der Ensenada de
Marsillan, ungefähr 1!/2 Sm von der Stadt entfernt.
Die Stadt hat ungefähr 20 000 Einwohner, besitzt Gas und elektrisches
Licht und steht in Eisenbahnverbindung mit Havana und den gröfßseren im Innern
der Insel liegenden Städten, während durch kleine Dampfer und Segelschiffe ein
lebhafter Verkehr mit den an der Südküste Cubas liegenden Orten unterhalten wird.
UCienfuegos wird von amerikanischen, spanischen und englischen Dampfern
angelaufen, Erstere bringen hauptsächlich Provisionen, Letztere Textil- und
Manufakturwaaren, auch liegt stets eine größere Anzahl Segelschiffe im Hafen.
Der Hauptexportartikel von Cienfuegos ist Zucker (jährlich 800 000 bis
900 000 Sack), der zum gröfsten Theile nach den Vereinigten Staaten (New
Orleans und New York) geht; sodann Tabak, dieser jedoch nur in kleineren
Quantitäten,
Ein Trockendock und ein Patentslip für kleinere Schiffe bis 200 Fuls
Länge ist vorhanden, auch können Maschinenreparaturen von nicht zu großem
Umfange beschafft werden.
Als Leichter werden Gaffelschoner von 30 bis 40 Tons Gröfse benutzt
und beträgt die Lighterage 75 Cents pro Tonne für gewöhnliche Ladung, Maschinen
und Eisen nach Uebereinkunft. Löschen und Laden geht schnell und gut. Der
Arbeitslohn beträgt 2 Doll. mit Kost an Bord oder 2!/a Doll. ohne Kost pro Tag.
Wird das Löschen einem Stauer übergeben, so berechnet derselbe 40 Cents
pro Tonne Gewicht; Eisen und Maschinen 50 Cents. Beim Laden nimmt der-
selbe 5 Cents für den Sack Zucker; 25 Cents für das Hogshead Zucker und
3 Cents für den Ballen Tabak.
Trinkwasser ist theuer, da nur ein Wasserboot vorhanden, und kostet 1 Doll.
pro 100 Gallonen engl., Fleisch 15 Cents pro Pfund, Kohlen (amerikanische) 7 Doll.
Cardiff 9 Doll. frei in den Bunker, andere Stores und Provisionen sind zu
mäfsigen Preisen zu haben.
Zu bemerken ist, dafs der Hafen Cienfuegos und die denselben bildenden
Küstentheile sowie die in der Nähe liegenden Riffe und Untiefen 10 Längen-
minuten östlicher liegen als in der Karte angegeben ist, eine auf die Wahr-
scheinlichkeit dieser Thatsache bezügliche Bemerkung ist auch auf der Karte
angegeben.
Notizen.
1. Experimente mit unbemannten Luftballons in grofsen Höhen,
Den Herren G. Hermite und Besancon ist es gelungen, einen kleinen, mit
selbstregistrirenden Instrumenten versehenen Ballon bis zur Höhe von 16000 m
amporzusenden. Nach den Comptes Rendus der Pariser Akademie (Bd. 116, No. 15)
haben sie dazu einen Ballon aus dreifacher Goldschlägerhaut von 113 cbm
Volumen verwendet, der mit gewöhnlichem Leuchtgas gefüllt war. Mit allen
Apparaten wog der Ballon 17 kg. Der Aufstieg fand am 21. März mittags um
12 25° von Paris aus statt, der Abstieg 7 Stunden später ca 120 km südöstlich
davon bei Joigny. Der Ballon erhob sich mit einer durchschnittlichen vertikalen
Geschwindigkeit von 8m; beim Abstieg, der mit nur 24 m Durchschnitts-
Geschwindigkeit erfolgte, haben die Instrumente keinen Schaden erlitten.