Eingänge von meteorologischen Journalen ete., Juli 1884.
Orleans bestimmte Vollschiff „Port Royal“. Dasselbe hatte 50° N-Br am
28, Februar verlassen und dann gleich für das Passaigebiet gesteuert. Es ge-
langte nach 60° W-Lg in 16,7° N-Br am 25. März und zur Mündung des
Mississippi am 14. April. Das auf einer Reise von Bremen nach New-Orleans
begriffene Vollschiff „Friedrich“, welches sich am 28. Februar bei Lizard befand,
das ebenfalls gleich südwärts segelte und vom 3. März in 45,7° N-Br und
11,5° W-Lg an eine recht günstige Gelegenheit antraf, kreuzte 60° W-Lg in
16,5° N-Br am 27, März und ankerte auf dem Mississippi am 15. April. Beide
Schiffe hatten einen, zwar nicht sehr kräftigen, aber doch beständigen Passat
angetroffen. Noch ein anderer Mitsegler, die nach New- York bestimmte
Bremer Bark „Antoinette“, welche‘ sich bei Lizard am 17. Februar befunden
hatte, versuchte ähnlich wie „J/da“ anfänglich die direkte Route einzuhalten.
Da sie auf derselben indessen auch nur sehr langsam fortschreiten konnte
and sich allmählich doch unerwünscht weit nach Süden‘ abgedrängt sah, ent-
schlofs auch deren Führer sich für die Passatroute und steuerte vom 11. März
in 40,5° N-Br und 24,7° W-Lg an recht Süd. Dieses Schiff, welches als süd-
lichsten Punkt am 31. März 21,4° N-Br in 48° W-Lg berührte, traf den eigent-
lichen Passat, welcher nach den Angaben der damals don Durchstecher nach
Norden machenden Schiffe erst südlich von 15° N-Br recht frisch wehte, gar
nicht an. Es hatte im Gegentheil überall gegen Mallung und westliche Winde
zu kämpfen und erreichte den Hafen von New-York erst am 1. Mai. Die
Bremer Bark „Olbers“ dagogen, welche auf einer Reise nach Philadelphia be-
griffen, sich am 18. März in 60° N-Br und 8,2°. W-Lg befunden und 50° W-Lg
in 47° N-Br am 10, April gekreuzt hatte, gelangte zur Mündung des Delaware
am 21. April, Und endlich das von Bremen nach New- York bestimmte Voll-
schiff „Columbus“, welches am 21. Februar in See gegangen, am 28. Februar
bei Fair Island gewesen war, crreichte den Bestimmungsplatz am 9. April.
Wie man sieht, waren in diesem Falle auf der hoch nördlichen Route recht
gute Resultate erzielt worden.. .
Von New- York aus ging die mit Petroleum beladene „/da“ wieder am
1. Juni in See, um nach Bremen zurückzukehren. Der Anfang dieser Reise
verlief infolge angetroffener ungewöhnlich schwacher Westwinde nur in sehr
langsamer Weise. Erst nachdem der. Westwind am 7, Juni frischer geworden
war, konnte man rascher nach Osten hin fortschreiten. Man vollendete dann
die Fahrt über den Ocean bei vorherrschend westlichen Winden, ohne dafs sich
Erwähnenswerthes während derselben ereignete. Das Schiff kreuzte: 70° W-Lg
in 39,3° N-Br am 4. Juni, 60° W-Lg in 39,1° N-Br am 9. Juni, 50° W-Lg in
39,2° N-Br am 12, Juni und 30° W-Lg in 44,1° N-Br am 19. Juni. Am
30. Juni, dem 29. Tage der Reise, erreichte „/da“ die Mündung des Kanals.
635
10. Reise des eisernen Hamburger Vollschiffes „Urania“, Kapt. J. Früchtenicht.
Das auf einer Reise von Liverpool nach Rangoon begriffene Vollschiff
„Urania“ überschritt am 15. September 1883 den Parallel von 50° Nord. Der
schwache Ostwind, bei dem dasselbe geschah, veränderte sich am nächsten Tage
nach rechts und lief gleichzeitig auffrischend nach kurzer Zeit durch S nach SW.
[m . südwestlichen Quadranten hielt sich der Wind dann für längere Zeit, ab-
wechselnd aus demselben frisch und schwach wehend und den Fortgang des
Schiffes bedeutend verzögernd. Als „Urania“ unter diesen Verhältnissen bis
zum 26. September nach 38° N-Br in 13,3° W-Lg. vorgerückt war, entwickelte
sich aus dort herrschender Stille ein rasch auffrischender NW-Wind, der sich
sehr bald nach rechts veränderte und zum Passat wurde. Die polare Grenze
des letzteren Windes schien am 27. September in der Nähe von 37,5° N-Br
und 15° W-Lg zu liegen. Man beobachtete dort einen höchsten Barometerstand
von 771,4 mm. Nachdem sich der Passat eingestellt hatte, nahm die Reise für
längere Zeit einen recht befriedigenden Verlauf, Derselbe wurde wieder lang-
samer, nachdem man südlich von der Insel‘ St. Antonio gekommen war und
ganz unterbrochen, nachdem. der Passat am 7. Oktober in der Nähe von
9,8° N-Br und 25,7° W-Lg geendet hatte. An die Stelle der kurzen Stille, in
welche derselbe überging, trat bald ein frischer SW-Wind, der auch nicht von
langer Dauer war. Ein einigermafsen beständiger SW-Monsun wurde von
„Urania“ nicht mehr angetroffen, Südlich von 8,5° N-Br beobachtete man nur