Zwei Stürme im Nördlichen Stillen Ocean.
Zwei Stürme im Nördlichen Stillen Ocean in der Nähe der Küste
von Mexico.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
594
Die deutsche Bark „Malinche“, Kapt. C. W. Kling, bestand auf der
Reise von West-Hartlepool nach San Blas am 21. und 22. September 1883 in
etwa 15° N-Br und 106° W-Lg einen Sturm, bei welchem die folgenden
meteorologischen Beobachtungen angestellt sind.
Datum ‘Stunde
1883 | h
Sept. 21 | 4 a.m.|
12 M,
4pm.
3 »
2
4 a.m.
3
12 M.
4 p.m.
8
8 2
Breite | Länge
Ni tord. ! West
14,1 °
14,4°
14,6°
14,7°
14,7°
14,7°
14,6°
14,6°
15,1°
15,5°
15,8°
16,2°
105,6°
105,6°
106,0°
106,1°
105,9°
105,8°
105,7°
105,5°
105,6°
L05,7°
105,9°
106,1°
Wind
SWzW £
W 5
SSW 6
SWS
SWzW 5
SWzW 9
5WzW 9
3W 8
SWS 6
SWzW 6
WSW 6
WSW 5
Luftdruck
aufO Grad
mm
757,1
758,0
756,7
755,0
756,5
756,0
155,4
757,2
756,2
155,5
757,4 (9 p.m.)|
756,2 l
Temp.
der
Luft
°C
26,7
26,8
25,8
26,0
26,8
26,5
25,8
27,1
28,0
27,2
26,8
25,9
Bewölkung
Wetter
nach
Beaufort
Ci-s Cu-s 9 og
bed. 1 og |
bed. 10 or4
Nim € cqr 21
Nim £ cap
Nim F eqPp
Nim £ cqP |
Cir Cum € cq 1
Cir Cum £ cgu
Cir Cum £ ognu
Cum $ c
Nim 8: car
Seegang
SW 2
SW 2
SW 3
SW 7
SW 7
SW 7
SW 7
SW 7
SW 6
SW 6
SW 6
W 6
Au den dem Sturm vorangegangenen Tagen steuerte das Schiff bei
leichten, zwischen SW und NW veränderlichen Wirnden einen nördlichen und
westlichen Kurs. Am Morgen des 21. holte der Wind bei einer mäfsigen bis
ijeichten Stärke von SW auf W, um dann gegen 12 Uhr Mittags auffrischend
auf SSW zurückzugehen. Im NW blitzte es und das Wetter war dick von
Regen. Bald nach Mittag wurde es ganz flau, dann nahm der Wind mit einer
Böc (Stärke 8) zum vollen Sturme zu. Das Schiff lag unter beiden Untermars-
segeln und Sturmsegel mit B. B.-Halsen beigedreht. Als der Wind wegschralte,
wurde um 2'/ Uhr Nachmittags gehalst. Die Luft begann sich etwas zu
brechen. Mit St. B.-Halsen trieb das Schiff ungefähr recht nach Osten. Bis
zum nächsten Murgen wehte ein voller Sturm mit heftigen Böcn aus SW und
einer hohen brechenden Sce aus SW und zuweilen aus S. Gegen 8 Uhr Morgens
den 22, etwas abflauend; es wurden einige Segel mehr gesetzt und wieder nach
Sı-B. gehalst, Im Laufe des Tages nahm der Wind eine etwas mehr westliche
Richtung an und wurde flauer; doch dauerte das böigec, regnerische Wetter noch
fort. Am 23. wehte es leicht aus W, worauf am 24. der Wind durch N östlich
holte. Bis zum Ende der Reise am 29, waren leichte östliche Winde vor-
herrschend,
Das stärker als gewöhnlich fallende Barometer am Morgen des 21.,
welches um 4 Uhr Nachmittags mit 755,0mm seinen tiefsten Stand erreichte, und
die Zunahme des Windes bis zum Sturm aus SW deuteten darauf hin, dafs nach
NW, also recht im Kurs des Schiffes, ein barometrisches Minimum lag, dem
man sich näherte. Während des Sturmces trieb das Schiff, wie schon bemerkt,
fast recht nach Osten; dann, als der Sturm sich mäfsigte, wurde wieder nord-
westlich gesteuert, und der Wind lief bei steigendem Luftdruck westlich und
später nördlich. Aus diesen Thatsachen ist zu schliefsen, dafs die Bahn des
Minimums annähernd nach N oder vielleicht noch östlicher gerichtet war.
Auch während des Sturmes äufserte sich der tägliche Gang des Luft-
drucks wie an den kurz vorangegangenen Tagen, und war letzterer nur im all-
gemeinen niedriger als sonst.
In San Blas ist dieser Sturm ebenfalls gespürt worden.
I.
Zwölf Tage später, am 3./4. Oktober 1883, wurde die Westküste von
Mexico von einem zweiten Sturme heimgesucht, der stellenweise mit orkanartiger
Stärke auftrat. Kapt. A. Hegemann, Führer der deutschen Bark „Humboldt“,