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Port Lyttleton in Neu-Seeland,
an B-B. gekennzeichnet. Die Wassertiefe von der karrirten Boje bis zum Ein-
gange des Creeks ist 3m bei Niedrigwasser und 5,5m bei Hochwasser, von
dem Eingange des Creeks bis zu den Anlegebrücken 3m und 5,6m; der ganze
Kanal ist in einer Breite von 46m bis zu 3,8m bei Niedrigwasser und 6,5m bei
Hochwasser vertieft. Starke Westwinde erhöhen die Wassertiefe bis um 1,2m.
Ostwinde vermindern sie, aber nicht so viel.
Bemerkungen über Port Lyttleton in Neu-Seeland
von Kapt. G. Reinicke, Führer der deutschen Bark „Triton“.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Die Ansegelung von Port Lyttleton ist, sobald man die Küstenpunkte
ausgemacht hat, ungemein leicht. Das einzige hohe Land der ganzen Küsten-
strecke ist auf der Banks-Halbinsel. Von Süden kommend wird man zunächst
dieses ansteuern und dann demselben entlang segeln. Die Lothungen nehmen
gleichmäfsig ab. Am Tage wird der Leuchtthurm und während der Nacht das
Feuer von Godley Head zeitig genug in Sicht kommen. Man lasse sich aber
nicht durch Feuer täuschen, welche hie und da an den Bergabhängen von den
Bewohnern in der Nacht angezündet werden. Auf Godiey Head brennt ein
weißes Licht. Da jedes Schiff lotspflichtig ist, aulser wenn es von einem Hafen
Neu-Seelands kommt, so ist es gerathen, stets einen Lotsen zu nehmen. Man
kann indessen auch ohne dessen Beistand ganz ohne Gefahr in Port Lyttleton
einsegeln, da es nur nöthig ist, die Mitte der Bai zu halten. Beide Seiten der
Bai sind rein von Untiefen bis auf eine Klippe, die, durch eine rothe Boje
gekennzeichnet, sich an der Südseite der Bucht, quer ab von der Quarantäne-
station befindet. Dieselbe liegt jedoch so nahe am Lande, dafs man sie auf
dem vorgeschriebenen Wege von selbst an B. B. behält. Ueberall in der Bai
ist guter Ankergrund, Ein- und ausgehende Dampfer, die hier in bedeutender
Anzahl verkehren, halten sich am nördlichen Ufer der Bucht.
Der deutsche Dreimastschoner „Johann Adolph“ (über 300 Reg.-Tonnen
grofs), welcher zum ersten Male in Port Lyttleton war, kreuzte, da er, in der
Küstenfahrt begriffen, nicht lotspflichtig war, ohne einen Lotsen in 4 Stunden
aus der Bai von Port Lyttleton. Gröfsere Schiffe pflegen jedoch einen Schlepp-
dampfer zu nehmen. Dieser Dampfer, welcher Eigenthum der Hafenbehörde ist,
liegt beständig unter Dampf und geht sowohl in der Nacht, als am Tage hinaus,
sobald ein Schiff signalisirt wird.
Während meiner Anwesenheit in Port Lyttleton, vom 18, Jauuar bis
19. März 1883, hatten wir im allgemeinen ein vorzügliches Wetter, an dem
besonders die hier lebenden Europäer nichts auszusetzen hatten. Am Tage war
es sonnig und warm, in der Nacht frisch und kühl. Bei anhaltendem NW-Wind
stieg die Lufttemperatur nur zwei Mal während unserer ganzen Anwesenheit
derart, dafs sie lästig wurde, Von heftigen Winden, die gelegentlich in Port
Lyttleton auftreten sollen, habe ich nichts gespürt. Es wehte allerdings zweimal
stürmisch aus NE, einmal aus SW und dreimal aus NW. Der letztgenannte
Wind trat stofsweise auf und war von heftigen Böen begleitet. Stürme im
eigentlichen Sinne des Wortes waren aber diese Winde keineswegs. Der NW-
Wind, der im ganzen recht unangenehm ist, weil er bald aus der einen, bald
aus der andern Bergschlucht stofsweise über die Schiffe in der Bai hinweht,
kann diesen gefährlich werden, wenn sie nicht den genügenden Ballast im Raum
haben. Bei anhaltendem NE-Winde auf See soll manchmal im Hafen eine hohe
Dünung entstehen.
Während meines Aufenthalts hierselbst ist aber ein solcher Fall trotz
andauerndem NE-Winde nicht eingetreten. Gegen Mittag kam in der Bai ge-
wöhnlich eine frische Seebriese durch, die zur Zeit des Sonnenuntergangs wieder
‘) „Ann, d. Hydr. etc.“ 1881, pag. 223.