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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Beiträge zur Hydrographie des Sibirischen Eismeeres, 
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hiervon die unmittelbare Folge. Theils kommt das Flufswasser von seinem in 
dem höher liegenden Lande gelegenen Bette mit einer gewissen Geschwindigkeit 
und Masse in das Meer und verdrängt das salzige Meerwasser, oder es flielfst, 
wo die Tiefe gröfser ist, oberhalb dieses. Das höhere Niveau an der Küste 
und die dadurch bewirkte Neigung der Oberfläche des Wassers giebt diesem 
ein Bestreben, sich von der Küste zu entfernen. Auf die dadurch hervorgerufene 
Bewegung äufsert die Wirkung der. Erdrotation sich als eine ablenkende Kraft, 
welche die Richtung der Bewegung nach der Rechten dreht. Wenn, abgesehen 
von der Wirkung der Reibung, die ablenkende Kraft der Erdrotation gegen 
die Küste‘ der Wirkung der Neigung von der Küste das Gleichgewicht hält, 
bewegt sich das Wasser der Küste entlang mit dieser zur Rechten, also hier 
nach Osten. In dieser Weise erzeugen immer die Flüsse Strömungen längs den 
Küsten in der Richtung eines Uhrzeigers auf der nördlichen Halbkugel. Die 
Reibung wirkt dazu hin, dafs die Ablenkung der Wasserpartikel nicht so grof(s 
wird, wie oben beschrieben. Das Wasser entfernt sich in der "That von der 
Küste, das höhere Niveau wird aber in den meisten Fällen durch neues Wasser 
von neuen weiter östlich ausmündenden Strömen aufrecht erhalten. In gröfserem 
Abstand von der Küste kann das Flufswasser, welches dann schon mit Moeeres- 
wasser. gemischt ist, von den herrschenden Winden weithin über gröfsere 
Strecken getrieben werden. In dieser Weise wird vielleicht ein Theil des Ob- 
und Jenissei-Wassers von den im Sommer herrschenden nordöstlichen Winden 
des nordöstlichen Theiles des Karischen Meeres in einem Halbkreise nach diesem 
Theil des Meeres übergeführt und kann dazu beitragen, den Salzgehalt der 
oberen Schichten zu verringern. Ostwärts von Nord-Nowaja Semlja haben 
norwegische Seehundfänger fast trinkbares Wasser aus der Meeresoberfläche 
geschöpft. . 
Da, wo das Flufswasser sich über das salzige Meereswasser bewegt, 
werden durch die Reibung die nächsten Schichten von diesem mitgeschleppt und 
mit dem Oberstrome weggeführt. Da die mechanischen Bedingungen für die 
Bewegung der Wassermassen nicht zulassen, dafs leere Räume sich bilden, wird 
das weggeführte Meereswasser sogleich ersetzt, und zwar durch das nächste 
Wasser derselben Art. Die Sülswasserströme erzeugen auf diese Weise Strö- 
mungen im unteren Meereswasser, welches von unten und von den Seiten 
gewissermafsen herbeigesaugt wird. Es ist Professor Ekman in Stockholm, 
welcher einen solchen Vorgang im Göthaelf bei Gothenburg nachgewiesen hat. 
Das salzige Kattegatwasser geht hier am Boden des Flusses weit oberhalb 
Gothenburg hinauf mit immer steigendem Niveau als Reaktionsströmung. Geht 
der Flufsstrom längs der Küste, so kommt in seinem Rücken und an seiner 
Aufsenseite das kalte und salzige Meereswasser auf ein höheres Niveau hinauf 
und giebt‘ dem daselbst sich befindenden Oberflächenwasser eine niedrigere 
Temperatur und einen höheren Salzgehalt. Zugleich mit dieser niedrigeren 
Temperatur fand die Vega-Expedition in mehreren Fällen das Meer bedeckt 
mit Eis, dessen Vorkommen eben direkt aufserhalb der Flufsmündungen dem 
Beobachter ein Räthsel sein mufste, denn die naheliegende Ursache wurde erst 
später durch die Diskussion der Beobachtungen erkannt. 
Wenden wir uns jetzt zu den Profilen, um die Details näher zu studiren, 
Schon ehe die „Vega“ die Malygin-Strafse passirte, stielfs man auf Eis 
am 2, August Nachmittags. Dieses Eis entspricht dem kalten Reaktionsstrom 
des aus der Strafse fliefsenden Ob-Arms, wie die Profile sehr schön zeigen. 
Wiederum wurde am nächsten Tage Eis getroffen, diesmal da, wo der Reaktions- 
strom an der linken Seite des Db- Wassers das kalte Wasser gegen die Küste 
hinaufsaugt. Die stärkere Zunahme der Temperatur und die Abnahme des Salz- 
gehaltes tritt erst später hervor, und das Maximum der Wirkung des Flufs- 
wassers tritt erst ein, nachdem die Mündung des Jenisset passiıt worden ist. 
Die östliche Bewegung des Flulswassers giebt sich in den Profilen in schlagender 
Weise kund. In der Nähe von und am Dickson-Hafen steigt die Temperatur 
des Wassers auf 9°, und der Salzgehalt sinkt auf 0,3 bis 0,4 Procent von der 
Oberfläche bis zum Boden. Das Wasser ist von einer thonigen grauen Farbe, 
Die Frage, ob das salzige Meerwasser am Boden im Jenissei-Bette hinaufsteigt, 
wie bei Gothenburg, ist durch Nordenskiöld’s frühere Reise dahin beantwortet 
worden, dafs das Flußfswasser das ganze Bett ausfüllt.
	        
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