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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Beiträge zur Hydrographie des Sibirischen Eismeeres. 
Indem wir die graphische Darstellung, welche die Profile für Temperatur 
und Salzgehalt gesondert enthält, auf Tafel 14 diesem Hefte beifügen, entnehmen 
wir der Beschreibung Folgendes: 
Das Barents-Meer ist ein ziemlich seichtes Meer, indem nur in seinem 
westlichen Theile der Boden sich zu 370m senkt, während er im östlichen 
Theile nur etwa 185m Tiefe erreicht. Die herrschenden Winde des Jahres 
folgen im Allgemeinen der Richtung der Küsten. Sie sind in Finmarken süd- 
westlich bis westlich, in Rufsland südwestlich, in Nowaja Semlja südöstlich und 
zwischen dieser Insel, Spitzbergen und Bären-Insel östlich bis nordöstlich, 
Dieser cyklonischen Bewegung um ein relatives Luftdruckminimum, welches sich 
von dem Norwegischen Meere in der Breite von etwa 72° gegen Osten hin- 
schiebt, folgend, strömt das atlantische Wasser aufserhalb der Küste Finmarkens 
nach Osten, biegt aufserhalb Nordrufslands gegen Nordost und Nord und wird 
dann auf höheren Breiten von den Nordostwinden ergriffen und westwärts gegen 
Ostspitzbergen und die Bären-Insel getrieben, um weiter längs der Westküste 
Spitzbergens sich den allgemeinen Strömungen des europäischen Nordmeeres an- 
zuschliefsen. Auf diesem langen Wege kühlt sich das atlantische Wasser all- 
mählich ab. Im ganzen westlichen Theile des Meeres, dessen Boden höher 
liegt, als das eiskalte Bodenwasser des europäischen Eismeeres, behält das 
Wasser noch Wärmegrade am Boden. Im östlichen Theile dagegen (von etwa 
30° Länge aus) strömt das wärmere atlantische Wasser über eine Unterlage 
von eiskaltem Wasser, welches mit dem Wasser des Sibirischen Nordmeeres in 
stetiger thermaler Verbindung steht. Dasselbe ist der Fall auf der Strecke 
zwischen OÖstspitzbergen und Nowaja Semlja. Gegen Osten und Norden breitet 
sich also oben das warme Wasser aus zu einer dünnen Schicht, während um- 
gekehrt das kalte Bodenwasser gegen Westen und Süden sich drängt. In den 
letztgenannten Gegenden, mit eiskaltem Boden, bedeckt sich das Meer im 
Winter mit Eis; im Sommer ist es offen, wenigstens im südlichen Theile, aber 
die Erwärmung über 0° geht in dem alleröstlichsten Theile des Meeres, aufser- 
halb Nowaja Semlja, nur zu einer geringen Tiefe (37m oder weniger) hinab. 
Und dieses erwärmte Wasser ist, seinem Salzgehalt nach zu urtheilen, keines- 
wegs wesentlich atlantischen Ursprungs. Diesen mufs man in dem während des 
Sommers erwärmten Flulswasser aus der Petschora und den Flüssen der West- 
küste Nowaja Semlja’s suchen, welches sich über das dichtere Bodenwasser 
ausbreitet. 
Von den Straßen, welche das Barents-Meer mit dem Karischen Meere 
verbinden, ist die Jugor-Strafse so seicht, dafs im Sommer das Bodenwasser 
nicht bis 0° abgekühlt ist. Ueber die Temperatur in der Tiefe in der Waigatsch- 
Straße wissen wir in Ermangelung von Beobachtungen noch nichts Sicheres. 
In der Matotschkin-Strafse scheinen verschiedene Strömungen bald eiskaltes, 
bald wärmeres Wasser über den Boden zu führen. 
Das Karische Meer ist im Winter eisbedeckt. Im Sommer ist es theils 
eisfrei, theilgs mit Eis bedeckt, sowohl räumlich als zeitlich, indem die ver- 
schiedenen Jahre unter sich sehr abweichend sein können. Wo das Meer offen 
ist, hat das über 0° erwärmte Wasser doch nur eine sehr geringe Tiefe bis 
etwa 18m. Zwischen Nowaja Semlja und Jalmal münden keine gröfseren 
Flüsse aus, und die Erwärmung des Oberflächenwassers kann schwerlich einer 
anderen Hauptursache als der sommerlichen Insolation zugeschrieben werden. 
Der geringere Salzgehalt dieses Wassers rührt wohl theils von dem geschmolzenen 
Eise und theils vom Schmelzwasser der Küstenströme her. Es scheint auch 
möglich, dafs ein Theil des Ob- und Jenissei-Wassers auf Umwegen sich über 
das Karische Meer verbreiten kann. In den gröfseren Tiefen des Karischen 
Meeres, die 370m erreichen, ist die Temperatur bis zu —2,4° C. gesunken, und 
der Salzgehalt erreicht den oceanischen Werth von 3,5 Procent. 
Westlich von der Malygin-Strafse traf die „Vega“ einen zum Boden 
reichenden Strom von warmem und salzärmerem Wasser — offenbar einen Zweig 
des Ob-Wassers. Wir stofsen hier zuerst auf eine Reihe von interessanten Er- 
scheinungen, dio sich aufserhalb der Mündung jedes der größeren sibirischen 
Flüsse auf der Fahrt der „Vega“ wiederholt. Das im Süden erwärmte süfse 
Flufswasser strömt, durch die Schwere getrieben, in das Meer hinaus und drängt 
das Meerwasser von der Küste weg. KEine Erhöhung des Wasserspiegels ist
	        
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