accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

N) 
Eingänge von meteorologischen Journalen ete,, Juni 
1884 
„Stephan“ die erforderliche Länge zurücklegte, hielt sich derselbe meistens in 
der Nähe von 42° S-Br. Man traf dort vorherrschend westliche oder nördliche 
Winde an, bei denen sich ein befriedigend rascher Fortschritt erzielen liefs. 
Der zwar wiederholt heftig stürmende Wind erreichte doch in keinem Falle 
eine ungewöhnlich grofse Stärke. Bei stürmischem Westwind überschritt 
„Stephan“ auch am 15. Oktober, dem 19. bis dahin in östlicher Länge erlebten 
Tage, in 40,3° S-Br den Meridian von 80° Ost. Der Mitsegler „Patagonia“ 
war zu demselben in 41,5° S-Br am 8. Oktober gelangt. Kräftige Westwinde 
begünstigten ferner auch die Fahrt des „Stephan“ zum Passatgebiet. Unweit 
30° S-Br in 105,1° O-Lg, wo der kräftige Wind am 22, Oktober von SSW 
Jurch S nach SSE drehte, schien die polare Passatgrenze zu liegen, und in 
etwa 20,5° S-Br und 111° O-Lg, wo der noch immer frische Wind am 25. Ok- 
tober durch S nach SSW zurückkehrte, die äquatoriale. Die Windrichtung be- 
wegte sich hier in Schwankungen, wie sie in diesem Theile des Indischen Oceans 
zu dieser betreffenden Jahreszeit recht häufig aufzutreten scheinen, Nachdem 
jer Wind wieder südwestlich geworden war, wurde er schwächer, als er aber 
noch einmal wieder durch S nach SE umgelaufen war, wehte er aus letzterem 
Viertel für einen Tag recht kräftig. Nördlich von 13,5° S-Br herrschte 
schwacher, unbeständiger Ostwind und bei solchem gelangte man such am 
1. November in Sicht der Sandelbosch-Insel. Auf dem Wege zu derselben war 
vorher: 30° S-Br in 105,1° O-Lg am 22. Oktober und 20° S-Br in 111,9° O-Lg 
am 25. Oktober gekreuzt worden. Den Parallel von 10° Süd schnitt das Schiff 
in 120,5° O-Lg am 5. November. Der Mitsegler „Patagonia“ war zu dieser 
letzteren Breite in 105,1° O-Lg am 22. Oktober gelangt. Derselbe überschritt 
die Linie in 104,2° O-Lg am 1. November und ankerte auf der Rhede von 
Singapore am 2. November. „Stephan’s“ Schiffsort war am Mittage dieses 
jetzteren Tages 11° S-Br in 119,2° O-Lg. Nach langer, durch zwischen Timor 
and den kleinen Sunda-Inseln herrschende Mallung und Windstille verursachter 
Verzögerung erreichte „Stephan“ endlich am 13. November die Molukken See. 
Auch die dort angetroffenen Verhältnisse waren ungünstige. Lange anhaltende 
Stillen wechselten mit ganz leisem Zuge und bewirkten, dafs man erst am 
30, November in 129° O-Lg von südlicher in nördliche Breite übergehen konnte. 
Die Zurücklegung des letzten Breitengrades hatte damals eine volle Woche 
erfordert. In nördlicher Breite gewährten dort auftretende leichte westliche 
Winde endlich eine etwas günstigere Gelegenheit zur Förderung der Reise. 
Man konnte bei denselben bis zum 5. Dezember nach 6° N-Br in 136,5° O-Lg 
vorrücken. Nördlich von diesem Punkte stellte sich wieder ganz leichte östliche 
Mallung ein, und als sich aus dieser schliefslich am 9. Dezember in geringer 
Entfernung von 8,5° N-Br und 135,5° O-Lg ein NW-Wind entwickelte, wurde 
derselbe noch an demselben Tage stürmisch. Am 10. Dezember überstand 
„Stephan“ einen von wolkenbruchartigem Regen und niedrigstem Luftdrucke 
von 750,0 mm begleiteten orkanartigen SW-Sturm. Es schien dieser Sturm 
Theil von einem jener Orkane zu sein, wie solche in diesem Meerestheil schon 
von mehreren anderen deutschen Schiffen beobachtet worden sind, Orkane, die 
sich durch die ganz ungewöhnlich langsame Fortbewegung auf ihrer Bahn, die 
dadurch verursachte überaus lange Dauer und den sie begleitenden wolkenbruch- 
artigen Regen vor allem auszeichnen. Die Bremer Bark „Fulda“ überstand 
einen solchen von aufserordentlicher Heftigkeit in der Zeit vom 17. bis 
23. August 1879 auf der zwischen 13° N-Br in 131° O-Lg und 21° N-Br in 
127° O-Lg liegenden Strecke. In den „Ann. d. Hydr. ete.“ für 1880, Seite 212 
findet sich eine genauere Beschreibung desselben. Ferner beobachtete die nach 
Hongkong bestimmte Hamburger Bark „Papa“ einen ähnlichen Orkan, der vom 
25, bis zum 29. Dezember 1880, auf der zwischen 10,5° N-Br in 132° O-Lg 
and 8,5° N-Br in 128,0° O-Lg liegenden Strecke herrschte. In den „Ann. d, 
Hydr. etc.“ für 1882 wird auf Seite 40 eine kurze Beschreibung von diesem 
Orkan gegeben. Nachdem sich bei „Stephan“ der Sturm am 11. Dezember 
gemäligt hatte, veränderte sich der Wind nach S und das Barometer stieg auf 
755,4 mm. Als dann das nun in rascher Fahrt nach NW vorrückende Schiff 
am 13. Dezember nach 16,5° N-Br in 134° O-Lg gelangt war, nahm der 
inzwischen SSE gewordeue Wind abermals bis zum vollen Urkan zu, und das 
Barometer sank wieder bis auf 752.0 mm. Am Morgen des 14. Dezember
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.