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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

5892 
Eingänge von meteorologischen Journalen etec., Juni 
1884 
Gebiete des SE-Passäts, Er fand dort sich stets im westlichen Halbkreise 
haltende kräftige Winde, die erst schwächer wurden, als die Bark dem Passat- 
gebiete schon sehr nahe gekommen war. In geringer Entfernung von 25,5° S-Br 
und 102,5° O-Lg veränderte sich der flaue Wind am 30. Mai bei auf 770,4mm 
gestiegenem Luftdrucke durch S nach SE und wurde zum rasch auffrischenden 
Passat. Bei diesem liefs sich ebenfalls ein recht befriedigender Fortgang er- 
zielen, und ohne dafs fernerhin irgend eine Störung beobachtet wurde, erreichte 
die Bark am 6, Juni die Sunda-Strafse. Um zu derselben von 50° N-Br ab zu 
gelangen, waren 96 Tage erforderlich gewesen. Auf dem letzten Reiseabschnitt 
hatte man: 30° S-Br in 100,5° O-Lg am 28. Mai, 20° S-Br in 103,8° O-Lg am 
L. Juni und 10° S-Br in 106° O-Lg am 5. Juni überschritten. Der Mitsegler 
„Friedrich“ war zum Eingange der Sunda-Strafse am 4. Juni gelangt. Im 
Hafen von Hongkong ankerte „Joe Rauers“ am 3. Juli, und „Friedrich“ hatte 
dasselbe am 30. Juni gethan. 
Von Hongkong versegelte „Joe Rauers“ nach Cebu. Er trat diese Reise 
am 5. August an und beendete sie bis zum 17. August. Nachdem die Bark im 
letzteren Platze beladen worden war, ging sie am 14. Oktober in See, um nach 
Liverpool zurückzukehren. Man erreichte am 21. Oktober die China-See und 
am 9. November den Aequator in 108° O-Lg. Am 11. November befand sich 
„Joe Rauers“ in Sicht der Carimata-Insel, und am 26. November wurde die 
Insel Krakatau in der Sunda-Strafse gesehen. In der Sunda-See und Sunda- 
Strafse hatte man weit ausgedehnte, oft unübersehbare Felder von treibendem 
Bimstein angetroffen. Der am 25. November schon frisch wehende SE-Passat 
wurde am 26. November noch wieder durch Stille und Mallung unterbrochen, 
faßste aber bald wieder kräftig durch und gewährte dem Schiffe dann für 
längere Zeit eine recht günstige Gelegenheit zur Förderung der Reise, Die 
südliche Grenze des SE-Passats schien am 13. Dezember in 22,5° S-Br und 
63,5° O-Lg zu liegen. Der ganz schwach und hoch südlich gewordene Wind 
nahm dort bei einem Barometerstande von 766,4mm bis zum ganz leisen Zuge 
ab und veränderte sich darauf nach SW. Später stellte sich jedoch noch wieder 
ein mehrere Tage anhaltender SE-Wind ein, und hernach herrschten umlaufende 
sich in unregelmäfsigen Drehungen nach links bewegende schwache Winde vor. 
Ohne dafs nennenswerthe Stürme angetroffen wurden, vollendete die Bark auch 
die Umsegelung des Kap der guten Hoffnung. Am 13. Januar 1884 konnte man 
Jie Länge dieses Vorgebirges bei mälsigem südöstlichem Winde überschreiten, 
and am 16. Januar gelangte die nun bei frischem SE-Winde segelnde Bark 
zurück zu dem in 12,8° O-Lg erreichten Parallel von 30° Süd. Es waren 
lamals 18 "Tage vergangen, seit man dieselbe Breite im Indischen Ocean ver- 
lassen hatte. Während der Fahrt über dieses Meer war: 10° S-Br in 100,8° O-Lg 
am 27. November, 20° S-Br in 75,5° O-Lg am 7. Dezember und 30° S.Br in 
42° O-Lg am 29. Dezember, wie 90° O-Lg in 14,6° S-Br am 1. Dezember, 
560° O-Lg in 22,7° S-Br am 16. Dezember und 30° O-Lg in 32,7° S-Br am 
5. Januar geschnitten worden. 
Als „Joe Rauers“ sich am 11. Dezember in 21,5° S-Br und 69° O-Lg 
befand, beobachtete man dort, während gleichzeitig ein ganz leichter Ostwind 
wehte, eine ganz ungewöhnlich hohe, mehrere Tage anhaltende SW-Dünung. 
Kapt. Schröder bemerkt über dieselbe in seinem Journale, dafs dieselbe wohl 
wahrscheinlich von einem in südwestlicher Richtung herrschenden Orkane her- 
rühre, Diese Vermuthung scheint aber nicht richtig gewesen zu sein. Denn 
die damals auf einer Reise von Cebw nach New- York begriffene Bark „Inca“, 
welche sich am Mittage des 11. Dezember in 24,3° S-Br und 63,5° O-Lg befand, 
bemerkte dort zwar auch diese aufserordentliche SW-Dünung, sah aber von 
einem Orkane ebenfalls keine Spur. Diese Dünung wird daher wahrscheinlich 
die Folge eines vielleicht gar nicht einmal heftigen SW-Windes gewesen sein, 
der, in Anbetracht, auf welch weite Entfernungen sich Dünungen fortpflanzen 
können, in hohen südlichen, selbst von östlich segelnden Schiffen nur selten 
aufgesuchten Breiten geweht haben mag. Es scheint in der That für den 
Schiffsführer gerathen zu sein, nicht zu leicht auf irgend eines der vielen überall 
angegebenen Anzeichen hin auf die Nähe eines Orkans zu schliefsen. Er wird 
dadurch sicher oft ganz unnöthiger Weise in Furcht versetzt werden und viel- 
leicht infolge dessen zwecklos die Fahrt des Schiffes hemmen. Viele der be-
	        
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