Die Sydney-Insel,
Sorie genommen hatte, so konnte man keine Abnehmer finden, und das Unter-
nehmen wurde wieder aufgegeben, Die erste Ladung guten Guanos von Sydney-
Insel, welche in Hamburg angebracht wurde, war die von „Papa“ im Januar 1884,
Voraussichılich werden bald andere folgen, Lebensmittel für die Menschen
bringt der Boden von Sydney-Insel nicht hervor. Die einzigen Erzeugnisse der
Insel beziehungsweise des sie umgebenden Moeres, welche den Menschen zur
Nahrung dienen, sind: Fische, Schildkröten, die Eier der letzteren und zur
Brütezeit auch Vogeleier, Ziegen, Enten, Hühner und Kalkuten werden von
den Bewohnern gezüchtet. Die Ziegen können sich hinlänglich Nahrung suchen;
alle anderen Thiere müssen gefüttert werden. Frisches Wasser ist — wie
schon bemerkt — auf der Insel ebenfalls nicht vorhanden. Einige gemachte
Brunnen liefern nur stark brackisches Wasser. Durch Auffangen und Auf-
bewahren von Regenwasser wird dem Mangel etwas abgeholfen; allein da es
hier nur wenig regnet, reicht dieser Vorrath nicht aus, und es mufs deshalb
Wasser von anderen Inseln geholt werden. Ein kleiner Dreimastschoner mit
Hülfsmaschine und Schraube, welcher dem Kigeuthümer der Niederlassung,
Herrn Arundel gehört, versorgt die Bewohner der Sydney-Insel mit Proviant
und Wasser und unterhält den Verkehr mit der übrigen Welt.
Der Baumwuchs, welcher überall auf der Insel hart an den Strand heran-
tritt, ist krüppelhaft und eigentlich nur als Buschwerk zu bezeichnen. Ich habe
nur drei Arten von Bäumen vorgefunden, Zwei derselben mit sehr fleischigen
Blättern sind cinander sehr ähnlich; die andere Art, welche in ihrer Form von
der ersten abweicht, wird von den Insulanern Todtenbaum genannt. Er zeichnet
sich dadurch aus, dafs viele seiner Aeste und Zweige absterben, während der
Stamm gleichzeitig neue Spröfslinge treibt und so stets ein Bild des Vergehens
und Entstehens in sich vereinigt. In den abgestorbenen Theilen dieses Baumes
nisten die sich in zahlreicher Menge hier aufhaltenden Seevögel, durch deren
ätzende Exkremente die Koralle aufgelöst und in Humus oder Guano ver-
wandelt wird. Ein niedriges Gesträuch mit kleinen, feinen Blättern und gelben
Blüthen ist reichlich vorhanden und wuchert dort am stärksten, wo die Bäume
weggebrannt sind, Am Strande der Lagunen wächst ein kleines niedriges Kraut,
ähnlich unserem Steinkraut, und bedeckt gleich einem Teppich dicht den Erd-
boden. Auch eine Art von Riedgras gedeiht am Ufer der Lagunen.
Die ganze Insel wimmelt von Ratten, die ihre Höhlen und Schlupfwinkel
zwischen den Wurzeln der Bäume haben. Sie sind nicht grofs; ihre Gröfse
liegt etwa in der Mitte zwischen der Gröfse. unserer Maus und derjenigen
unserer Ratte. Wovon diese Thiere gelebt haben bevor die jetzigen Bewohner
nach hier kamen, ist mir nicht erklärlich; jetzt können sie freilich bei der
Niederlassung Nahrung finden, Andere Säugethiere leben wild nicht auf der
Insel. Ar Vögeln kommen aufser Seevögeln nur Schnepfen und Bekassinen an
den Rändern der Lagunen vor. Singvögel sind bis jetzt nicht angetroffen
worden. Moskitos kommen nicht vor, wohl aber viele Fliegen. Kleine Ei-
dechsen und Landkrebse sind zahlreich vertreten, während Schlangen und anderes
giftige Gewürm bis jetzt nicht aufgefunden worden sind. )
_ Sydney-Insel mufßs früher schon von Menschen bewohnt gewesen sein.
Beweis für diese Annahme sind die vielen vorhandenen Grabstätten und aus
Korallenstücken aufgeführten Grabhügel, in welchen jedoch keine menschlichen
Ueberreste vorgefunden worden sind. Es sind gewifs schon sehr viele Jahre
vergangen, seitdem die frühere Bevölkerung ausgestorben ist oder die Insel
verlassen hat. In der grofsen Lagune befindet sich ein durch einen künstlichen
Damm begrenztes Bassin, in welchem die alten Bewohner von Sydney-Insel
wahrscheinlich ihren Vorrath von lebenden Fischen aufbewahrt haben.
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