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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Akustische Signale für Kursbestimmung bei Nebelwetter. 
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Vorschlag einer Benutzung von akustischen Signalen für Kurs- 
bestimmung bei Nebelwetter. 
. Von Prof, Dr. Leonhard Weber, 
Das Problem, die Richtung eines wahrgenommenen Schalles in 
einfacher Weise zu bestimmen, scheint trotz der in die Augen springenden 
Wichtigkeit desselben für Schiffahrtesinteressen bisher ungelöst zu sein. Die im 
Folgenden besprochene Methode akustischer Signale, welche als ein Vorschlag 
zur Lösung dieses Problemes betrachtet werden möge, ist zwar durch wirkliche 
Experimente noch nicht auf ihre praktische Brauchbarkeit geprüft, da jedoch 
das zu Grunde liegende Princip ein sehr einfaches ist, so glaube ich mit der 
folgenden Mittheilung schon um deswillen nicht zurückhalten zu sollen, weil 
dadurch vielleicht berufenen Praktikern schneller Gelegenheit gegeben wird, 
bezügliche Versuche anzastellen, als es mir in nächster Zeit möglich sein wird. 
Längs einer Küste, die wir der einfacheren Ausdrucksweise wegen von 
W nach E laufend annehmen wollen, seien zwei Stationen A und B vorhanden, 
deren Distanz beispielsweise 333 m be- 
trage. Wenn man alsdaun genau gleich- 
zeitig in A und B ein akustisches Signal 
giebt, z. B. je eine Glocke oder Nampf- 
pfeife ertönen läfst, so werden auf allen 
Punkten, welche gleich weit von A und B 
entfernt sind, also auf der Linie des PfeilesN, 
die beiden Signale gleichzeitig gehört. Alle 
westlich gelegenen Punkte hören zuerst das Signal von Station A und dann 
dasjenige von Station B. Nehmen wir an, dafs die beiden Signale etwa um 
eine Quint in ihrer Tonhöhe verschieden seien, dafs etwa ina ein Ton c, in B 
das höhere g erklinge. Dann wird man auf allen westlich der Linie 4N ge- 
legenen Punkten die beiden Signale in der Reihenfolge cg hören, während in 
allen östlich gelegenen Punkten ge gehört wird, was sehr leicht für ein einiger- 
mafsen musikalisch empfindliches Ohr zu unterscheiden ist. Ein von W kom- 
mendes Schiff, welches längs der Küste fährt, wird, so lange es sich noch weit 
ab von den Stationen befindet, die beiden Signale um nahezu eine Sekunde der 
Zeit nach auseinander liegend hören, da der Schall gerade eine Sokunde braucht, 
um den Weg von 333 m zurückzulegen. Je näher dasselbe den Stationen kommt, 
um so schneller folgen die beiden Töne, bis sie in der Richtung 4N gleichzeitig 
und weiter östlich mit zunehmendem Zeitintervall und umgekehrter Reihenfolge 
gehört werden. Beiläufig bemerkt werden alle Punkte mit gleichem Zeitinter- 
vall auf Hyperbeln - liegen, deren Brennpunkte A und B sind. Die dem Zeit- 
intervall Null entsprechende Hyperbel stellt sich als die gerade Linie 4N dar. 
Die Beobachtung des Zeitintervalls und der Reihenfolge der Töne giebt dem- 
nach dem Schiffer an, auf welcher der zu A und B beschriebenen konfokalen 
Hyperbeln er sich befindet. Es würde dies also einer Peilung auf einen einzelnen 
Küstenpunkt entsprechen, Unter Umständen könnte ein zweites Paar von 
Stationen zu genauerer Ortsbestimmung dienen. Auch die Schätzung der Ton- 
stärke, die freilich mancherlei störenden Einflüssen unterliegen wird, könnte 
eventuell als zweites Peilungselement hinzugezogen werden. 
Was die praktische Ausführbarkeit dieser theoretisch einfachen und, wie 
ich glaube, sicheren Methode betrifft, so würde sich das Detail erst auf Grund 
gemaächter Versuche angeben lassen, und beschränke ich mich deswegen nur 
auf wenige Bemerkungen. Die Herstellung zweier gleichzeitiger Signale ist 
durch elektromagnetische Auslösung voraussichtlich ohne besondere Schwierig- 
keit zu erreichen. Um die Abschätzung des Zeitintervalls möglichst sicher zu 
machen, müssen die Tonquellen einen möglichst kurzen und dabei doch kräftigen 
Ton geben. Glocken, Dampfpfeifen oder abgefeuerte Geschütze, welchen letz- 
teren sich allenfalls verschiedene Klangfarbe geben liefse, würden dazu brauch- 
bar sein. 
Eine weitere Variation der Signale würde in den Fällen, wo bedeutendere 
Mittel disponibel sind, sich dadurch machen lassen, dafs man etwa auf einer 
kreisförmigen Schienenbahn zwei Dampfpfeifen diametral gegenüber rotiren und 
dieselben in geeigneten Zeitintervallen gleichzeitig ertönen läfst. Durch
	        
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