Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Mai 1884, 529
Am 30. März verliels die nach Bremen bestimmte „Maryland“ die
Chesapeake-Bai wieder. Westwinde, die sehr häufig heftig stürmten, führten
das Schiff rasch ostwärts. Am 14, April Mittags, als der Schiffsort von
„Maryland“ in 43,5° N-Br und 30,2° W-Lg war, veränderte sich der dort
damals wehende N-Wind nach NNE, am nächsten Tage nach Ost, um dann für
längere Zeit ungünstig zu bleiben. Der Luftdruck, welcher am Mittage jenes
Tages 761,8 mm betrug, hatte 48 Stunden später einen höchsten Stand von
771,8 mm erreicht und war am 17. April Mittags wieder auf 761,0 mm gesunken.
Es waren dieses ähnliche Verhältnisse, wie sie gleichzeitig auch bei dem am
Mittage des 14. April in 44,7° N-Br und 31,1° W-Lg stehenden Mitsegler
„Diamant“ beobachtet worden waren. Die Schiffe vollendeten dann den übrigen
Theil der Reise zum Kanal und gelangten beide am 28, April zur Mündung
desselben. Für „Maryland“ waren, um die Fahrt über den Ocean zurückzulegen,
29 Tage erforderlich gewesen. Während dieser Zeit hatte man: 70° W-Lg in
34° N-Br am 1. April, 60° W-Lg in 35,8° N-Br am 4. April, 50° W-Lg in
36,8° N-Br am 7. April und 30° W-Lg in 43,6° N-Br am 14. April gekreuzt.
10. Reise des Bremer Vollschiffes „George Washington“, Kapt. J. D. Probst.
Am 9. Dezember verliefs das Vollschiff „George Washington“ den Hafen
von Triest, um nach New-York zu segeln. 32 Tage später, am 10, Januar
1884, passirte dasselbe bei stürmischem Ostwinde die Strafse von Gibraltar,
und begleitete dieser, aufserhalb der Strafse zwar schwächer werdende, aber
doch immer noch in mäfsiger Stärke herrschende Wind das Schiff auch noch
für mehrere Tage im offenen .Ocean. Da der Wind später südlich holte, sich
auch meist im südöstlichen Viertel hielt, wurde gut westlich weggesteuert und
dabei, indem man sich in der Nähe von 34° N-Br hielt, ein ganz befriedigender
Fortgang nach Westen erzielt. Der fast immer hohe Luftdruck erreichte am
23. Januar einen in der Nähe von 34° N-Br und 38° W-Lg abgelesenen
höchsten Stand von 777,3 mm. Westwinde, die ungünstig waren, wurden fast
gar nicht angetroffen, und von Stürmen blieb die Fahrt ganz verschont.
Schließlich führte ein frischer Ostwind den „George Washington“ am 11. Februar
zum Hafen von New-York. Während der 32 Tage, die seit der Abreise von
der Strafse von Gibraltar vergangen waren, hatte das Schiff 30° W-Lg in 34°
N-Br am 20. Januar, 50° W-Lg in 32,2° N-Br am 30, Januar, 60° W-Lg in
33,6° N-Br am 3. Februar und 70° W-Lg in 366° N-Br am 8, Februar
geschnitten.
Wie das nach Baltimore bestimmte Vollschiff „Maryland“ hatte auch
„George Washington“ für die Fahrt über den Ocean eine ungewöhnliche, an-
scheinend in letzter Zeit aber häufiger von deutschen‘ Schiffen benutzte Route
gewählt. Gegen die Benutzung derselben läfst sich, so lange sie mit dem Ent-
schlusse geschieht, bei anhaltenden Gegenwinden und wenn noch ein bedeutender
Theil der Länge zurückzulegen ist, in niedrigeren Breiten günstigere Winde
aufzusuchen, kein Einwand erheben. Die beiden Schiffe scheinen damals nahe
an der polaren durch südöstlichen Wind und hohen Luftdruck bezeichneten
Passatgrenze den Ocean überschritten zu haben und fanden dort, wie schon
erwähnt, ganz günstige Verhältnisse.
Am 3. April, an demselben Tage, an welchem die Bremer Bark „Diamant“
es that, verließ auch der „George Washington“ New-York wieder, um nach
Hamburg zu segeln. Auch das Vollschiff vollendete diese Reise über den Ocean
dann unter ähnlichen Verhältnissen, wie solche im Reiseauszuge der Schiffe
„Maryland“ und „Diamant“ kurz erwähnt worden sind. Am Mittag des
15. April befand sich „Diamant“ in 45,7° N-Br und 28,9° W-Lg, „Maryland“
in 43,9° N-Br und 28,6° W-Lg und. „George Washington“ in 43° N-Br und
32,8° W-Lg. Bei „Diamant“ drehte um S* a. m. dieses Tages der ganz
schwache Wind von NW durch N und E nach ESE, bei „Maryland“ hatte sich
schon um etwa 10% p.m. des 14. April der kräftige Wind von N nach NNE
verändert, während die bei „George Washington“ herrschende flaue Briese um
12 a.m. des 15. April durch N nach NE umgelaufen war. Bei allen drei
Schiffen herrschte später für längere Zeit östlicher Wind. Am 1. Mai, 28 Tage
nach der Abreise von New- York, befand sich „George Washington“ in Sicht von
Ann. d. Hydr, etc., 1884, Hoft 1X,