Eingänge von meteorologischen Journalen ete., Mai 1884. 525
raumere. Richtung angenommen hatte, nahm die Reise einen etwas rascheren
Verlauf. Aus ganz leisem, nördlichem Zuge entwickelte sich am 9. Mai, in
etwa 32° S-Br und 16,5° W-Lg der NE-Passat, bei dem sich ein noch befriedi-
genderer Fortgang erzielen liels. Der zur Zeit des Einsetzens jenes Windes auf
764,7 mm zeigende Luftdrnck erreichte unweit 30° N-Br einen höchsten Stand
von 769,2mm. Der zwischen 22° und 9° N-Br in gröfster Stärke wehende
Passat dehnte sein Gebiet aus bis nach 7° N-Br in 25,3° W-Lg. Um den in
diesem Punkte betretenen Stillengürtel zu überschreiten, war eine ganz unge-
wöhnlich lange Zeit erforderlich. Nachdem zunächst für nicht weniger als
9 Tage Stille und leichte südliche Mallung beobachtet worden war, stellte sich
unweit 2,3° N-Br in 255° W-Lg ein leiser unbeständiger, meist aus SSW
wehender Wind ein, der die Bark ganz bis zur Linie begleitete. Bei diesem
Winde ging „Humboldt“ auch am 2. Juni in 25,4° W-Lg von der nördlichen
zur südlichen Halbkugel über. Der 2, Juni war der 41. seit dem Antritt der
Reise verflossene Tag. Während dieser Zeit hatte man: 40° N-Br in 12,2 ° W-Lg
am 1. Mai, 30° N-Br in 19,5° W.Lgy am 10. Mai, 20° N-Br in 26° W-Lg am
15. Mai und 10° N-Br in 25,7° W-Lg am 18. Mai gekreuzt. Dio von der Zlbe
nach Talcahuano bestimmte Hamburger Bark „Ceres“, welche den Kanal am
23. April verlassen hatte, schnitt die Linie in 26,8° W-Lg am 19. Mai. Noch
ein anderer Mitsegler, die auf einer Reise nach Sydney begriffene Stralsunder
Bark „Aequator“, welche sich am 22, April bei Lizard befunden hatte, erreichte
den Aequator in 28,8° W-Lg am 21. Mai. Dafs diese beiden Schiffe im Stande
waren, die Reise zur Linie in so bedeutend kürzerer Zeit zurücklegen zu
können, als „Humboldt“ es that, hatte seinen Grund in dem Umstande, dafs sie
gleich nach ihrer Abfahrt vom Kanal viel günstigere Winde antrafen, als
„Humboldt“ sie im Golf von Biscaya fand. Jene Schiffe befanden sich damals
an der nordwestlichen Seite eines Depressionsgebietes, während „Humboldt“
sich auf der südöstlichen befand, Durch die am 26. April bei den drei Schiffen
herrschenden Winde wird dieses deutlich angezeigt. Am Mittag dieses Tages
wehte bei „Ceres“ in 45,2° N-Br und 14,2° W-Lg NNW-Wind in Stärke 6, bei
dem in 45° N-Br und 13,6° W-Lg stehenden „Aequator“ Wind aus NNE von
Stärke 9, während der sich gleichzeitig in 44,8°. N-Br und 10,2° W-Lg befin-
dende „Humboldt“ durch einen die Stärke von 7 besitzenden SSW-Wind zurück-
gehalten wurde, Fast nur durch diese so verschiedenen, längere Zeit andauernden
Verhältnisse wurde es verursacht, dafs, als hei „Humboldt“ sich am 9. Mai der
Passat in 32° N-Br und 16,5° W-Lg einstellte, „Ceres“ sich gleichzeitig schon
in 17,5° N-Br und 25,7° W-Lg, „Aequator“ in 19,3° N-Br und 24,3° W-Lg
efand.
Aus dem schwachen Südwinde, bei welchem „Humboldt“ den Aequator
überschritt, entstand nach kurzer Zeit der SE-Passat. Derselbe begleitete das
Schiff für eine verhältnifsmäßig lange Zeit, denn seine in etwa 27° S-Br und
38°. W-Lg liegende polare Grenze wurde erst am 14. Juni erreicht. Der
mäßige Wind veränderte sich dort, bei einem höchsten Barometerstande von
771,9 mm, nach NE und führte dann weiter eine langsame Drehung durch N
nach W und S aus. Ostwind wurde erst wieder angetroffen, nachdem die Bark
südlich von 36° S-Br gekommen war, doch bewegte sich der Wind dort nicht
mehr in Rundläufen nach links. Die später herrschenden Winde waren indessen
im allgemeinen nicht ungünstig, und konnte man daher bei ihnen bis zum 4, Juli
nach 50° S-Br in 65° W-Lg vorrücken. Der 4. Juli war der 832, bis dahin in
südlicher Breite verbrachte Tag. Während dieser Zeit Hatte man: 10° S-Br
in 28,1° W-Lg am 6. Juni, 20° S-Br in 32,8° W-Lg am 11. Juni, 30° S-Br in
40,5° W-Lg am 16. Juni und 40° S-Br in 54° W-Lg am 26. Juni gekreuzt.
Am 9. Juli umsegelte „Humboldt“ die Ostspitze von Staaten Land, und
am 12, Juli wurde in 57,2° S-Br die Länge des Kap Horn überschritten, Am
Mittage des 13. Juli war die Bark bis nach 57,4° S-Br in 71,3° W-Lg gelangt.
Nach dieser Zeit wurden aber derartig ungünstige Winde angetroffen, dafs kein
Fortschritt mehr gewonnen werden konnte. „Humboldt“ wurde nun vielmehr
in solcher Weise nach Osten hin zurückgedrängt, dafs am 24. Juli wieder Diego
Ramirez erblickt wurde. Als bei den während der folgenden Zeit wehenden
mäfsigen und umlaufenden Westwinden wieder Länge gutgemacht werden konnte
und die Bark bis zum 30. Juli nach 57,7° in 80,5° W-Ly vorgedrungen war,