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Tiefseelothungen der „Romanche“ im Atlantischen Ocean 1882—83.
Von 11° S-Br an erheben sich die 20° bis 14° Isothermen, während
diejenigen von 12° ab sich senken. Diese Thatsache, welche das allmähliche
und kontinuirliche Aufsteigen der kalten Tiefenwasser mit der Annäherung an
den Aequator zu beweisen scheint, bildet ein neues Argument für die Theorie
der vertikalen Cirkulation des Wassers, von der oben bereits die Rede war,
eine T’hcorie, welche durch die Untersuchungen des Dr. Carpenter über die
allgemeine oceanische Cirkulation theilweise bestätigt wird.
Die Tafel läfst ferner den Einflufs erkennen, welchen die Bodenkonfiguration
auf die Richtung der Isothermen auszuüben scheint. Dieser Einflufs machte
sich bereits bei den Temperaturmessungen im Golfstrom bemerklich; neuerdings
ist wiederum auf ihn durch den Kommandanten der „Gazelle“, Kontre-Admiral
Frhr. En Schleinitz, welcher denselben mehrfach beobachtete, hingewiesen
worden.*
Fig. 3 stellt einen Schnitt durch den Aequatorialstrom dar. Die Ueber-
einstimmung der Beobachtungen zeigt den Grad der Genauigkeit, auf wolchen
man trotz der Verschiedenheit des Verfahrens und der angewandten Instrumente
rechnen kann. Die charakteristische Erhebung der Isothermen von 10° bis 2°
scheint zu beweisen, dafs die tiefen Wasserschichten zwischen den St. Pauls-
Felsen und der brasilianischen Küste eine niedrigere Temperatur als im östlichen
Theil dieses Schnitts besitzen. Hierauf hat Kapt. Nares hingewiesen, und hat
derselbe sich dahin ausgesprochen, dafs das kalte antarktische Wasser dem
Bette des Oceans folgt, und zwar zwischen den Bänken, welche Ascension mit
den St. Pauls-Felsen und der Brasilianischen Küste verbinden, um sich sodann
auf ca 30° N-Br mit den arktischen Gewässern zu vermischen. Die Isotherme
von 11,5° zeigt sich in diesem Schnitt überall auf 260 m Tiefe.
Die geringe Zahl der bis jetzt angestellten Beobachtungen, ebenso wie
die Ungenauigkeit der zum Messen der Tiefseelemperaturen angewandten In-
strumente, gestattet zweifellos nicht eher die Aufstellung einer exakten Theorie
über diese Phänomene, als bis eine viel gröfsere Zahl analoger Untersuchungen
angestellt ist. Um indefs zur Erkenntnis der Gesetze zu kommen, erscheint es
unumgänglich nöthig, gleiche Instrumente anzuwenden und die Beobachtungen
zu reguliren. Nur durch eine Vervielfältigung und Gruppirung dieser Beobach-
tungen wird es möglich sein, eine Karte über die Physik des Meeres mit den
zrofsen Strömungen und allen den Einzelheiten aufzustellen, welche jeden der
Oceane charakterisiren.
Apparat zur Bestimmung der Geschwindigkeit und Richtung des Stromes.
Woltmann-Hoisboer-Ribbers.
Unter dem Titel „Woltmann-Holsboer-Ribbers, werktuig tot het meten
van snelheid en richting van stroomen op diepte door H. Nijgh, luitenant ter
zee 1° klasse. Met 5 platen.“ ist in dem Verlage von Gebrüder Van Cleef,
's Gravenhage, eine Broschüre erschienen, welche die Beschreibung und Gebrauchs-
anweisung eines Instrumentes zur Bestimmung der Richtung und Geschwindigkeit
des Stromes in der Tiefe enthält. Dasselbe hat sich bei den von der hollän-
dischen Marine in der Madura-Strafse und in der Nordsee angestellten Strom-
beobachtungen als sehr brauchbar bewährt. Der zum Strommessen dienende
Theil unterscheidet sich von dem bekannten elektrischen Amsler-Laffon’schen
Apparate, mittelst dessen die Stromgeschwindigkeit in Flüssen gemessen wird,
namentlich dadurch, dafs die Leitungsdrähte mit Kautschuk umgeben sind und
5 S. „Ann, d. Hydr. etc.“, 1875, pag. 70; 1876, pag. 188.