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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Eingänge von meteorologischen Journalen ete., April 1884. 
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lief Kapt. Rehm einen südlichen, zur Region des Passats führenden Kurs 
steuern. Als das Schiff auf demselben bis nach 41,5° N-Br in 15° W-Lg vor- 
gerückt war, veränderte sich dort am 11. Dezember der inzwischen schwächer 
gewordene Wind bei einem höchsten Barometerstande von 777,0 mm durch N nach 
NE, um sich für lange Zeit im östlichen Halbkreise zu halten. Ob sich 
aus diesem Winde später unmittelbar der Passat entwickelte und wo, wenn 
dieses der Fall, dessen nördliche Grenze lag, ist nicht erkennbar. Die erste 
Störung im Fortgange der Reise trat wieder ein, als „Viktoria“ sich am 
24. Dezember in 23,3° N-Br und 40,5° W-Lg befand. Der zum ganz leisen 
Zuge herabgesunkene Wind vollendete dort, während der nächsten zwei Tage, 
eine Drehung nach .rechts und wehte nachher wieder kräftig und beständig aus 
dem nordöstlichen Viertel. Die Windrichtung wurde zum zweiten Male eine 
südöstliche, und dieses Mal wurde dadurch die polare Passatgrenze bezeichnet, 
als „Viktoria“ sich am 2, Januar 1884 in 25,2° N-Br und 63,2° W-Lg befand. 
Der Wind bewegte sich dort bei einem etwa 764,0 mm betragenden Barometer- 
stande auch in einer Drehung nach rechts, doch führte er dieselbe nicht ganz 
aus, sondern es folgten bald umlaufende Winde von mäfsiger Stärke, Am 
9, Januar überstand „Viktoria“ in geringer Entfernung‘ von 33° N-Br und 
72,5° W-Lg den ersten heftigen Sturm, der bis dahin angetroffen wurde. 
Derselbe begann aus SSE und nahm von daher bis zur Stärke 10 zu. Als der 
Luftdruck auf seinen niedrigsten Stand von 749,0 mm gesunken war, veränderte 
sich der Wind nach WSW und wehte bei steigendem Barometer von daher 
orkanartig. Nach dem Sturm -hielt sich der Wind beständig im westlichen 
Halbkreise, so dafs der noch übrige Theil der Reise ganz bei Westwind 
vollendet werden mufste. Am 14. Januar, 39 Tage später als der Kanal ver- 
lassen worden war, ankerte „Viktoria“ im Hafen von New- York, Während der 
Reise dahin hatte man: 40° N-Br in 15,7° W-Lg am 12. Dezember, 30° N-Br 
in 23° W-Lg am 17. Dezember und zum zweiten Male 30° N-Br in 70,6° W-Lg 
am 8. Januar, wie 30° W-Lg in 25,8° N-Br am 20. Dezember, 50° W-Lg in 
23° N-Br am 28. Dezember, 60° W-Lg in 24,5° N-Br am 1. Januar und 
70° W-Lg in 29,5° N-Br am 7. Januar gekreuzt. Am 12, Januar hatte auch 
die von Liverpool nach Sandy Hook bestimmte Bark „Niagara“ einen in der 
Nähe. des letzteren Punktes gelegenen Ankerplatz erreicht. Dieselbe hatte 
50° N-Br in 11,5° W-Lg am 9. Dezember verlassen. und später ebenfalls die 
Passatroute gewählt. Am Mittage des 12. Dezember, an welchem Tage bei 
beiden Schiffen der Wind nordöstliche Richtung annahm, befand sich „ Viktoria“ 
in 40,5° N-Br und 15,5° W-Lg, „Niagara“ in 41° N-Br und 163° W-Lg. 
Dieses Letztere, seine Länge zwischen 19° und 20° N-Br zurücklegende Schiff 
beobachtete später nicht jene bei „Viktoria“ am 24. und 25. Dezember auf- 
tretende Passatstörung. Am 24. Dezember Mittags, als dieselbe bei der in 
23,3° N-Br. und 40,5° W.Lg stehenden „Viktoria“ begann, segelte „Niagara“ 
in 20° N-Br und 44,5 W-Lg bei mäfsigem, zwischen N und ESE mallendem 
Winde. Das Wetter war auch hier jedoch regnerisch. Die beiderseits in 
gleicher Weise angedeutetoe polare Passatgrenze erreichten beide Schiffe am 
2. Januar auch zur nahezu gleichen Zeit, obgleich die Schiffsorte damals in 
Länge verhältnifsmäfsig weit von einander lagen. Am Mittag dieses Tages 
befand sich „Viktoria“ in 25,2° N-Br und 63° W-Lg, während „Niagara“ in 
25,4° N-Br und 71° W-Lg stand. Während der folgenden Tage wehten bei 
der Bark nördliche Winde, die derart ungünstiger waren, als diejenigen, welche 
das Vollschiff gleichzeitig fand, dafs das letztere sich dem ersteren rasch nähern 
konnte, und als am 9. Januar beide Schiffe den schon erwähnten heftigen 
Sturm überstanden, war der Schiffsort von „Viktoria“ in 33,2° N-Br und 
72,7° W-Lg.gegen den gleichzeitigen von „Niagara“ in 35,3° N-Br und 
72,5 W-Lg. Ein anderer Mitsegler, das Bremer Vollschiff „Cleopatra“, welcher 
den Kanal am 5. Dezember verlassen und der sich später auf der direkten 
Route gehalten hatte, gelangte nach New-York am 7. Januar, ohne auf dem 
Wege dahin sehr heftige Stürme angetroffen zu haben. „Viktoria“ hatte die 
Reise in 39, „Niagara“ in 35 und „Cleopatra“ in 33 Tagen vollendet. Die 
durch das Passatgebiet ausgeführten Reisen waren, obgleich auch recht gute, 
doch in diesem Falle von der auf nördlicher Route vollendeten übertroffen 
worden.
	        
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