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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Eingänge von meteorologischen Jonrnalen etec., September 1883. 
Rickmers“ von nördlicher in südliche Breite. übergegangen, „Malvina“ fand 
dann in südlicher Breite, ebenso wie „Deike Rickmers“, zunächst noch anhaltende 
Stille und leise unbeständige Mallung und schliefslich am 9. Mai, in der Nähe 
von 9,7° S-Br und 88,8° O-Lg, den SE-Passat. Bei dem damals in 10,5° S-Br 
and 88,7° O-Lg stehenden „Deike Rickmers“ setzte der auf kurze Windstille 
folgende SE-Passat anscheinend zur selben Stunde ein. Nach dem Antreffen 
des SE-Passats nahm „Malvina’s Reise für längere Zeit einen rascheren Ver- 
lauf, Der sich ungewöhnlich weit nach Süden hin ausdehuende Passat begleitete 
die Bark, bis sie am 27. Mai nach 29,6° S-Br in 41,6° O-Lg gelangt war. Als 
dort der Wind nordöstliche Richtung annahm, zeigte das Barometer auf einen 
Stand von 763,7 mm, dagegen war unweit 27° S-Br in 52° O-Lg ein höchster 
Stand von 771,2 mm beobachtet worden. Bei dem Mitsegler „Deike Rickmers“* 
hatte der Passat in 29,9° S-Br und 42° O-Lg, etwa 12 Stunden früher als bei 
„Malvina“, ein Ende genommen. Die Bark traf später südlich vom Passat- 
gebiete nahezu gleiche Verhältnisse an, wie sie im Reiseberichte des Voll- 
schiffes schon kurz erwähnt worden sind. Am Mittage des 4. Juni befand jene 
sich in 33,8° S-Br und 27,5° O-Lg, während dieses gleichzeitig in 34,8° S-Br 
und 27,1° O-Lg stand. Am 9. Juni überstanden beide in der Nähe der SW- 
Spitze Afrika’s befindlichen Schiffe einen orkanartigen Weststurm, Bei beiden 
Schiffen herrschte am vorhergehenden Tage Windstille und ganz leiser Zug, 
und deutete damals der mehr als 765 mın betragende Barometerstand auf keine 
Gefahr. Am Morgen des 9. Juni krimpte der Wind nach NNE, der Luftdruck 
nahm langsam ab, und die Luft nahm cin bedrohliches Ausschen an. Allein 
auf Grund des letzteren Umstandes wurde dann bei beiden Schiffen ein grofser 
Theil der Segel geborgen. Um 1l*a.m. schofs bei der sich in 36° S-Br und 
20,8° O-Lg befindenden „Malvina“ der Wind nach WNW aus und zwar gleich 
mit solch orkanartiger Gewalt, daß die Fock, welche gerade fest gemacht 
werden sollte, und die Marssegel in Stücke zerrissen. Um 1"p.m. wehte es in 
solcher Stärke, dafs Kapt. Kluge glaubte, er habe in seiner langjährigen Fahr- 
zeit noch keinen Wind von ähnlicher Heftigkeit erlebt. Der nun bei rasch zu- 
nehmendem Luftdruck wehende Sturm hielt bis zum Morgen des 10. Juni an, 
Das Barometer, welches bei „Malvina“ um 8a. m. des 9. Juni auf 758,5 mm 
gezeigt, das um 3*p. m. mit 750,6 mm seinen niedrigsten Stand erreicht hatte 
und um 8" p.m. wieder auf 758,5 mm gestiegen war, hatte um 8b a. m. des 
10. Mai einen höchsten Stand von 770,7 mm eingenommen. „Deike Rickmers“, 
dessen Schiffsort am 9. Juni Mittags 35,9° S-Br und 19,4° O0 Lg war, überstand 
diesen Sturm ebenfalls in seiner vollen Stärke, Derselbo beobachtete am Mittage 
dieses Tages einen niedrigsten Luftdruck von 755,6 mm. „Malvina“ befand sich 
am Nachmittage des 10. Juni, als der Wind schon bis zum leisen Zuge abge- 
nommen hatte, in Sicht einer italienischen Bark, welche die Nothflagge zeigte 
und nach der deutschen Bark hinsegelte. Als sie nahe genug gekommen war, 
verliefs die aus 16 Personen bestehende Besatzung ihr Schiff, und kaum 5 Mi- 
nuten später, als sie an Bord der deutschen Bark freundliche Aufnahme gefunden 
hatte, sank vor Aller Augen der mit 1500 tons Reis beladene, von Rangoon 
kommende „Fortunato“ in die Tiefe. Der italienische Kapitän berichtete, dafs 
sein Schiff am Morgen noch vollkommen seetüchtig gewesen sei, dafs aber die 
durch den 80 plötzlich hereingebrochenen Sturm bergehoch aufgewühlten Wellen 
den „Fortunato“ in kurzer Zeit in ein Wrack verwandelt hätten. Kapt. Kluge, 
der für die nun an Bord der „Malvina“ befindliche Anzahl Menschen nicht 
genügenden Proviant besafs, beschlofs, die Kapstadt anzulaufen und dort die 
Italiener zu landen. Nachdem am 15. Juni die Rhede der Tafel-Bai erreicht 
and der Zweck des Binnenlaufens ausgeführt worden war, setzte „Malvina“ am 
18. Juni die unterbrochene Reise fort. Sie traf auf See nun zunächst leichte 
südöstliche Winde an und später nördlich von 29° N-Br nordwestliche, oft von 
langer Stille unterbrochene Mallung. Indem kurze Zeit vorher einsetzender 
Westwind sich am 30. Juni, in der Nähe von 25° S-Br und 7° O-Lg, von SW 
durch S nach SSE veränderte, entstand aus demselben der Passat. Man beob- 
achtete kurze Zeit, nachdem derselbe eingesetzt war, einen höchsten Barometer- 
stand von 771,4 mm. . Von dem später auch nur sehr unbeständig auftretenden 
SE-Passat wurde „Malvina“ bis zum 16. Juli zu dem in 21,7° W-Lg über- 
schrittenen Aequator. geführt... Um zu demselben von 30° S-Br in 9,8° O-Lg
	        
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