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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit. 
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also um 45 Procent seiner Dauer, kleiner. sein, als der Vormittag. Bei den 
sämmtlichen östlich gelegenen Orten würden allerdings zur Zeit des entgegen- 
gesetzten Maximums der periodischen Abweichungen der jetzt geltenden mitileren 
Örtszeiten von den wahren Tageszeiten, nämlich im Januar und Februar, diese 
Abweichungen gerade durch die hinzukömmende Abweichung der Normalzeit 
von der mittleren Ortszeit vermindert werden. Die umgekehrte Reihenfolge 
von starken Vergröfserungen oder Verkleinerungen der jetzt eingebürgerten 
Unterschiede der Vormittags- und Nachmittags-Dauer in wenigen aufeinander 
folgenden Monaten würde natürlich in den entsprechenden Jahreszeiten bei den 
westlich von Berlin gelegenen Orten eintreten. Nur im Jahresdurchschnitt 
würde bei allen östlich von Berlin gelegenen Orten der Nachmittag um den 
doppelten Betrag des Unterschiedes von Ortszeit und Normalzeit kürzer, bei 
den ebensoviel westlich von Berlin gelegenen Orten um den entsprechenden 
Doppelbetrag länger sein, als der Vormittag. 
Die Einführung einer nationalen Zeit vermag auch keineswegs den jetzigen 
Uebelständen abzuhelfen, unter denen die internationalen Beziehungen des Welt- 
verkehrs zu leiden und über welche die Eisenbahn- und Telegraphen-Verwal- 
tungen sich zu beklagen haben; im Gegentheil, obwohl durch dieses System 
die Zahl der verschiedenen Zeiten, mit denen sie zu rechnen haben, vermindert 
würde, so wird doch andererseits auf diese Weise die Verschiedenheit der an 
den Grenzen der benachbarten Länder zusammentreffenden Zeiten noch mehr 
gesteigert, 
Ganz gleich würde es sich mit einigen in letzter Zeit vorgeschlagenen 
Auskunftsmitteln verhalten, wonach die Ortszeiten durch eine gewisse Anzahl 
von Normalstunden ersetzt würden. So hat z.B. das Institut von Canada vor- 
geschlagen, die Erdkugel in 24 Stunden-Zonen einzutheilen, welche durch die 
vom Ausgangs-Meridian ausgehenden 24 Hauptmeridiane begrenzt würden. Der 
Astronom Gylden hat, weil er mit Recht diese Stunden-Intervalle als zu lang 
erachtete, dieselben durch Intervalle von 10 Minuten ersetzt, indem er die Erde 
in 144 Normal-Zeit-Zonen eintheilte. 
, Die Wissenschaft würde durch Einführung der Regional- und Normal- 
Zeiten in ihren Interessen eher geschädigt als gefördert werden; denn sämmtliche 
Präcisions-Messungen, bei denen die Zeit in Betracht kommt, beruhen in erster 
Linie auf der Ortszeit, 
. Bei der Wahl des Ausgangs-Punktes für die Universalzeit, eine Frage, welche 
zugleich die Grenzen für den Uebergang des Datums umfaflst, mufs eine möglichst 
grofse Einheit und Einfachheit erreicht werden, ohne den arbeitenden und sef[s- 
haften Bevölkerungsklassen allzu bedeutende Veränderungen in ihren Gewohnheiten 
aufzuerlegen. Man darf nicht vergessen, dafs zwischen dem bürgerlichen Tage, 
welcher um Mitternacht beginnt, und dem am folgenden Mittage beginnenden 
astronomischen Tage ein in vieler Beziehung störender Unterschied besteht, 
besonders weil letzterer nicht zur von den Astronomen, sondern auch von den 
Seefahrern gebraucht wird. Die Beseitigung dieses Unterschiedes zwischen der 
bürgerlichen und astronomischen Zeit würde von grofsem Nutzen, indefs äufserst 
schwierig sein. Nichts ist dagegen leichter, als die astronomische Zeit und 
Stunde mit der internationalen Zeit und Stunde in Einklang zu bringen, indem 
man den im Jahre 1879 in Amerika von M. Sandford Fleming im Institut 
von Canada und von M. Cleveland Abbe in der Amerikanischen meteoro- 
logischen Gesellschaft gemachten Vorschlag annimmt. Derselbe besteht darin, 
die Universalzeit nach demjenigen Meridian zu richten, welcher 180° von dem 
Greenwicher Meridian entfernt ist, d. h. die kosmopolitische Zeitrechnung von 
der Mitternachtsstunde dieses Meridians, oder — was auf das Gleiche heraus- 
kommt — von dem Moment des mittleren Mittags von Greenwich anfangen 
zu lassen, 
Auf diese Weise kann man die universelle Zeit mit der astronomischen 
in Uebereinstimmung - bringen, ohne an den astronomischen und nautischen 
Ephemeriden etwas ändern oder ohne auch nur die mittlere Mittags- in die 
mittlere Mitternachtszeit umwandeln ‚zu müssen. Nach dem vorgeschlagenen 
System und der historischen Entwickelung entsprechend, bleibt ferner die Grenze 
des Datumswechsels im äufsersten Orient, an der NO-Grenze Asiens das kaum 
bewohnte Land der Tschuktschen und einige Inselgruppen, wie die Alkuten und
	        
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