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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit, 
dieses Meridians von der Astronomie, Geodäsie, Meteorologie und Erdkunde 
überall da angewendet werden, wo es sich darum handelt, die gewöhnlich nach 
der Ortszeit gemachten Beobachtungen in einer einzigen allgemeinen Zeit aus- 
zudrücken. 
Die Frage wird indessen verwickelter und komplicirter und gewinnt zu- 
gleich an Wichtigkeit durch den Umstand, dafs alle die modernen Institutionen, 
welche dem internationalen Verkehr dienen, wie die Eisenbahnen, die Dampf- 
achiffslinien, die Telegraphen und Posten, jetzt nun auch nach einer einzigen 
aniversellen und kosmopolitischen Zeit verlangen, nachdem sie versucht haben, 
die Verschiedenheit der Ortezeiten im Innern der verschiedenen Länder zu be- 
seitigen. Bei der steten Zunahme der Ausdehnung und Schnelligkeit von den 
grofsen öffentlichen Verkehrsanstalten beginnt im internen Dienst die Ver- 
schiedenheit der Stunden mehr und mehr die Ursache zahlreicher Konflikte, 
unnützer Ausgaben und zuweilen wirklicher Gefahren zu werden. Auch für 
die Geschäftswelt und den modernen Handel ist der Mangel einer universellen 
Zeit zu einer Quelle von Verlegenheiten geworden, seitdem Telegraphen und 
Eisenbahnen Länder und Welttheile mit einander in Beziehung gebracht, welche 
nach gänzlich verschiedenen Zeiten rechnen. Zu diesem Uebelstand kommt noch 
das Wechseln des Datums beim Uebergang von der West- auf die Osthemisphäre. 
Eine Abhülfe hierin, während gleichzeitig den Bedürfnissen der Wissenschaft 
genügt wird, ist nur durch ein Mittel zu schaffen, nämlich durch Einführung 
einer einheitlichen, universellen, durch den Ausgangs-Meridian bestimmten Zeit 
neben der Ortszeit. Letztere soll für das bürgerliche Leben nicht unterdrückt 
werden; dieses mul nothwendigerweise sich nach dem scheinbaren Lauf der 
Sonne richten. 
In mehreren Ländern hat man versucht, die lokale Zeit durch eine 
nationale zu ersetzen; indessen ist dies nur in denjenigen Ländern gelungen, 
deren Ausdehnung in der Richtung von Ost nach West gering genug ist, um 
eine Differenz von höchstens 20 bis 25 Minuten zwischen den Örtszeiten an den 
westlichen und östlichen Grenzen und der nationalen Zeit herbeizuführen, wie 
z.B. in der Schweiz, in Belgien, Holland, Italien, England und auch otwa noch 
in Frankreich. Indessen schon in Deutschland — und in noch weit höherem 
Grade in Oesterreich, Russland und in den Vereinigten Staaten, welche sich 
über mehrere Stunden von Ost nach Westen ausdehnen — würde man durch 
eine nationale Zeit den Mittag für die Bewohner der östlichen und westlichen 
Provinzen allzu sehr verrücken und die beiden Tageshälften allzu ungleich 
machen; besonders wenn man bedenkt, dafs die Veränderlichkeit der Zeit- 
gleichung während der verschiedenen Jahreszeiten ohnedies schon eine wirkliche 
Ungleichheit mit sich bringt, welche noch in lästiger Weise durch Einführung 
der nationalen Zeit vermehrt würde. 
Wie sich für Deutschland die Verhältnisse bei Einführung einer Normalzeit 
gestalten würden, hat Professor Förster in seinem Vortrage „Zur Beurtheilung 
einiger „„Zeitfragen““, insbesondere gegen die Einführung einer deutschen 
Normalzeit“, gehalten zu Hamburg im Verein für Kunst und Wissenschaft am 
7, Februar 1881 („Deutsche Revue“, VI, 3. 1881,.und Separatabdruck. Berlin, 
Otto Janke), näher ausgeführt. Die äufsersten Zeitunterschiede betragen von 
Berlin aus nach Osten etwa 37 Minuten, nach Westen etwa 30 Minuten. Für 
einen 20 Minuten östlich von Berlin auf dem Berliner Parallel gelegenen Ort 
würde nun z. B. am 9. November durch das Zusammenwirken des Zeitunter- 
schiedes zwischen bürgerlicher Zeit und mittlerer Ortszeit mit den Zeitgleichungen 
der Vormittag auf 5 Stunden 8 Minuten vergrößert, der Nachmittag zu 3 Stunden 
55 Minuten verkleinert, also der erstere gegen den letzteren um 1 Stunde 
13 Minuten, d. h. beinahe um den dritten Theil desselben vergröfsert sein, 
Bei einem östlichen Längenunterschied von 30 Minuten würde unter den sonst 
gleichen Verhältnissen der Ueberschufs der Dauer des Vormittags über diejenige 
des Nachmittags sogar auf 1 Stunde 33 Minuten, d. h. auf nahe 40 Procent 
des bis zu 3 Stunden 45 Minuten zusammengeschrumpften Nachmittags ver- 
gröfsert sein. Noch erheblicher im Verhältnifs zu den Längen der Vormittage 
und Nachmitiage würden diese Beträge sein, wenn der Ort zugleich sehr nörd- 
lich gelegen wäre. Für Memel z, B. würde am 9. November nach Normalzeit 
der auf 3 Stunden 33 Minuten verminderte Nachmittag um 1 Stunde 36 Minuten, 
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