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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Gemeinsamer Ausgangs-Meridian und Universalzeit, 
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vergewissern, sei es besser, von allen denjenigen Punkten abzusehen, welche 
bisher von den gröfseren Ländern benutzt wurden; um die Eigenliebe keines 
derselben zu verletzen, sei es angezeigt, einen sogen. „neutralen Meridian“ zu 
wählen. Man wäre alsdann gezwungen, auf jener Insel auf gemeinschaftliche 
Kosten ein Observatorium zu errichten und dasselbe, wie oben angegeben, mit 
anderen Observatorien zu verbinden. -— Ferner meint man, sei es im Interesse 
der Geographie unzulässig, dafs der Ausgangs-Meridian Kontinente durchschneide 
und somit Länder in zwei Hälften theile, in denen man dem Uebelstand der 
östlichen und westlichen, positven und negativen Längen als einer Quelle steter 
Irrungen ausgesetzt sein würde. Indefs würde der Uebelstand der Theilung 
eines Landes in östliche und westliche Längen sofort verschwinden, wenn die 
Längen lediglich in der östlichen Richtung von 0° bis 360° gerechnet würden, 
Und wollte man selbst, wie nach dem alten System, die Längen nach Westen 
und Osten herum bis 180° annehmen, so wären die möglicherweise daraus ent- 
stehenden Mifsstände und Irrthümer bei einem oceanischen Ausgangs-Meridiau 
für die Berechnung der Längen auf dem Meere weit mehr zu fürchten, als bei 
einem kontinentalen Ausgangs-Meridian. Auch noch andere ziemlich bedeutende 
Uebelstände würden sich herausstellen, welche bei der Frage über den Datum- 
wechsel zur Sprache kommen sollen. 
Nach dem bisher Gesagten und unter den gegebenen Verhältnissen wird 
demnach die Wahl nur noch zwischen den vier grofsen Sternwarten möglich 
sein, welche die hauptsächlichsten nautischen Jahrbücher und astronomischen 
Ephemeriden veröffentlichen, nämlich: Greenwich, Paris, Berlin und Washington, 
Von diesen ist schon jetzt der weitverbreitetste Meridian der von Greenwich, 
welcher auch den angeführten Bedingungen, vom geographischen, nautischen, 
astronomischen und kartographischen Gesichtspunkte aus genommen, am meisten 
entspricht. Eine grofse Zahl von Ländern, welche eine bedeutende Handels- 
marine besitzen, wie die Vereinigten Staaten, Deutschland, Oesterreich, Italien, 
benutzen schon jetzt aufser England den Meridian von Greenwich für ihre 
Schiffahrt. Was die Anwendung in der Astronomie betrifft, so sind die nach 
dem Meridian von Greenwich berechneten Ephemeriden, das englische und 
amerikanische „Nautical Almanac“, die auf den Sternwarten am meisten ver- 
breiteten. Was endlich die Kartographie anbelangt, so läfst sich nachweisen, 
dafs die nach dem Meridian von Greenwich gezeichneten topographischen und 
besonders die hydrographischen Aufnahmen eine gröfsere Erdfläche umspannen, 
als diejenigen Karten, auf denen die Längen nach irgend einem anderen Meridian 
gezählt sind. 
Ein Argument, welches Geographen und Kartographen mitunter gegen 
den Meridian von Greenwich als Anfangs-Meridian der Längenzählung einwenden, 
dafs nämlich dieser Meridian keine geeignete kartographische Hemisphären- 
theilung darbiete, ist — wie Professor W. Förster, Direktor der Berliner 
Sternwarte, in der „Denkschrift betreffend die Bedeutung, welche, unter Bei- 
behaltung der Ortszeiten für das bürgerliche Leben, die Einführung eines 
universalen Systems von Zeitangaben und von geographischen Längenangaben 
für den inneren Dienst der deutschen Verkehrs-Anstalten und für die Wissen- 
schaft hat“ (Berlin, den 21. Januar 1884) dem entgegenhält — insofern ganz 
hinfällig, als es von Niemandem vernünftiger Weise verlangt werden wird, dafs 
mit der allgemeinen Annahme des Meridians von Greenwich nun auch auf den 
Hemisphären-Karten, die sich bis jetzt an Ferro angeschlossen hatten, alle 
westlich von Greenwich liegenden Theile Europa’s und Afrika’s zu der amerika- 
nischen Hemisphäre geschlagen werden sollen. Die ausschliefsliche Geltung 
eines gemeinsamen ersten Meridians wird sich niemals auf andere, als mit 
Messung und Rechnung in Verbindung stehende Angaben, bei welchen dadurch 
sehr bedeutende materielle und ideelle Vortheile erreicht werden, zu erstrecken 
brauchen, 
Einführung einer Weltzeit. 
Diese Frage hängt unverkennbar und unmittelbar mit der Längen-Frage 
zusammen; vom Standpunkte der Wissenschaft aus enthält die Lösung der einen 
auch die der anderen. Denn sobald sämmtliche Ephemeriden und Jahrbücher 
nach einem und demselben Meridian berechnet sind, wird natürlich die Zeit
	        
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