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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die harmonische Analyse der Gezeitenbeobachtungen. 
‚ haben wie die in (25) und (27) vorkommenden, von der Variationsstörung des 
Mondes abhängigen kosmischen Tiden und diese wahrscheinlich an Gröfse über- 
ireffen, weshalb Darwin diese Tiden als zusammengesetzte und nicht als kos- 
mische behandelt wissen will, 
Von deu nach Ausscheidung der oben erwähnten 9 sich mit kosmischen 
Tiden vereinigenden und der beiden zweimal vorkommenden Tiden noch übrig 
bleibenden 25 zusammengesetzten Tiden brauchen höchstens etwa 12 berück- 
sichtigt zu werden, welche wir nachstehend mit ihren Bezeichnungen in der 
Reihenfolge ihrer theoretischen Wichtigkeit folgen lassen: 
Bezeichnung: Argument: 
MK 
MS 
MSf 
2MK 
Mz + Kı 
Me + Se 
Sı — Me 
Ms — Kı 
SS +Kı 
MAN 
MN 
Bezeichnung: 
2SM 
2MS = 
Argument: 
SS + 0 
Sı— 0 
Sa — M2 
Ma + Sa 
Ma — S2 
Ma + 82 
Auch von diesen werden in den allermeisten Fällen nur wenige zu berück- 
sichtigen sein. Es wird vielleicht am besten sein, bei der Beurtheilung, welche 
zusammengesetzten Tiden in einem gegebenen Falle mitzunehmen sein werden, 
so zu verfahren, dafs man die halben Amplituden der oben genannten gröfseren 
Tiden, wie sie sich bei der numerischen Auswerthung der Beobachtungen 
ergeben haben, paarweise mit einander multiplicirt und die Gröfse der Produkte 
als Index für die Wichtigkeit der zusammengesetzten Tiden betrachtet und 
dieselben nach der Größe dieses Index auswählt. Man wird dann sehr bald 
sehen, wie weit man zu gehen hat, nachdem die erste oder die ersten beiden 
zusammengesetzten Tiden ermittelt sind. 
Die Neben- und die zusammengesetzten Tiden bilden zusammen die 
Seichtwasser-Tiden. . 
Es erübrigt noch, die meteorologischen Tiden zu erwähnen. Hier- 
unter sind solche Schwankungen des Wasserstandes zu verstehen, welche von 
periodischen meteorologischen Erscheinungen abhängen. Solche sind Wind, 
Barometerstand und Regenfall. Der Wind ist an vielen Orten einer regel- 
mäfsigen täglichen oder jährlichen Periode sowohl der Richtung (Land- und 
Seebriese, Monsune), als auch der Stärke nach unterworfen; der Barometerstand 
hat eine tägliche und eine jährliche Periode, welche zwar keinen sehr erheblichen, 
aber doch merklichen Einflufs auf den Wasserstand ausüben kann; der Rogen- 
fall endlich hat eine ausgesprochene jährliche Periode, welche auf die Wasser- 
stände der Flüsse und daher auch auf die Höhe der in ihren Aestuarien auf- 
iretenden Tiden einen sehr erheblichen Einflufs hat. Die Perioden dieser 
meteorologischen Erscheinungen sind von dem Laufe der Sonne im Tage und 
Jahre abhängig, und es werden daher diejenigen Tiden, deren Perioden ganze 
Vielfache oder Bruchtheile eines mittleren Sonnentages oder eines tropischen 
Jahres sind, durch dieselben beeinflufst werden, während sie für alle Tiden, 
deren Periode eine andere ist, im Laufe eines Jahres eliminirt werden, d. h. es 
werden nur die Sonnentiden beeinflufst. 
Aus diesem Grunde können Tiden, welche völlig zu vernachlässigen wären, 
wenn man ihre Entstehung aus kosmischen Ursachen betrachtet, doch sich 
thatsächlich als bedeutend erweisen. So kann in Flufsmündungen eine erhebliche 
jährliche Sonnentide (Sa) auftreten, und auch die halbjährliche (Ssa) durch 
meteorologische Einflüsse gesteigert werden. Dasselbe gilt von der eintägigen 
Tide Sı, welche, als kosmische Tide betrachtet, völlig unbedeutend ist, durch 
meteorologische Verhältnisse aber von Wichtigkeit werden kann. Ebenso kann 
auch S2 durch diese Umstände beeinflufst werden. 
Bei der Ableitung dieser Tiden haben wir ihre Argumente =—h, 2h, 3h, 
soweit es sich um lange Perioden handelt, und = t, 2t, 3t für kurze Perioden 
anzunehmen.
	        
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