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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die harmonische Analyse der Gezeitenbeobachtungen, 
443 
Die Form der Glieder ist dieselbe wie die der Tiden kosmischen Ur- 
sprungs, wir können sie daher gemeinsam mit diesen behandeln und fassen sie 
auf als Tiden, welche zu den Haupitiden hinzutreten, weshalb wir sie Neben- 
tiden nennen wollen, da sie ihre Entstehung nicht kosmischen Ursachen, sondern 
Jediglich dem Nebenumstande verdanken, dafs die kosmische Tide im Vergleich 
zur mittleren Wassertiefe eine hohe ist. Darwin nennt sie „Overtides“, 
Die Bedingung für die Entstehung dieser Tiden, dafs ihre Höhe im Ver- 
gleich zur mittleren Wassertiefe grofs sein mufs, erlaubt uns die Berücksichtigung 
der Nebentiden auf die beiden hauptsächlichsten kosmischen Tiden, nämlich die 
halbtägigen Mond- und Sonnentiden, zu beschränken, welche mit Mz und S? 
bezeichnet sind. KErstere Tide hat als Argument, soweit dasselbe kosmischen 
Ursprungs ist, die Gröfse 2x2 — 2 (s—E), letztere 2t; die entsprechenden Neben- 
tiden haben daher die Argumente 4%2 — 4 (s—25), 6x2 — 6 (8—£), 8% — 8 (s—2£) 
und 4t und 6t, wenn wir uns auf diese. Glieder beschränken. Diese Tiden 
werden, analog den bisher angewandten Bezeichnungen, mit M«, Me, Ms, Sa und 
Se bezeichnet, 
Zweitens. Wenn mehrere Tiden von verschiedener Periode gleichzeitig 
in einem Kanale bestehen, so ist die resultirende Höhe einfach die Summe der 
Höhen der einzelnen Wellen, so lange diese Einzelhöhen im Verhältnils zu der 
mittleren Tiefe unbedeutend sind. Dies Gesetz der Superposition der Wellen 
verliert aber seine Giltigkeit, wenn das Verhältnifs der Einzeltide zu der Tiefe 
ein grofses wird.) In diesem Falle treten, ähnlich wie Helmholtz für Töne 
gezeigt hat, aufser den ursprünglichen noch andere Wellen auf, welche von der 
Summe und Differenz der Argumente der Einzeltiden abhängen, weil es‘ nun 
nothwendig ist, die Potenzen und Produkte der Einzeltiden zu berücksichtigen. 
Die aus den Produkten eutspringenden Tiden wollen wir zusammengesetzte 
Tiden nennen. Darwin nennt sie „Compound tides“ (früher wurden sie auch 
wohl Helmholtz-compound-tides genannt). 
Welche Tiden dieser Art zu berücksichtigen sein werden, mufs in jedem 
einzelnen Falle besonders entschieden werden, im Allgemeinen läfst sich nur 
so viel sagen, dafs aller Voraussicht nach höchstens die Kombinationen 
der Tiden: Mo, Sı, Kı, N und O und allenfalls noch der Nebentiden M« und 
Sa zu je zweien zu berücksichtigen sein werden. Wenn wir die Summen und 
Differenzen der Argumente der genannten. sieben Tiden paarweise bilden (wobei 
wir die Kombinationen Ma -+ M2 und Sa + S2 weglassen, da sie schon bei den 
Nebentiden vorkommen, bezw. auf Ma und Sz zurückführen), so entstehen 
36 neue Argumente, welche zu zusammengesetzten Tiden gehören. Von diesen 
haben neun dieselben Argumente oder vielmehr, worauf es allein ankommt, 
dasselbe ı wie schon entwickelte kosmische Tiden, nämlich: 
die Kombination hat das Argument oder & von 
M2 — Kı a 
M2— 0 Kı 
2 — N Mm 
82 — FF; > 
Kı-LO Ma 
Kı— O0 Mf 
— X \ 
— 0 u 
Ma —- 
Aw 
L 
so dass also die in der letzten Rubrik genannten Tiden in seichtem Wasser 
Störungen unterworfen sind. 
Die Kombinationen M: + Kı und Ms — O0, sowie Mz +0 und Ma— Kı 
geben je dasselbe 4, erscheinen also je als eine Tide, wenn auch die Koefficienten 
verschiedene sind. Darwin schlägt nun vor, sie als nur auf eine Weise, und 
zwar die erste aus der Kombination M: + Kı, die zweite aus M«-—Kı ent- 
standen anzunehmen. Endlich, ist noch zu erwähnen, dafs die aus den Kom- 
binationen Sı — Mz und $ı— X entstehenden zusammengezetzten Tiden dieselben 
WB 
/ 
l) „Tides and waves“, Art. 223.
	        
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