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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die harmonische Analyse der Gezeitenbeobachtungen, 
Setzen wir dies in (34) ein, so ergiebt sich für die von der vierten 
Potenz der Entfernung des Mondes abhängige Tide der Ausdruck: 
. 3Ma? 5 a k 1 
De A — J6 — j— 
(35) 3 "2 e Yet der L3 cos 5 J6 cos (82 8(s 9) 
Obwohl diese Tide nur sehr geringe Bedeutung hat, so macht ihre 
Ableitung so wenig Mühe, dafs sie immer mit berechnet werden sollte. Für 
die Sonne ist die entsprechende Tide natürlich noch geringfügiger, sie kann 
aber unter Umständen durch meteorologische Einflüsse von Bedeutung werden 
und sollte daher auch für die Sonne ermittelt werden, 
FE 
$ 4. 
Kurze Bezeichnung der verschiedenen Tiden. Gezwungene und freie 
Wellen, Einflufs der äufseren Gestaltung des Kanals, Neben-, zu- 
sammengesetzte und meteorologische Tiden. 
Um eine bestimmte Tide kurz und unzweideutig bezeichnen zu können, 
wurden von Sir William Thomson und Mr. Roberts Buchstaben gewählt, 
welche zum Theil an den Ursprung der Tide erinnern. So wurden die Haupt- 
Mond- und Sonnentiden mit M und S bezeichnet und durch einen Index die 
Periode der Tide, ob es eine ein- oder halbtägige Tide ist u. 8. w., unterschieden. 
Für die andern Tiden ist die Bezeichnung meistens willkürlich gewählt. Nach 
der Reihenfolge der Glieder in den Ausdrücken (25) bis (30) sind die Bezeich- 
nungen folgende, wobei wir noch bemerken wollen, dafs wir der Vergleich- 
barkeit der Resultate wegen die von Darwin in seiner Abhandlung gegebenen 
adoptirt haben. 
A. Mondtiden: 
Tiden von langer Periode (25) —, Mm, —, Msf, Mf, —. 
Tiden von eintägiger Periode (26) O0, 00, Kı, Q, Mı, J, —, —. 
Tiden von halbtägiger Periode (27) M», K2, N, L, 2N, v, 2, 1. 
Tiden von dritteltägiger Periode (35) Ms. 
Sonnentiden: 
Tiden von langer Periode (28) Ssa. 
Tiden von eintägiger Periode (29) P, Kı. 
Tiden von halbtägiger Periode (30) Sz, Ko, T. 
Tiden von dritteltägiger Periode (35) Ss. 
In der später folgenden Uebersichtstabelle über sämmtliche Tiden sind 
diese Bezeichnungen neben jede Tide gesetzt, so dafs die Zugehörigkeit der- 
selben außer Zweifel gesetzt wird. 
Die Wellen, welche wir bisher behandelt haben, und für deren Höhe wir 
im Vorhergehenden die Ausdrücke abgeleitet haben, gehören zu der Klasse der 
gezwungenen Wellen,') welche auch wohl primäre Wellen genannt werden. 
Dieselben sind ihrer Existenz nach einzig und allein von der Existenz der 
störenden Kraft abhängig; sie würden augenblicklich aufhören, zu bestehen, 
sobald die störende Kraft aufhörte, zu wirken; ihr höchster oder niedrigster 
Punkt befindet sich immer in einer ganz bestimmten Entfernung von dem Punkte 
des Kanals, wo die störende Kraft in einem gegebenen Augenblicke — 0 ist, 
daher ist ihre Fortpflanzungsgeschwindigkeit in keiner Weise von der Tiefe des 
Wassers abhängig, ebensowenig wie ihre Länge, welche stets der halben Länge 
des Kanals gleich ist. 
Es werden aber andere Wellen existiren als Folge des vorherigen Be- 
stehens der störenden Kraft (im Falle diese aufhörte, zu wirken), und os werden 
immer Wellen vorhanden sein, die gleichzeitig mit und neben den gezwungenen 
Wellen auftreten, zu diesen in bestimmter Beziehung stehen, aber von der 
Tiefe des Kanals und anderen Umständen seiner Gestaltung abhängen. Diese 
Wellen werden freie Wellen, auch wohl sekundäre Wellen genannt. 
Die erste Klasse der freien Wellen, welche als Folge plötzlichen Auf- 
hörens oder plötzlicher Aenderung der störenden Kraft auftreten würden, kann 
X „Tides and waves“. Art. (278).
	        
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