Reiseberichte S. M. S. „Prinz Adalbert“.
Nach Passiren des Lucipara-Kanals bot die Navigirung durch den übrigen
Theil der Banka-Strafse keine besonderen Schwierigkeiten mehr, erforderte aber
grofse Aufmerksamkeit, um die dazu wesentlichen, so wenig charakteristischen
Landmarken rekognoseiren und im Auge behalten zu können. Als solche sind,
aufser den bereits erwähnten, besonders hervorzuheben: First Point, False Point,
Second und Third Point, Lalarie Point (kennzeichnet sich durch eine helle
Sandfläche am Strande, nicht Baumstämme, wie die Segelanweisung angiebt),
Casuarina Point, Timbage oder Copper Rocks (röthliche Farbe), die Nangka-Inseln,
Monopin Hill, Kalian-Leuchtthurm (das Feuer ist gut sichtbar und den Angaben
der Karten und Segelanweisungen entsprechend) und Tanjong Oelar-Leuchtthurm,
Eine Bake, wie sie die Segelanweisung aufführt, ist auf den Copper Rocks nicht
gesehen, ebenso wenig eine T’onne, welche dort liegen soll. Bei den Untiefen
Karang Brom Brom liegt eine spitze — nicht, wie in der Karte verzeichnet ist,
stumpfe — wie es schien, schwarze Tonne. Die Fredrick Hendrick Rocks sind
durch eine nach den angestellten Peilungen nicht südlich, sondern nördlich
von denselben liegende, sehr gut sichtbare rothe Bakentonne markirt.
Mit dem Passiren der letztgenannten Felsen verliefs das Schiff die
Banka-Strafse, und wurde dann mit N'ZO ein zwischen Zoedjoe-Inseln und Pulo
Taya hindurchführender Kurs gesteuert, bis NWzW-Kurs zwischen dem Fredrick-
Riff und dem Pollum Rock, sowie der Fiy-Bank, recht auf den Eingang der
Rhio-Strafse führte. Die Toedjoe-Inseln und Pulo Taya, welche am Tage passirt
wurden, sowie die weithin sichtbaren hohen Berge auf Sinkep und Linga ge-
statteten fortwährend eine genaue Kontrole des Schiffsortes. Bei der weiteren
Annäherung an die Rhio-Strafse sind die vor derselben liegenden Inseln leicht
zu unterscheiden, so dafs das Einsteuern in die Strafse keine Schwierigkeiten
macht. Auch die Navigirung in der Strafse ist verhältni(smäfsig leicht, da
hierzu geeignete Land- und Scemarken vorhanden sind. Während der Daurch-
fahrt S.M.S. „Prinz Adalbert“ wurde dieselbe durch wiederholt einsetzende
dicke Regenböon, welche Land und Marken verdeckten, erschwert. Von den in
den Karten verzeichneten Bojen zur Markirung der Untiefen sind die meisten
in der richtigen Position gesehen; es sind jedoch alles Bakentonnen und
keine stumpfen Tonnen, wie sie die Karte aufführt; auch scheint die
angegebene Farbe derselben nicht immer zutreffend. Die beiden Tonnen zur
Bezeichnung der Zsabella Shoals liegen in der Richtung 0S0%/40 — WNW/4W
von einander, und nicht wie in den Karten ON0'20—WSW!4AW.
Nachdem das vor der Nordeinfahrt der Rhio-Strafse liegende, wie an-
gegeben, durch Bake und Tonne gut markirte Pan-Riff und die Tonne des
Pas op-Riffes östlich passirt waren, konnte direkt Kurs auf Singapore-Rhede
genommen. werden, und wurde auf dieser danach ohne weitere Zwischenfälle
geankert.
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Angaben über die auf der Fahrt durch die Sunda-, Banka- und Rhio-
Strafse beobachteten Strömungen zu machen, welche, wenn auch nur einigermafsen,
sicheren Anhalt für die Strömungsgesetze bieten können, sehe ich mich nicht in
der Lage. Diese scheinen wenigstens zur Zeit der Monsunwechsel ganz un-
berechenbar und unregelmäfsig zu sein. Auffallend fand ich besonders in der
Banka-Strafse die oft dintenschwarz scheinende Farbe des Meerwassers, welches
jedoch, wenn in einem Glase betrachtet, krystallhell erschien.
In den Strafsen begegnete „Prinz Adalbert“ oft schweren Stücken Treib-
holz, welches, wenn es von der Schraube eines passirenden Dampfschiffes ge-
troffen sein würde, sehr leicht das Brechen der Schraubenflügel hätte zur Folge
haben können. .
Wenn Umstände und Zeit dies irgend gestatten, sollte man, um derartige
Vorkommnisse zu vermeiden, in der Banka-Strafse nur so lange es taghell ist
dampfen, Nachts aber anf alle Fälle zu Anker gehen und während dieser liegen
bleiben, was ja auch da, wo die Strafse nicht befeuert ist, der Gewundenheit
und Schwierigkeit des Fahrwassers halber dringend angerathen werden muß.