1439
Reiseberichte S. M.S. „Elisabeth“.
verhindert. Der Strom lief nicht, wie die Karten und Segelanweisungen an-
geben, 1—1'/2 Sm pro Stunde, sondern nur 0,3—0,5 Sm, so dafs das Schiff
bei Windstärke 3—4 nicht mehr auf dem Strom lag, sondern ausschor. Die
Fluth setzte nach NW bis N, die Ebbe SSE bis SzW.
Die geographische Lage der Insel Crawford ist: 9° 27‘ 24“ N-Br
13° 48‘ 30“ W-Lg.
Nach den Segelanuweisungen soll hier die Regenzeit bereits Mitte Mai
eintreten, doch fing dieselbe in diesem Jahre nach Angabe Hiesiger erst mit
Ankunft S. M. S. „Elisabeth“ an. Während die Inseln angesteuert wurden,
zeigte der Himmel oft bei starkem Wetterleuchten ein sehr drohendes Aussehen,
doch gingen die schweren Wolken fast stets über das Schiff weg, ohne dafs
es zu Regengüssen kam. Gleich nach dem Arkern aber begann es stark zu
regnen, und in NO zogen sich sehr schwarze Gewitterwolken zusammen, die
sich bogenförmig vom Horizont abhoben, und unter denen die hohen Berge des
Festlandes hin und wieder recht deutlich hervortraten.
Abends 8 Uhr wurde es ganz stille, und war die Luft aufserordentlich
drückend, während es ringsherum heftig blitzte und ab und zu heftig donnerte.
Das Barometer zeigte durchaus keine Veränderung. Plötzlich gegen 9* 30” p. m.
setzte der Wind stürmisch aus ENE, vom heftigsten Regen begleitet, cin, so
dafs der zweite Anker fallen gelassen werden mußte; darauf drehte er bis El
und nahm nach einer halben Stuude rasch an Stärke ab. Um !211* war er
wieder EzN 1—2, während der Regen, wenn auch nicht so heftig, noch mehrere
Stunden lang anhielt.
Am folgenden Tage klarte es gegen 9 Uhr auf, und war es den Tag
über trocken. Am Nachmittage zeigton sich wieder von N bis E_die eigenthüm-
lichen drohenden schwarzen Wolken, und am Abende war starkes Wetterleuchten;
der südsüdwestliche Wind hielt aber das Gewitter augenscheinlich zurück, Krst
Nachts 2 Uhr kam es herauf, und die Böen setzten ähnlich ein, wie am 16.
Abends. Bis 6 Uhr blieb es stark böig, dann kam gleichmäfßsige Briese aus
Süd durch, während es bis zum Nachmittage woiter regnete.
Am 19. war es den Tag über beinahe ohno Unterbrechung schön, es
fielen nur ab und zu einige Tropfen Regen; der Wind war frisch aus S bis SW,
An den folgenden Tagen regnete es wieder, theilweise recht stark, mit nur
kurzen Unterbrechungen, Die eigentliche Regenzeit hat jetzt offenbar begonnen,
und vermittelten die heftigen Gewitterböen den Uebergang.
Soviel bei dem kurzen Aufenthalt aus den gemachten Beobachtungen
geschlossen werden kann, setzt der Regen hier meist mit dem Landwinde aus
E und SE ein, während die Seebriesen aus SW bis W trockenes Wetter bringen,
Nachts und Morgens bis gegen 10 Uhr hat man also den meisten Regen zu
erwarten, während mitunter einige Stunden Nachmittags ganz schönes und
trockenes Wetter ist. Der Aufenthalt in jetziger Jahreszeit ist unter diesen
Umständen ein durchaus unangenehmer, und es macht sich infolge der Sättigung
der Luft mit Feuchtigkeit dio Hitze sehr bemerkbar, obschon selbst am Tage
das Thermometer im Schatten an Deck meistens nur 26°—28° C. zeigte. In
den unteren Räumlichkeiten war es, wenn das Schiff nicht quer zum Winde
Jag, kaum auszuhalten, und anstrengende KExercitien sind ausgeschlossen. Da
jetzt die schlechte Jahreszeit ist, so ist indessen anzunehmen, dafs hier in
anderen Monaten, besonders im Winter, ganz erträgliches Klima herrscht.
Die Los-Inseln erheben sich bis zu 140 m und sind offenbar vulkanischen
Ursprungs, aber gröfstentheils mit Erde bedeckt, die infolge der Hitze und
Feuchtigkeit ganz aufserordentliche Fruchtbarkeit entwickelt. Joder brauchbare
Fleck der Inseln ist bebaut, und mehrere gröfsere Dörfer liegen an den Buchten,
wo auch das Landen mit Booten möglich ist. Hier auf Factory Island sind
nördlich von Sharks nose und Mat Point gute Anlegeplätze für die Schiffsboote,
doch mufs man sich hüten, dieselben bei Ebbe trocken fallen zu lassen, da die
Fluthhöhe ungefähr 1!/2 m beträgt.
Die Hütten der Neger sind meistens im Grundrisse kreisrund und haben
ein sehr dichtes, starkes, in eine Spitze auslaufendes Dach aus Palmenzweigen,
während die Seiten durch Matten geschlossen werden. Das Hausgeräth ist
sehr primitiv. Es besteht aus einigen Strohmatten, grofsen Kalabassen, Bast-
hängematten und hölzernen, gegen 2 Fuß hohen Mörsern zum Stampfen von