Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1923,
Die umstehenden Angaben lassen erkennen, daß die Wiedereröffnung der
Schiffahrt nach vielen finnischen Häfen in diesem Jahre erst besonders spät erfolgte.
Den Zeitungsnachrichten zufolge haben Schiffe mit großen Schwierigkeiten
und Gefahren in der Ostsee auch außerhalb der finnischen Häfen zu kämpfen
gehabt, da die an den Küsten aufgestauten großen Eismassen oft raschen Ver-
schiebungen und Schraubungen durch den Wechsel der Winde ausgesetzt waren.
Die Eismassen türmten sich in See stellenweise zu kleinen Bergen auf, und selbst
Eisbrecher gerieten im Eise fest und mußten die Hilfe anderer Eisbrecher in
Anspruch nehmen, um wieder frei zu kommen, An der Südküste Finnlands wurde
am 3. April während eines Sturmes aus SO der finnische Dampfer „Poseidon“
von der Gewalt des sich aufstauenden Eises in die Höhe geschraubt und auf die
Seite geworfen, kam aber später, ohne Schaden genommen zu haben, mit Hilfe
der Eisbrecher wieder in freies Wasser.
Über die Eisverhältnisse der russischen Häfen liegen nur Zeitungsberichte vor.
Nachdem gegen Ende November 1921 der Verkehr nach Petersburg wegen Eis
eingestellt werden mußte, setzte im Dezember eine geringe Belebung der Schiffahrt
wieder ein. Am 10. Januar 1922 wurde Eises wegen der Hafen von Petersburg
endgültig‘ geschlossen und am 11. Mai 1922 für die Schiffahrt wieder eröffnet.
Auch nach dem Rigaischen Meerbusen war die Fahrt längere Zeit KEises
wegen geschlossen, und eine Anzahl Dampfer wurden dort wochenlang im Eise
festgehalten und nur mit großer Mühe und mit Hilfe von deutschen Kriegs-
schiffen befreit,
Die Schiffahrt nach Pernau wurde am 3. Mai. wieder eröffnet.
Azimutbestimmung .
auf Grund zweier im gleichen Vertikalkreis stehenden Sterne.
Von Dr. J. Möller, Elsfleth.
Auf Seite 258 dieser Zeitschrift 1922 leitet Dr. Hänert eine Formel für das
Azimut zweier Sterne ab, die gleichzeitig durch denselben Vertikal gehen. Die
Formel unterscheidet sich von den sonst angewandten dadurch, daß sie die Kenntnis
oder die Berechnung der Sternzeit nicht voraussetzt, wie es z. B. bei Brünnow
z (Sphärische Astronomie, S. 819) und in Albrechts Formeln
und Hilfstafeln (S. 5 Nr. 4) geschieht. Hänert leitet die
Formel in origineller Weise aus den ebenen Dreiecken ab,
die durch Projektion der sphärischen Dreiecke auf eine die
Sphäre im Pol berührende Ebene entstehen. Für die logarith-
mische Rechnung ist sie leider unbequem, Einfacher kann
man die Aufgabe wohl auf folgende Weise lösen: In der
Figur sei Z das Zenit, P der Himmelspol, G, und G, die
Örter zweier in dem gleichen Vertikal stehenden Sterne mit
den Geraden Aufsteigungen «, und a, und den Deklinationen
6, und 0,, 1 das von P auf den Vertikal ZG, gefällte sphärische
Lot PF, y der Winkel ZG,P und X G,PG, = a, — «a. Dann ist:
sinl = siny cos da, siny == cos 6, sin (x; — ay) - cosec d
sin 1 = cos 6, cos 0, sin (&g — a) cosec d
sin A = sinl.sec g = cos d, cos Ö, sin (0, — a,) sec gpcosecd , . .
Die Distanz d zwischen den beiden Sternen folgt aus der Formel
cos d = sin 6, sin dz -| cos 0, cos d, cos (dag — &j) . - We ‚ @)
Diese Formeln sind etwas einfacher als die von Dr. Hänert gegebenen
und haben den weiteren Vorzug, daß sie statt mit dem Lot 1 mit der Distanz d
rechnen. Diese Distanzen sind für alle Sterne 1. und 2. Größe schon berechnet
und in Tafeln gebracht, und zwar in dem Buche: Sprigge, Doak, Hudson
& Cocks, Stars and Sextants, London 1903. Da Präzession und Nutation die
Distanzen nicht ändern und man in den Fällen, für die die hier besprochene
Methode der Azimutbestimmung in erster Linie bestimmt ist, meist von. den
Ze