400 Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen der deutschen Polarstationen
Vorläufiger Bericht über die Ergebnisse der meteorologischen
Beobachtungen der deutschen Polarstationen.
(„Meteorologische Zeitschrift“, 1884, Heft 3-—4.)
f. Royal-Bai auf Süd-Georgien.
Die Station lag an dem nördlichen Ufer der nach NO und Ost gegen das
Meer offenen, etwa 6—8 km breiten und 10—12 km langen Royal-Bati, die von
ziemlich hohen Bergen (mittlere Höhe etwa 400m, im Maximum bis zu 740 m
ansteigend) und Gletscherwänden umsäumt wird, um die sich dann ringsum im
Hinterlande noch weit höher bis 2000 m emporragende Berge anschlossen, 9m
über dem mittleren Meeresniveau und unter 54° 31‘ S-Br und 36° 5‘ W-Lg.
Das Südufer der Bucht bildete ein von Ost nach West immer höher
werdender Bergzug, das Nordufer selbst bestand aus einer gegen Ost flacher
werdenden Landzunge, mit einem Hochplateau von ca S0m Höhe. Ein otwa
50m breites flaches Terrain, 7m über dem Meeresspiegel und gegen die Sec
rasch abfallend, war dieser Landzunge nach Süden zu vorgelagert, und auf
Jiesem stand die Station.
Für Windbeobachtungen war die Lage derselben also keine sehr günstige,
allein die Umstände ließsen das Aufsuchen eines vielleicht besser geeigneten
Punktes nicht zu, und wäre ein solcher bei dem gebirgigen und zerklüfteten
Charakter der Insel auch wohl schwer zu finden gewesen. Ks mufste bei der
Wahl der Lage der Station auch auf die möglichst gefahrlos zu bewerkstelligende
Landung des Expeditionsmaterials sehr wesentlich Rücksicht genommen werden,
was bei dem häufigen unruhigen Wetter und dem vorwiegenden Auftreten von
Steilküsten nicht leicht war. Die Verlegung der Station auf eine die Umgebung
beherrschende Höhe wäre aus Mangel an Zeit und Arbeitskräften unmöglich
yewesen und dürfte bei den starken Stürmen auch für die Sicherheit der
Expedition gefährlich gewesen sein. Selbst die Aufstellung einer Windfahne
auf cinem Berge erwies sich der Stürme wegen als uuthunlich, indem die auf-
gestellten Wimpel wiederholt alsbald zerstört wurden.
Die regelmäfsigen Beobachtungen der Expedition begannen am 15. Sep-
tember 1882 und mufsten im Laufe des 3. September 1883 wieder abgebrochon
werden, da das mit der Abholung der Expedition beauftragte dentsche Kriegs-
schiff keine Ordre hatte, länger als unbedingt nöthig war, zu verweilen. Sie
umfassen daher kein ganzes Jahr, sondern nur 353 Tage oder, da ununter-
brochen stündliche Notirungen vorgenommen wurden, 8472 Beobachtungsstunden,
Die Beobachtungen umfassen aufser den magnetischen Elementen Aufzeichnungen
über Luftdruck, Lufttemperatur, Strahlungsthermometer, Feuchtigkeit, Wind-
richtung und Windstärke, Hydrometeore, Menge, Form und Zugrichtung der
Wolken und Niederschlagsmenge.
Luftdruck. Wie sich erwarten läfst, ist der Luftdruck auf Süd-Georgien
sehr starken und raschen Aenderungen unterworfen, von denen ein Beispiel
hier angeführt werden mag:
Barometerstände am 7. August 1883.
2a 4a 6a 8a 10a Mittag 2p 4p 6p 8p 10p 12p
700 Millimeter --
36,7 38339 292 2583 217 165 9,5 62 213 178 214 22,7
Nichtsdestoweniger ist, wie man aus der Tabelle ersieht, eine tägliche
Periode des Luftdruckes in den meisten Monaten doch recht deutlich erkennbar.
Den geringsten mittleren Luftdruck hatte der Januar, den höchsten der
Mai. Die Amplitude der Monatsmittel überschreitet 11mm. Die absolute
Schwankung des Luftdruckes betrug während der Beobachtungsperiode 64 mm.
Temperatur, Das Klima von Süd-Georgien ist ein äufserst limitirtes,
die mittlere Temperatur für die Beobachtungsperiode stellt sich auf etwa 1,7°,