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Vermessungsbericht S. M. KEbt. „Hyäne“.
Aus dem Vermessungsbericht S. M. Kbt. „Hyäne“,
Kapt,-Lieut. Geiseler.
(Mit Tafel 10.)
1. Samoa- und Tonga-Inseln,
Untersuchung der Korallenrife im Hafen von Saluafata.'‘) Wie Korv.-Kapt.
Karcher von S. M. S. „Carola“ im Jahre 1882, hat auch Kapt.-Lieut. Geisoler
im Jahre 1883 Untersuchungen über die Veränderungen der die Hafeneinfahrt
von Saluafata begrenzenden Riffe angestellt. Die Resultate der Untersuchungen
S. M. S. „Carola“ sind in den „Ann. d, Hydr. ete.“, 1883, mitgetheilt. Kapt.-Lieut.
Geiseler nahm im Juni und Dezember 1883 Messungen vor. Er fand bei der
ersten Untersuchung im Juni die gröfste Breite der Hafeneinfahrt 635m, die
geringste 530m. Die Ausdchnung der auf dem Riff gelegenen gröfseren Korallen-
insel Nuusiga wurde in der Richtung NWzW-—S0zO0 zu 49m, in der auf diese
Senkrechten auf 39m gemessen. Diese Distanzen betragen nach dem von
S. M. S. „Ariadne“ aufgenommenen Plane 45 resp. 32,5m. Die auf dem Korallen-
Aeck am westlichen Riff von S.M.S. „Carola“ placirte Eisenstange ragte 1m
über die Korallen empor, während sie bis auf 0,6m in die Korallen eingetrieben
worden sein soll; es scheinen demnach die oberen Korallen so weit weggewaschen
zu sein. Der Korallenfleck selbst zeigte statt der ausgemessenen Dimensionen
von 6 resp. 4,8m solche von 5,5 resp. 5,3m. Die Abnahme der Ausdehnung in
der ersten Richtung rührt augenscheinlich daher, dafs der Korallenfleck hier
dem Andrange der See sehr ausgesetzt ist. Die von der Stange aus nach drei
verschiedenen Richtungen vorgenommenen Lothungen ergaben folgende Resultate:
1. Richtung auf Ariadne-Huk auf 20m Entfernung dm, auf 30m Ent-
fernung 2m Wassertiefe, auf 38m Abfall zu 10m Tiefe.
2. Richtung O'/N auf 40m Entfernung 8m Tiefe, auf 42m Entfernung
11m Tiefe, auf 44m Entfernung 12m Tiefe, auf 46m Entfernung 13m Tiefe.
3. Richtung NOzO auf 88m Entfernung 4,3m Tiefe, auf 100m Entfer-
nung 8,5m Tiefe, auf 110m Entfernung 13m Tiefe.
Die zum Vergleich mit den Beobachtungen S. M. S. „Carola“ ausgeführten
Messungen scheinen vor der Hand ein Urtheil über Aenderungen der Riff-
bildungen noch nicht zuzulassen, da die vorgefundenen Differenzen hierzu zu
gering sind und zu wenig Regelmäfsigkeit zeigen. Ein Anhalt könnte in der
Zunahme der kleinen Insel Nuusiga (1878 und 1883 mit Mefsband gemessen)
erblickt werden. Diese Insel besteht jedoch aus zerbröckelten Korallen, welche
vom Riff angeschwemmt werden,
Die zweite Untersuchung fand im Dezember 1883 statt. Die gröfste Breite
der Hafeneinfahrt betrug jetzt 622m, die geringste 545m. Die Ausdehnungen
von Nuusiga zeigten ein Wachsthum dieser Insel. Die Messungen wurden mit
einer richtig abgemarkten und vorher revidirten Lothleine vorgenommen und
ergaben in der Richtung NWzW—5S0z0 50m und in der auf diese Richtung
Senkrechten 45m. — Die westlich von Nuusiga gelegene kleinere Insel wird
abenfalls gröfser. Die Beobachtungen der Höhe der auf dem westlichen Riff
placirten KEisenstange, der Ausdehnung des Korallenflecks und der in den ver-
achiedenen Peilungen gemachten Lothungen ergaben folgende Resultate:
Die Höhe der Stange über der Oberkante des Korallenflecks betrug, wie
auch bei den vorhergehenden Messungen S.M. Kbt. „Hyäne“ gefunden, 1m. —
Die Messungen des Korallenflecks ergaben: Richtung N52°O0 =— 4,9m und in
der hierauf senkrechten Richtung 5,1m,
Die Differenzen dieser und der vorhergehenden Messung untereinander
und beider mit der „Carola“-Messung haben jedenfalls ihren Grund in der sehr
exponirten Lage dieses Flecks und in der losen Bauart der Korallen, welche
die Seiten dieses Flecks bilden. Die Seitenkorallen zeigen nämlich noch kein
festes Gefüge und Verbindung mit einander, sondern brechen noch sehr leicht
1) Erläuternde Vorgänge „Ann. d. Hydr. etc.“, 1883, par, 325.