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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die Katastrophe in der Sunda-Strafse. 
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Zum Schlusse kommen wir noch mit wenigen Worten auf die nach der 
Krakatau-Katastrophe überall bemerkten Dämmerungserscheinungen zurück. 
Besteht ein Zusammenhang zwischen ihnen und der Katastrophe, so mufs der 
vulkanische Staub in der Zeit von August bis November vorigen Jahres die 
ganze Lufthülle der Erde bis in ihre höchsten Schichten durchdrungen und sich 
dort lange Zeit schwebend erhalten haben — eine Erscheinung, die als völlig 
neu ein grofses meteorologisches Interesse beanspruchen darf, 
Versuche zu einer Erklärung des Phänomens, unabhängig von dem 
Krakatau-Ausbruch, sind mehrfach gemacht worden, weil man berechnete, dafs 
die kleinen Partikelchen unmöglich bis zu so bedeutenden Höhen geschleudert 
sein könnten, in denen sie nach den angestellten Untersuchungen der Refraktions- 
erscheinungen thatsächlich schweben müfsten, weil man ferner das Schweben 
materieller Theilchen mit verhältnifsmäfßsig grofsem specifischen Gewicht in den 
obersten, nur so ungemein verdünnte Luft enthaltenden Schichten der Atmo- 
sphäre während einer so langdauernden Periode für unmöglich hielt, und weil 
schließlich die vom Vulkan ausgeworfene Masse eine unglaublich grofse hätte 
sein müssen, wenn selbst in feinster Vertheilung die ganze Lufthülle der Erde 
damit angefüllt sein sollte. Es wurde daher mehrfach der Vermuthung Raum 
gegeben, dafs die Erde auf ihrer Bahn einen Meteorschwarm oder eine Wolke 
kosmischen Staubes derzeit passirt habe. H. A. Hazen hielt am 16, Februar 
in. der Philosophischen Gesellschaft in Washington einen in dem „Journal of 
Science“ veröffentlichten Vortrag, worin er nachzuweisen sucht, dafs weder die 
letztere Hypothese, noch die der vulkanischen Asche die Ursache des Phäno- 
mens sein könne. Er weist bei Aufführung der möglichen Ursachen desselben 
auf die elektrische Thätigkeit des Erdkörpers und auf die Häufigkeit der 
Sonnenflecke hin, welche seit Juli vorigen Jahres beobachtet ist. Auch Pro- 
fessor von Zech, Stuttgart, verwirft die Staubtheorie, namentlich aus dem 
schon angeführten Grunde, dafs sich der Staub entgegen dem Gesetze der 
Schwere nicht so lange in der Atmosphäre hätte halten können, um in alle die 
weit entfernten Gegenden zu gelangen, in denen die Himmelsröthe beobachtet 
wurde. Er vermuthet den Grund der letzteren in Wasserdampf, der aus dem 
Himmelsraum in unsere Lufthülle gelangt sei. Von anderer Seite wird die 
Möglichkeit der Reflexerscheinungen durch den schwebenden Staub nur unter 
der Annahme zugegeben, dafs die Staubpartikelchen den Kern bildeten für daran 
haftenden, zu Kiskrystallen umgebildeten Wasserdampf. 
Professor von Lasaulx hebt diesen Einwänden gegenüber, wohl sehr 
zutreffend, hervor, dafs schon der Rauch, den das Moorbrennen in Ostfriesland 
hervorruft, als Höhen- oder Haarrauch sich weit auszubreiten vermag, wenn 
dafür günstige atmosphärische Strömungen ihn tragen, obwohl dieser Rauch 
zunächst doch nur die untersten Schichten der Atmosphäre erfülle. Derselbe 
solle sich manchmal bis nach Spanien, Italien und Griechenland erstrecken. 
Es ist ferner nachträglich festgestellt worden, dafs andere vor mehr oder 
weniger langen Zeiträumen ‚stattgehabte grofse vulkanische Ausbrüche von ähn- 
lichen, wenn auch nicht so grofsartigen Dämmerungserscheinungen begleitet 
gewesen sind. 
In jedem Falle spricht sehr vieles für den Zusammenhang zwischen 
der eigenthümichen Himmelsröthung und dem vielfach gleichzeitig beobachteten 
Erscheinen der Sonnen- und Mondscheibe in grünem, blauem, oder gelbem 
Lichte mit der Krakatau-Katastrophe, erwiesen ist aber der Zusammenhang zur 
Zeit noch nicht, 
Wir sehen, dafs noch Manches bei diesem ebenso seltenen, wie grofs- 
artigen Naturereignils aufzuklären bleibt. Unter diesen Umständen ist es er- 
freulich, dafs die Royal Society in London eine Kommission von Gelehrten 
eingesetzt hat, welche mit der Sammlung, Sichtung und Bearbeitung des ganzen 
erhaltbaren Beobachtungsmaterials der Krakatau-Katastrophe betraut ist und 
wir dürfen daher hoffen, dafs der merkwürdige Vorgang nicht ungenützt für 
die Erweiterung unseres Wissens bleiben wird. 
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