Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.
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Zum Schlusse kommen wir noch mit wenigen Worten auf die nach der
Krakatau-Katastrophe überall bemerkten Dämmerungserscheinungen zurück.
Besteht ein Zusammenhang zwischen ihnen und der Katastrophe, so mufs der
vulkanische Staub in der Zeit von August bis November vorigen Jahres die
ganze Lufthülle der Erde bis in ihre höchsten Schichten durchdrungen und sich
dort lange Zeit schwebend erhalten haben — eine Erscheinung, die als völlig
neu ein grofses meteorologisches Interesse beanspruchen darf,
Versuche zu einer Erklärung des Phänomens, unabhängig von dem
Krakatau-Ausbruch, sind mehrfach gemacht worden, weil man berechnete, dafs
die kleinen Partikelchen unmöglich bis zu so bedeutenden Höhen geschleudert
sein könnten, in denen sie nach den angestellten Untersuchungen der Refraktions-
erscheinungen thatsächlich schweben müfsten, weil man ferner das Schweben
materieller Theilchen mit verhältnifsmäfßsig grofsem specifischen Gewicht in den
obersten, nur so ungemein verdünnte Luft enthaltenden Schichten der Atmo-
sphäre während einer so langdauernden Periode für unmöglich hielt, und weil
schließlich die vom Vulkan ausgeworfene Masse eine unglaublich grofse hätte
sein müssen, wenn selbst in feinster Vertheilung die ganze Lufthülle der Erde
damit angefüllt sein sollte. Es wurde daher mehrfach der Vermuthung Raum
gegeben, dafs die Erde auf ihrer Bahn einen Meteorschwarm oder eine Wolke
kosmischen Staubes derzeit passirt habe. H. A. Hazen hielt am 16, Februar
in. der Philosophischen Gesellschaft in Washington einen in dem „Journal of
Science“ veröffentlichten Vortrag, worin er nachzuweisen sucht, dafs weder die
letztere Hypothese, noch die der vulkanischen Asche die Ursache des Phäno-
mens sein könne. Er weist bei Aufführung der möglichen Ursachen desselben
auf die elektrische Thätigkeit des Erdkörpers und auf die Häufigkeit der
Sonnenflecke hin, welche seit Juli vorigen Jahres beobachtet ist. Auch Pro-
fessor von Zech, Stuttgart, verwirft die Staubtheorie, namentlich aus dem
schon angeführten Grunde, dafs sich der Staub entgegen dem Gesetze der
Schwere nicht so lange in der Atmosphäre hätte halten können, um in alle die
weit entfernten Gegenden zu gelangen, in denen die Himmelsröthe beobachtet
wurde. Er vermuthet den Grund der letzteren in Wasserdampf, der aus dem
Himmelsraum in unsere Lufthülle gelangt sei. Von anderer Seite wird die
Möglichkeit der Reflexerscheinungen durch den schwebenden Staub nur unter
der Annahme zugegeben, dafs die Staubpartikelchen den Kern bildeten für daran
haftenden, zu Kiskrystallen umgebildeten Wasserdampf.
Professor von Lasaulx hebt diesen Einwänden gegenüber, wohl sehr
zutreffend, hervor, dafs schon der Rauch, den das Moorbrennen in Ostfriesland
hervorruft, als Höhen- oder Haarrauch sich weit auszubreiten vermag, wenn
dafür günstige atmosphärische Strömungen ihn tragen, obwohl dieser Rauch
zunächst doch nur die untersten Schichten der Atmosphäre erfülle. Derselbe
solle sich manchmal bis nach Spanien, Italien und Griechenland erstrecken.
Es ist ferner nachträglich festgestellt worden, dafs andere vor mehr oder
weniger langen Zeiträumen ‚stattgehabte grofse vulkanische Ausbrüche von ähn-
lichen, wenn auch nicht so grofsartigen Dämmerungserscheinungen begleitet
gewesen sind.
In jedem Falle spricht sehr vieles für den Zusammenhang zwischen
der eigenthümichen Himmelsröthung und dem vielfach gleichzeitig beobachteten
Erscheinen der Sonnen- und Mondscheibe in grünem, blauem, oder gelbem
Lichte mit der Krakatau-Katastrophe, erwiesen ist aber der Zusammenhang zur
Zeit noch nicht,
Wir sehen, dafs noch Manches bei diesem ebenso seltenen, wie grofs-
artigen Naturereignils aufzuklären bleibt. Unter diesen Umständen ist es er-
freulich, dafs die Royal Society in London eine Kommission von Gelehrten
eingesetzt hat, welche mit der Sammlung, Sichtung und Bearbeitung des ganzen
erhaltbaren Beobachtungsmaterials der Krakatau-Katastrophe betraut ist und
wir dürfen daher hoffen, dafs der merkwürdige Vorgang nicht ungenützt für
die Erweiterung unseres Wissens bleiben wird.
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