Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.
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Abgesehen von der Abgangszeit der Welle von Krakatau weicht dies
Ergebnifs von dem von Strachey aus den Europäischen Barometerkurven er-
haltenen Resultat indels darin auffallend ab, dafs nach letzteren die sich nach
Ost bewegende Welle die raschere, die nach West wandernde die langsamero
war, und führt Strachey dies auf die vorherrschenden Westwinde zurück.
In Bezug auf diesen Punkt kann man zur Uebereinstimmung kommen,
wenn man für die Wellen II und IV etwas andere Erhebungen der Süd-Georgien-
Kurve der Berechnung zu Grunde legt, welche mindestens ebensoviel Wahr-
scheinlichkeit der Richtigkeit für sich haben, als die vorangenommenen Gipfel.
Es war vorher hinsichtlich der Welle II davon ausgegangen, dafs das
ihr entsprechende einseitige Thal links davon läge. Die Deduktion, welche zu
dieser Annahme führte, ist nur als hypothetisch hingestellt worden. Man kann
sich ebensowohl denken, dafs die Welle zunächst über Krakatau symmetrisch
gebildet war mit einem Thal auf jeder Seite, dafs aber das in der Bewegungs-
richtung der Welle vorausgehende Thal bei der Weiterwanderung von ihr aus-
gefüllt wurde, Dann müfste bei beiden Wellenpaaren (I—IlI und II—IV)
zuerst die Welle, dann das Thal zur Registrirung gelangen, d. h. die Thäler
müssen in der Kurve überall rechts von dem zugehörigen Wellenberge liegen.
Wir würden dann als den entsprechenden Wellenberg II die in dem
Diagramm der Annalen gekennzeichnete Anschwellung um 12* 40" und als
Wellenberg IV die allerdings nur schwache Erhebung um ca 22% 10” des 28.,
mit einem flachen Thal zur Rechten, zu wählen haben,
Hiermit erhalten wir aus Welle II—IV eine Geschwindigkeit von 1194
and eine Abgangszeit von 10* 58” a. m. und aus Welle I—I1I eine Abgangszeit
von 10.49” a, m. Krakatau-Zeit.
Das Mittel aus diesen Abgangeszeiten und der weiter vorne berechneten
Zeit aus Welle I und III giebt 10* 52,5”, also noch etwas bessere Ueberein-
stimmung mit der letzten Registrirung des Gasindikators in Batavia und —
ebenso wie bei den Europäischen Barometerkurven — eine raschere Bewegung
der nach Ost wandernden Welle gegenüber derjenigen nach West.
So befriedigend dies Resultat an sich auch erscheinen mag, Steht es ebenso-
wenig wie die vorherigen hinsichtlich der Abgangszeit der Welle und der Ge-
schwindigkeit ihrer Bewegung sowohl ostwärts, wie westwärts mit dem aus der
Registrirung Europäischer Barometer gewonnenen in Einklang. Es ist ferner
schwer bei Zugrundelegung der Zeit von 12 Uhr Mitternacht des 28, August
für die Welle III, den auffallenden Wellengipfel um 9%" 40” p. m. desselben
Tages zu erklären, da er allem Anscheine nach eine aufserordentlich atmo-
sphärische Störung darstellt, während ca 2'/4 Stunden vor dem Entstehen der
Welle, also gegen 8!/2 Uhr Morgens des 27. Krakatau-Zeit, eine hervorragende
Erschütterung in der Sunda Strafse nicht als sicher bezeugt ist, .
Die stark ansteigende Tendenz des Barometers von 10' Uhr Abends
jenes Tages ab läfst die Krakatau-Wellen sehr verwischt erscheinen, andern-
falls würden die nachfolgenden Senkungen mehr hervortreten und dadurch die
Wellengipfel besser markirt sein. Dürfte man annehmen, daß die erwähnte
prononcirte Welle um 9%4 Uhr Abends des 28. der heftigen Revolution‘ ent-
spricht, welche gegen 6 Uhr des 27. Morgens Krakatau-Zeit Anlafs zur Zer-
atörung Anjers und anderer Orte gab, so würde die 10 Uhr-Woge: der Sunda
Strafe einer Anschwellung der Barometerkurve um etwa 13° 45” des 28.
entsprechen können, welche eine immerhin noch gut markirte Senkung zur
Rechten zeigt.
Die angenommene Erhebung liegt diesem Thal ziemlich nahe, und wählt
man daher auch für die Welle II und IV die dem entsprechenden Thale nächst-
liegenden Erhebungen, so würde man für die Welle II 14* 10” am 27, und für
die Welle IV 2" 50” am 29. August erhalten.
Hiermit die Rechnung nochmals ausgeführt, gelangt man zu dem folgen-
den Ergebnifs:
aus Welle I—11I 1071 km Geschwindigkeit
mit Abgangszeit 10* 17” a. m. von Krakatau,
» 10% 16°a.m.
10 9”a,m.
» = 2» H—IV 1091 , N
5 er» Iwll
Ann. d. Hydr, etc., 1884, Heft VII