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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.

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werk vollendend, gleichzeitig die erste grofse positive Meeres- und Luftwelle
hervorrief,
Ferner liefse sich das Entstehen einer negativen Meereswelle auch in
unmittelbare Verbindung mit der positiven Luftwelle bringen, so dafs — worauf
es hier ankommen würde — positive Luftwelle und negative Meereswelle zu
ein und derselben Zeit in die Erscheinung tretend angesehen werden könnten.
Es ist bekannt, dafs eine Aenderung im Luftdruck eine Rückwirkung übt auf
den Höhenstand des Meeresspiegels. Bei jeder der. hefüugen Explosionen des
Krakatau mufßs ein ganz enormer Gasdruck auch nach unten stattgehabt haben,
der das Meer infolge seiner geringen Kompressibilität in der Umgebung der
Insel zum Ausweichen gezwungen, also dort ein Thal erzeugt haben mufs.
Indefs sollte man meinen, dafs das ausweichende Wasser dort, wo es nicht
mehr unter diesem Druck stand, einen Wellenberg hätte bilden müssen, der
sich dann nach der Peripherie fortpflanzte. Da die nahen Ufer der Sunda
Strafse als unter dem Druck der Explosion stehend betrachtet werden dürfen,
so würde sich für diese das Zurücktreten des Meeres auf diese Weise in Verbindung
 mit dem fast gleichzeitigen Hineinstürzen einer grofsen Wassermasse
in den Krater erklären. Dies könnte aber nicht für das Zurückweichen des
Wassers an fern gelegenen Gestaden gelten; hier müßte das auf diese Ursache
zurückzuführende Wellenthal der ersten positiven Welle gefolgt sein und das
auffallend tiefe Thal kurz vor 3" p. m. des 27. August in der Kurve des Fluthmessers
 auf Süd-Georgien könnte wohl hiermit in Zusammenhang stehen, ganz
gleich, ob es der Explosion um ca 10 Uhr oder einer früheren oder späteren
zuzuschreiben ist, ;
Es wird sich also darum ‘handeln, die Zeit des Entstehens der grofsen
Luftwelle möglichst genau festzustellen.
Die Kurve des Sprung’schen Barographen auf Süd-Georgien zeigt die
erste — also die auf dem kürzesten Wege von Ost angelangte — Luftwelle (I)
in sehr markirter Weise an; die höchste Anschwellung fand danach um O* 25"
Lökalzeit p. m. 'am 27, August statt. Die aus entgegengesetzter Richtung, also
von West, kommende erste Welle (II) markirt sich weniger deutlich, die nach
Umkreisung der Erde zurückkehrende erste Welle (III) indefs anscheinend
wieder recht gut, während die von West wiederkehrende Welle (IV) mit
Sicherheit ohne Weiteres nicht mehr auszumachen ist. Es mufs dahin gestellt
bleiben, ob diese im Vergleich zu vielen der Barometer auf Europäischen
Stationen, welche selbst noch das zweite und einige das dritte Umkreisen der
östlichen und westlichen Wellen deutlich erkennen lassen, mangelhafte Aufzeichnung
 dem System des Barographen zur Last fällt oder etwa dem von diesen
Wogen auf dem gröfsten Kreise zurückgelegten Wege, welcher von Krakatau
westwärts bis zum südlichen Polarkreise herunterführt, um demnächst Süd-Amerika
 in der Gegend der La Plata-Staaten, weiter die Vereinigten Staaten
von Nord-Amerika nicht fern von New-Orleans zu erreichen und über die
Behring Strafse, die Chinesische Ostküste verfolgend, nach der Sunda Strafse
zurückzukehren. Dieser gröfste Kreis berührt also Regionen mit sehr entgegengesetzten
 Klimaten und Luftströmungen, und während sein erster Theil bis Süd-Amerika
 ausschliefslich über die Meeres- resp. eine Eisfßäche führt, verlälst der
andere Theil nur streckenweise das Land,
Unter Voraussetzung gleichmäfsiger Geschwindigkeit derselben Luftwelle
Jäfst sich aus zwei ihrer Ankunftszeiten an ein und demselben Orte die mittlere
Geschwindigkeit und daraus leicht die Abgangszeit von Krakataw berechnen.
Man erhält aus der Ankunftszeit der Welle I um 0* 25” am 27. August
und der Welle IIL um 9* 40” am 28. mittlere astronomische Ortszeit von
Moltke-Hafen eine Zwischenzeit von 33" 15” und hieraus bei Zugrundelegung
der Länge eines gröfsten Kreises von 40003 km eine stündliche Geschwindigkeit
der Welle von 1203 km. Die Rückrechnung mit diesem Bewegungsmalßs von
der Ankunftszeit der Welle I aus nach Krakatau ergiebt als Abgangszeit. von
der Sunda Strafse 11* 35,5” a.m. des 27. August nach bürgerlicher Krakatau-Zeit.
Ohne Frage harmonirt diese Zeit mit den Angaben über die Hauptexplosionen
 und Fluthen in der Sunda Strafse — mit Ausnahme etwa der Angabe
 des Charles Bal — nur schlecht, wennschon bei Annahme einer zu
dieser Zeit hier abgegangenen Meereswelle sich gemäfs der Ankunftszeiten der
            
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