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Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.
Seychellen, Mauritius, Port Blain, Negapatam, Point de Galle, Aden und Colon.
Auch die Kurve des Fluthmessers in Süd-Georgien läfst zwischen 1 und 2" des
27. August eine Depression erkennen, welche sich dann in markanterer Weise
nach Vorübergang der ersten grofsen positiven Welle und auch hinter den
nachfolgenden wiederholt.
Wir wissen, daß auch bei verschiedenen eigentlichen Erdbebenflüthen
zuerst ein Zurücktreten des Meeres beobachtet wurde. So wird z. B. bei
Gelegenheit des Erdbebens vom 9. bis 14. Mai 1877 von Chanavaya (Pabellon
de Pica) berichtet, dafs das Meer bei den aın 9. Mai Abends 8'% Uhr ein-
iretenden furchtbaren Erdstöfsen zurücktrat, um 20 Minuten später in einer
mächtigen Woge den ganzen Ort zu überschwemmen und zu zerstören. Dasselbe
wird von Artka bei demselben Erdbeben und von den Sandwichs-Inseln bei
mehreren anderen Erdbeben gemeldet.
Man kann sich auch wohl denken, dafs bei einem auf dem Lande statt-
Ändenden und nach dem Meere gerichteten Stofs das Wasser zuerst von der
betreffenden Küste zurückweicht, um dann in hoher Woge wiederzukehren; man
sollte aber meinen, dafs dann das erste Zurückweichen nur dort beobachtet
werden kann, wo die Erderschütterung selbst sich geltend macht, nicht an ent-
legenen Küsten. Dennoch ist mehrfach auch hier zuerst ein Zurückweichen des
Wassers und darauf folgend erst die positive Welle konstatirt, wie z. B. im
Mai 1877 in Hakodate und bei den Sandwichs-Inseln.
Es wird am Platze sein, hier auch der sehr interessanten Feststellung
des Erdbebens im Golf von Bengalen am 31. Dezember 1881 zu gedenken.')
Das Centrum des Erdstofses konnte durch zufällige Beobachtungen als unter
dem Bette des Meeres im westlichen Theile des Golfs gelegen festgestellt werden,
and war der Stofs namentlich auf den Andamanen und Nicobaren, sowie an der
Madras-Küste bis (alcutta ein sehr heftiger. Die an den Küsten des Golfs auf-
gestellten Fluthmesser zeigten eine Fluthwelle an, die überall positiv war. Die
Welle traf natürlich später ein, als die Erderschütterung, welche sich vom
Stofscentrum mit einer Geschwindigkeit von 1800 engl. Meilen in der Stunde
fortpflanzte. Diese letztere Erschütterung markirte eigenthümlicherweise bei
einigen der Fluthmesser der die Wasserstandskurve aufzeichnende Bleistift,
während der Wasserspiegel dabei vollkommen ruhig blieb, und in Rangoon,
Moulmein, sowie im Mergui-Archipel spürte man die Erderschütterung, nicht
aber die Fluthwelle, welche durch den Gürtel von Inseln und Bänken zwischen
Sumatra und Kap Negrais abgehalten wurde. An den anderen Küsten des
Golfs wurde [überall die Fluthwelle beobachtet und von den Fluthmessern
registrirt,
Diese Erscheinung widerlegt einmal die bisherige Annahme (dieselbe
findet sich noch in eben erschienenen Lehrbüchern über physikalische Geo-
graphie), dafs Erschütterungen auf dem Meeresboden keine Fluthwellen erzeugen,
sodann zeigt sie, dafs die bei einem Erdbeben in Schwingung gesetzten Küsten-
‘heile keineswegs immer auch das Wasser in Schwingungen versetzen, wie dies
eingangs schon von dem Erdbeben bei Zqwique am 23. Januar 1878 ange-
führt wurde.
Wir sehen also, dafs auf diesem Gebiete noch Manches räthselhaft ist.
Jedenfalls läfst sich die Entstehung der ersten negativen Welle infolge der
Krakatau-Katastrophe durch einen Erdstofs schon um deswillen nicht wohl
erklären, weil Erdstöfse während derselben gar nicht zur Beobachtung gekommen
sind. Wenn auch nach Professor Heim in Zürich durch Einsturz veranla[lste
Erdbeben im Allgemeinen nur sehr lokal empfunden werden, so möchte die
Erklärung der hier stattgehabten immensen Wasserbewegung durch eine solche
lokale Erschütterung, welche nicht einmal an den so nahe gelegenen Küsten
verspürt worden ist, doch kaum befriedigen.
Näher liegend erscheint es in diesem Falle, die Ursache der nega-
tiven Meereswelle auf den Einsturz eines Theils der Kraterwand und das
Hineinstürzen mächtiger Wassermassen in den zum Theil ausgebrannten Krater
zurückzuführen, worauf denn die nachfolgende Dampfexplosion, das Zerstörungs-
) „Nature“, Vol. 29, No. 746.