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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die Katastrophe in der Sunda-Strafse, 
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Die Annäherung an die aus den Lothungen ermittelten Tiefen ist hier 
etwas besser. 
Dürften wir annehmen, dafs die vom Fluthmesser in Süd-Georgien als 
erste grofse Welle registrirte in der That derjenigen entspricht, welche um 
5a 35" Morgens des 27. August Krakataw verliels, so würde sie 6,1 Sm pro 
Minute zurückgelegt haben. Ihre Oscillations-Periode würde, wenn man das 
Mittel aus der ersten vom Fluthmesser angezeigten grofsen Wellen-Serie (die 
getheilten Wellen als nur eine Welle gerechnet) nimmt, ungefähr 58 Minuten 
betragen haben, nach den folgenden Serien etwas weniger. Mit der Periode von 
58 Minuten erhält man die bedeutende Wellen-Länge von 354 Sm. . 
Zum Vorgleiche mag hier erwähnt werden, dafs die durch das Erdbeben 
in Japan im Dezember 1854 erzeugte grofse Fluthwelle, welcher die im Hafen 
von Simoda ankernde russische Fregatte „Diana“ zum Opfer fiel, gemäfs der 
eingehenden Diskussion des Herrn A. D. Bache (in den „Coast Survey Reports“ 
für 1855) den nördlichen Stillen Ocean bis zur Küste von St, Francisco mit 
einer Geschwindigkeit von im Durchschnitt ebenfalls 6,1 Sm durcheilte, und 
dafs die Periode der Oseillation hier im Durchschnitt aur 33 Minuten und die 
Länge der Welle daher nur ca 200 Sın betrug. Die Geschwindigkeit der grofsen 
Welle des Lissaboner Erdbebens von 1755 ist zu 6 Sm pro Minute, die des 
Erdbebens von Arika 1868 nach Australien hiv zu 5.5 Sm pro Minute berechnet 
worden. 
Die Unsicherheit, mit welcher wir bei der Diskussion der Fluthwellen- 
Bewegung zu thun haben, und welche vorstehend versuchte Schlufsfolgerungen 
kaum über das Niveau blofser Muthmafsungen erhebt, ist in der leider nur 
ungenau bekannten Tiefe der von den Wogen durcheilten Meeresräume begründet, 
Da dieser unsichere Faktor bei dem Luftocean fortfällt, liegt der Gedanke nahe, 
zur Bestimmung der präcisen Zeit der Haupterschütterung die dabei entstandene 
und von einer Anzahl selbstregistrirender Barometer aufgezeichnete Luftwelle 
unter der Voraussetzung heranzuziehen, dafs man zu der Annahme berechtigt 
ist, diese Kraftäufserung müsse, wie der Luftwelle, so auch der mächtigsten 
der Wasserwogen ihren Ursprung gegeben haben. ; 
Ein Versuch in dieser Richtung mufs sich empfehlen, obwohl bei der 
blofsen äufserlichen Vergleichung der beiderseitigen Kurven die auffallende 
Erscheinung uns entgegentritt, dafs die Barometer nur eine (ein- bis dreimal 
wiederkehrende) steile Anschwellung bezw. ein tiefes Thal anzeigen, während 
wenigstens der Fluthmesser in Süd-Georgien (die Kurven anderer Fluthmesser 
aind leider bisher nicht veröffentlicht) davon eine grofse Anzahl aufweist. Da 
diese letzteren Wellen sich in ihrer Gröfse nicht sonderlich von einander aus- 
zeichnen, sollte man vermuthen, dafs die erste große Woge des Fluthmessers 
mit der grofsen Lufiwoge auf dieselbe Endursache zurückzuführen ist. 
Wenn — wie wohl anzunehmen — eine infolge des massenhaft in den 
Schlund des Kraters bei seinem Zusammenbruch einströmenden Wassers statt- 
habende plötzliche Dampfentwickelung die Veranlassung zu den konstatirten 
heftigen vulkanischen Explosionen gewesen ist, so erklärt sich die Entstehung 
einer positiven Luftwelle dabei ohne besondere Schwierigkeit. Eine derart ent- 
standene Anschwellung mufs an beiden Seiten von Thalbildungen begleitet sein,') 
doch ist es sehr denkbar, dafs beim weiteren Fortschreiten der Welle das eine 
der andere resp. auch beide Thäler sich ausfüllen, wie dies verschiedene der 
hier in Betracht kommenden Barometerkurven erkennen lassen, indem von ihnen 
zumeist ein Thal nur hinter, nicht vor der ersten Anschwellung registrirt wurde. 
Im Gegensatz hierzu scheint vor dem Einsetzen der ersten grofsen Meereswoge 
fast überall ein plötzliches Sinken des Wasserspiegels konstatirt zu sein. 
Abgesehen von dem eingangs angeführten plötzlichen Fallen des Wassers 
bei Binnangan ist auch bei Anjer und an anderen Plätzen der Sunda Strafse 
dasselbe beobachtet worden. Namentlich aber wird von den entfernteren 
Plätzen das zuvorige Eintreten einer negativen Welle berichtet, so von den 
I) Es ist dies sehr schön ersichtlich bei der in den „Proceedings of the Royal Society“ von 
R. Scott mitgetheilten Barometerkurve des King’s Barograph auf dem Liverpooler Observatorium 
bei Gelegenheit der grofsen Pulverexplosion, welche sich auf dem in kurzer Entfernung vom Observa- 
torium in den Waterloo Docks liegenden Fahrzeuge „Lottie ‚Sleigh“ am 15. Januar 1864 ereignete.
	        
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