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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Ann, d. Hydr. ete., XII. Jahrg. (1884), Heft VII. 
259 
Die Katastrophe in der Sunda-Stralse. 
(Schlufs.) 
Soll das Ereignifs nutzbar gemacht werden für Schlüsse hinsichtlich der 
Bewegung der erzeugten Wasser- und Luftwellen bezw. für Herleitung der 
wahrscheinlichen mittleren Meerestiefen auf den von den Wellen durchlaufenen 
Oceanstrecken, so ist der Versuch wichtig, möglichst genau festzustellen, wann 
die grofsen Wogen, welche die verschiedenen entfernten Küsten trafen, die 
Sunda Strafse verlielsen. An den Stellen, wo man sich bisher hiermit beschäftigt 
hat, sind sehr stark von einander abweichende Abgangszeiten für die erste 
grofse Welle angenommen, und die auf diese Weise berechneten mittleren 
Meerestiefen sind mehrfach nicht gut in Einklang zu bringen mit den bekannten 
Lothungen.!) Es ist auch in der That sehr schwierig, die Abgangszeiten der 
Wellen aus den gemeldeten Ankunftszeiten festzustellen, weil sich aller Wahr- 
scheinlichkeit nach fast überall, wo keine selbstregistrirenden Fluthmesser vor- 
handen sind, die ersten Wellen überhaupt der genaueren Beobachtung entzogen 
haben. Erst nachdem das auffallende Schwanken im Meeresspiegel die Auf- 
merksamkeit erregt hatte, wird man die Zeiten der nachfolgenden Wellen 
genauer festgestellt haben. 
„Die Berichte von vielen der ferneren Gestade stimmen darin überein, 
dafs sich zuerst kleinere Oscillationen fühlbar machten, und besonders deutlich 
Jäfst dies die in Heft IV der Annalen gegebene Fluthmesserkurve von Süd- 
Georgien erkennen, auf der eine mit den Vorgängen in der Sunda Strafse sicher- 
lich zusammenhängende Unruhe im Wasserspiegel sich bereits in der Nacht 
vom 24, zum 25. August, viel deutlicher aber in der folgenden Nacht, kenntlich 
macht. Darf man den Zusammenhang mit der Krakatau-Katastrophe als be- 
stehend ansehen, so- ist es in der That von nicht geringem wissenschaftlichem 
Interesse, dafs selbstregistrirende Fluthmesser ein Mittel bieten, um Revolutions- 
erscheinungen, welche sich in der Erdkruste vollziehen und an Ort und Stelle 
keine merklichen Erschütterungen erzeugen, nichtsdestoweniger in einer Ent- 
fernung von Tausenden von Kilometern wahrzunehmen und festzustellen. 
Diese geringen Oscillationen sind aber nicht benutzbar für den Vergleich 
bezw. die Feststellung der Zeiten; dafür kann erst das plötzliche Emporschnellen 
des Wasserspiegels um 2* 25” p.m. am 27. August in Betracht kommen, weil 
anzunehmen ist, dafs eine Erschütterung, welche ein derartiges Anschwellen des 
Wassers in Süd-Georgien erzeugte, in der Sunda Strafse nicht unbemerkt ge- 
blieben sein kann. 
In Anbetracht der am Schauplatz der Katastrophe selbst bestehenden 
Unsicherheit über Zeit und Mächtigkeit der dort entstandenen Wasserbewegungen 
ist es freilich schwer, zu sagen, welche der Wogen der Sunda Strafse der ersten 
grofsen Anschwellung in Süd-Georgien entspricht. Zur Ergründung dessen 
bliebe übrig, zunächst nach den bisher genommenen Tieflothungen eine mittlere 
Tiefe für den von den respektiven Wogen genommenen Weg annähernd zu 
ermitteln und unter Zugrundelegung derselben mit der Airy’schen Formel für 
Wellenbewegung aus der Ankunftszeit der Woge die Abgangszeit zu berechnen, 
Leider stöfst man dabei sogleich auf die Schwierigkeit, dafs in dem Theile 
des Indischen Oceans, welchen die auf dem gröfsten Kreise von der Sunda Strafse 
westwärts eilende Welle nach den südlich des Aequators gelegenen Plätzen 
genommen haben mufs, zunächst auf eine Strecke von ca 1800 Sm alle Tief- 
lothungen fehlen. Bei Weiterverfolgung des gröfsten Kreises zwischen der 
1) Beispielsweise wird in den „Comptes Rendus“ vom 19. Mai 1884 von Herrn M. Boussinesgq, 
gestützt auf die Berechnung des mehrgenannten Herrn Verbeek‘ von der Geschwindigkeit der 
Fluthwelle nach Port /frisaheth, nachgewiesen, dafs das Bewegungsmafs dieser Welle über einen 
Ocean von der mittleren Tiefe von 2528m genau harmonire mit der von Lagrange gegebenen 
Formel. Auf dieser Strecke besitzen wir aber nur Tieflothungen von über 4200m, und es ist daher 
wenig walırscheinlich. dafs der Indische Ocean hier eine mittlere Tiefe von nur 2528 m haben sollte.
	        
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