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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Eingänge von meteorologischen Journalen etc., September 1883, 
Dr 
1. Reise der Bremer Bark „Joseph Haydn“, Kapt. Th. Pflieger. 
Die Bark „Joseph Haydn“, welche am 29. September 1882 die Rhode 
von Singapore verlassen hatte, um nach Akyab zu versegeln, erreichte diesen 
letzteren Hafen am 16. Januar 1883. In diesem wurde das Schiff mit Reis 
beladen, und trat es darauf am 15. März die Heimreise nach Europa an. Der 
schwache zu Anfang derselben angetroflene NW-Wind veränderte sich, als das 
Schiff nach Süden hin vorrückte, allmählich nach N und NE und nahm dabei 
gleichzeitig bis zum leisen Zuge ab. Nur zwischen 8° und 5,5° N-Br beob- 
achtete man einen einigermafsen frischen und beständigen NE-Wind. Nachdem 
die letztere Breite überschritten worden war, gerieth die Bark in derart 
schwierig zu überwindende Mallung und Stille, dafs erst am 3. April der 
Aequator in 89,6° O-Lg überschritten werden konnte. Der 3. April war der 
19. seit dem Antritt der Reise verflossene Tag. 10° N-Br war iu 89,7° O-Lg 
am 22, März gekreuzt worden. An demselben Tage, an welchem „Joseph 
Haydn“ südliche Breite erreichte, beobachtete die Bark Westwind, der in 
stürmischen Böen wehte, eine wild durcheinanderlaufende See und cinen auf 
758,3 mm. gesunkenen Barometerstand, Erscheinungen, welche damals in noch 
stärkerem Mafse. von mehreren anderen, etwa 200 Sm südlicher stehenden deut- 
schen Reisfahrern beobachtet wurden und die an anderer Stelle schon hervor- 
gehoben worden sind. Als der nach dem Sturme allmählich flauer werdende 
Westwind in Stille und Mallung geendet hatte, traf „Joseph Haydn“ am 
11. April unweit 8,4° S-Br in 90,4° O-Lg mit‘ einem jener Mitsegler, dom 
Hamburger Schiffe „Urania“, zusammen und wechselte mit demselben Signale 
aus. Am 13, April setzte bei dem sich an diesem Tage in 9,4° S-Br und 
89,8° O-Lg befindenden „Joseph Haydn“ der SE-Passat ein. Derselbe wehte 
später auf der zwischen 12,5° und 20° S-Br durchsegelten Strecke am 
kräftigsten und dehnte sein Gebiet aus bis nach ungefähr 23° S-Br in 66° O-Lg. 
Nachdem der Wind dort am 23. April bei einem Barometerstande von 762,1 mm 
nordöstliche Richtung angenommen hatte, behielt er dieselbe für längere Zeit. 
Erst am 29. April veränderte er sich unweit 27,8° S-Br und 52° O-Lg bei 
einem Barometerstande von 761,4 mm durch N nach W. Nachdem der frische 
Wind darauf in zwei Tagen die Drehung durch den westlichen Halbkreis voll- 
endet und wieder östliche Richtung angenommen hatte, stieg der Luftdruck bis 
auf einen in der Nähe von 28° S-Br in 46° 0-Lg beobachteten höchsten Stand 
von 773,3 mm. Nach diesem Rundlaufe führte der sich zunächst wieder mehrere 
Tage in östlicher Richtung haltende Wind keine Drehungen nach links mehr 
aus. Als 30° O-Lg überschritten worden war, herrschten Westwinde, die am 
11. und 13..Mai in der Nähe von 35° S-Br und 26,5° O-Lg heftig stürmten 
und bei denen man nur in sehr langsamer Weise nach Westen hin vorrücken 
konnte. Am 24, Mai gelangte „Joseph Haydn“ .in Sicht vom Agulhas-Feuer 
und nachdem sich im Atlantischen Ocean der frische Wind am 27, Mai in der 
Nähe von 34° S-Br und 15° O-Lg durch S nach SE verändert‘ hatte, führte 
Wind aus letzterer Richtung die Bark am 29. Mai zurück zu dem in 9,5° O-Lg 
überschrittenen Parallel von 30° Süd. Es waren 25 Tage verflossen, seit 
man dieselbe Breite im Indischen Ocean verlassen hatte. Während der Fahrt 
zur Südspitze Afrika’s war: 10° S-Br in 89,5° O-Lg am 14. April, 20° S-Br in 
73,5° O-Lg am 20. April und 30° S-Br in 39,5° O-Lg am 4. Mai, wie 90° O-Lg 
in 9,2° S-Br am 13. April, 60° O-Lg in 25,5° S-Br am 26. April und 30° O-Lg 
in 32,5° S-Br am 9. Mai geschnitten worden. 
An demselben Tage, an welchem „Joseph Haydn“ nördlich von 30° 
S-Br gelangte, geschah dasselbe in 11,2° O-Lg auch von dem‘ eisernen Voll- 
schiffe „Undine“, welches am 11. März von Rangoon aus die Heimreise an- 
getreten hatte. , Beide Schiffe vollendeten dann unter den schon an anderer 
Stelle erwähnten Verhältnissen den ganzen noch übrigen Theil ihrer Reise. 
„Joseph Haydn“ kreuzte: 20° S-Br in 0° Länge am 10. Juni, 10° S-Br in 13,6° 
W-Lg am 16. Juni und den Aequator in 25° W-Lg am 23. Juni. Um von 
30° S-Br aus den letzteren Puukt zu erreichen, waren 25 Tage erforderlich 
gewesen. Der Mitsegler „Undine“ ging am 22. Juni in 25,1° W-Lg von der 
südlichen zur nördlichen Halbkugel über. Am 14. Juni hatte „Joseph Haydn“ 
in 14,3° S-Br und 8,2° W-Lg auch wieder Signale mit dem eisernen Mitsegler
	        
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