Eingänge von meteorologischen Journalen ete., Februar 1884,
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15. Reise des Bremer Vollschiffes „Hedwig“, Kapt, Th. Minssen,
Am 11. August 1883 trat das Vollschiff „Hedwig“ von Fiume aus eine
Reise nach New- York an. Nachdem von demselben das Adriatische und Mittel-
ländische Meer durchsegelt worden war, passirte es am 17. September die
Straße von Gibraltar. Der frische, aus NE wehende Wind, bei dem dasselbe
geschah, drehte am nächsten Tage nach NW, und nachdem am 19. September
ganz flauer Zug beobachtet worden war, stellte sich am 20. September in der
Nähe von 32,5° N-Br und 11,5° W-Lg ein kräftiger Nordwind ein, der sich
bald nach rechts veränderte‘ und zum Passat wurde. Ein höchster Luftdruck
von 768,6 mm wurde unweit 30° N-Br abgelesen. Dor Verlauf der Reise war
bei den eben erwähnten Verhältnissen ein ziemlich günstiger, verzögernd wirkte
nur die oft sehr geringe Windstärke, Erst westlich .yon. 51° W-Ly wurde
[rischerer Passat angetroffen. Nachdem später wieder für längere Zeit ein
nördlicher Kurs gesteuert worden war, auf dem '„ Hedwig“ bis zum 21. Oktober
nach 32,5° N-Br in 75,4° W-Lg gelangte, wurde die polare Passatgrenze
erreicht. Als dort der NE-Wind am 21. Oktober bis zur Stille abnahm, zeigte
das Barometer, welches unweit 30° N-Br einen höchsten Stand von 767,0 mm
gehabt hatte, auf 764,0 mm. Die Vollendung ‚des noch übrigen Theiles der
Reise wurde durch vorherrschendes Wehen hoch nördlicher Winde noch
bedeutend verzögert. Bei kräftigem, am Tage vorher durchgekommenen Süd-
winde erreichte „Hedwig“ endlich am 29, Oktober den Hafen von New- York.
Um zu demselben von Gibraltar aus zu gelangen, waren 52 Tage erforderlich
gewesen. Während dieser Zeit hatte man: 30° N-Br in 15,5° W-Lg am
22. September und zum zweiten Male denselben Parallel in: 73° W-Lg am
19. Oktober, wie 30° W-Lg in 22,5° N-Br am 29. September, 59° W-Lg in
20,2° N-Br am 9. Oktober, 60° W-Lg in 21,8° N-Br am 18. Oktober und
70° W-Lg in 27,5° N-Br am 18. Oktober gekreuzt. Die Bremer, nach New-
York bestimmte Bark „Antornette“, welche den Kanal am 23. September ver-
lassen und die ihre Reise auf der mittleren Route ausgeführt hatte, erreichte
ihren Bestimmungshafen am 27. Oktober.
Nachdem „Hedwig“ in New- York wieder mit einer für Triest bestimmten
Ladung Petroleum beladen worden war, trat sie am 27, November die Reise
nach diesem letzteren Platze an. Der Anfang derselben verlief infolge an-
getroffener Ostwinde nur in langsamer Weise, und nachdem sich am 1. Dezember
westlicher Wind eingestellt hatte, war derselbe auch nur von kurzer Dauer.
Nach dem 5. Dezember, von 38,6° N-Br in 52° W-Lg an, waren östliche und
zwar besonders südöstliche Winde in solchem Mafse vorherrschend, dafs unter
den 38 Tagen, welche nun noch erforderlich waren, um zur Strafse von G&raltar
zu gelangen, sich nicht weniger als 32 befinden, au denen östlicher Wind von
kürzerer oder längerer Dauer beobachtet wurde, Durch Stürme wurde die
Fahrt in keiner Weise beunruhigt. Am 12. Januar 1884, 46 Tage später als
New- York. verlassen. worden war, .durchsegelte „Hedwig“ die Strafse von
Gibraltar. Auf dem Wege zu derselben war: 70° W-Lg in 38,2° N-Br am
28. November, 60° W-Lgy in 38,4° N-Br am 3, Dezember, 50° W-Lg in
38,7° N-Br am 6. Dezember und 30° W-Lg in 41,5° N-Br am 16. Dezember
überschritten worden. Am 17, Februar erreichte „Hedwig“ einen in der Nähe
von Triest gelegenen Ankerplatz.
16. Reise der Elsflether Bark „Annie“, Kapt. €. Wilts.
Am 28, Mai 1882 verliefs die nach Callao bestimmte Bark „Annie“ die
Elbemündung und schon am 1. Juni überschritt dieselbe den Meridian von Lizard,
Auf den heftigen Ostwind, bei dem dieses Letztere geschah, folgte am nächsten
Tage Westwind, der anhielt, bis das Schiff am 7. Juni nach 41° N-Br in 12,5° W-Lg
gelangt war. Unweit dieses Punktes drehte der frische Wind, bei einem höchsten
Barometerstande von 772,5 mm, durch N nach NNE und wurde später zum
Passat, ohne dafs irgend eine Störung vorher beobachtet wurde. Der bis nach
15° N-Br hin recht kräftig. wehende Passat dehnte sein Gebiet aus bis nach
13,3° N-Br in 24,7° W-Lg. Unweit dieses Punktes traf die Bark am 20. Juni
zuerst Mallung an; und nachdem man bei dieser bis zum 26, Juni nach 7,8° N-Br
in 22,4° W-Leg gesegelt war, trat der an zwei Tagen in mäßiger Stärke wehende.