Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Februar 1884.
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2. Reise der Hamburger Bark „Carl Ritter“, Kapt. J. E. C. Mähl.
Am 3. März 1883 überschritt die von Cardıf" nach Hongkong bestimmte
Bark „Carl Ritter“ den Parallel von 50° Nord. Es geschah dasselbo bei kräf-
tigem Ostwinde, uud ebensolcher Wind begünstigte auch während der nächsten
Zeit die nach Süden gerichtete Fahrt des Schiffes. Man konute infolge dessen
in rascher Weise vorrücken und bis zum 11. März nach 29° N-Br in 22,6° W-Lg
segeln. Nachdem der Wind in geringer Entfernung von diesem Punkte rasch
abgenommen hatte, veränderte er sich zunächst vach S, später, folgend auf eine
mehrere Wachen dauernde Stille, nach W. Indem dieser letztere Wind auf-
frischte und sich nach rechts veränderte, entstand aus demselben schliefslich
der Passat. Unweit 24,5° N-Br in 23,8° W-Lg, wo die Windrichtung am
14. März eine östlich von N liegende wurde, schien die polare Passatgrenze zu
liegen. Der Luftdruck, welcher dort auf 760,7 mm zeigte, erreichte am folgenden
Tage einen unweit 23° N-Br beobachteten höchsten Stand von 767,1 mm. Der
südlich von 21° N-Br recht kräftig wehende Passat wurde schwächer, nachdem
d° N-Br überschritten worden war, und endete bei „Carl Ritter“, als derselbe
sich am 22. März in 3,1° N-Br und 23,6° W-Lg bofand. Von dem hier durch-
kommenden, leichten, unbeständigen, östlichen Winde wurde „Carl Ritter“ bis
zum 24, März zu dem in 24,3° W-Lg überschrittenen Aequator geführt. Um
zu demselben von 50° N-Br her zu gelangen, waren nur 21 Tage erforderlich
zewesen. 40° N-Br hatte ınan in 17° W-Lg am 6. März, 30° N-Br in 22,4° W-Lg
am 10, März, 20° N-Br in 25,2° W-Lg am 16. März und 10° N-Br in 24,5° W-Lg
am 19. März gekreuzt. Die ebenfalls auf einer Reise von Cardif nach Hong-
kong begriffene Apenrader Bark „Friedrich“, welche von 50° N-Br am 1. März
abgegangen war, hatte nördliche Breite in 24,2° W-Lg am 23. März verlassen
können, und von der Hamburger nach Melbourne bestimmten Bark „Pedraza“,
weiche den Kanal am 9. März verlassen hatte, geschah dasselbe in 24,4° W-Lg
am 7. April. Gleich südlich der Linie fand „Carl Ritter“ den Stillengürtel, in
welchem man bei Stille und ganz leichter Mallung drei Tage verbrachte, bevor
os gelang, den sich iu 1,1° S-Br und 24,3° W-Lg einstellenden SE-Passat wieder
anzutreffen. Nachdem . derselbe durchgekommen war, wehte er recht kräftig
und beständig, die Bark ganz bis nach 30,5° S-Br in 27° W-Lg begleitend.
Als dort der noch immer frisch wehende Wind am 8. April nordöstliche Rich-
tung annahm, geschah dasselbe bei einem höchsten Barometerstande von 768,2mm.
Nachdem der kräftige Wind num mehrere Tage aus nordöstlicher Richtung
geweht hatte, drehte derselbe durch N nach W und verlor rasch seine Stärke.
Am 13, April herrschte unweit 34° S-Br in 13,5° W-Lg eine etwa einen halben
Tag lang anhaltende Windstille, auf die später wieder ein frischer NE-Wind
folgte. Auch nachdem der Wind abermals durch N gedreht war, hiclt er sich
nur kurze‘ Zeit im westlichen Halbkreise, und am 17. und 18. April herrschte
wieder schwacher Ostwind. Bei diesem letzteren Winde ging „Carl Ritter“ am
17. April in 37,5° S-Br von westlicher in östliche Länge über. Der 17. April
war der 24. bis dahin in südlicher Breite verbrachte Tag. Während dieser
Zeit hatte man: 10° S-Br in 28° W-Lg am 31. März, 20° S-Br in:29,8° W-Lg
am 4. April und 30° S-Br in 28,4° W-Lg am 8. April gekreuzt. Der Mitsegler
„Friedrich“, welcher in südlicher Breite vom Stillengürtel kaum eine Spur antraf,
erreichte den ersten Meridian in 37,6° S-Br am 15. April, und die Bark „Pe-
draza“ verliefs westliche Länge in 37° S-Br am 29. April. Während des
leichten östlichen Windes, bei dem „Carl Ritter“ am 17. April den Meridian
von Greenwich überschritt, stieg das Barometer bis auf einen höchsten Stand
von 770,1 mm. Nachdem letzterer erreicht worden war, hielt sich der Wind
noch für einen Tag in nordöstlicher Richtung, und erst als der Luftdruck ab-
zunehmen begann, veränderte sich der Wind rasch durch N nach W. Kurze
Zeit bevor das Barometer am 19. April mit 750,2 mm seinen niedrigsten Stand
erreicht hatte, begann der Wind aus SSW zu stürmen, und am 20. April über-
stand die in etwa 39° S-Br und 5° O-Lg stehende Bark einen orkanartigen
Sturm aus SSW, bei dem die ganz ungewöhnlich hochlaufenden Wellen dem
Schiffe solch schwere Beschädigungen zufügten, dafs es sich als uumöglich
erwies, die Reise in diesem Zustande fortzusetzen. Kapt. Mähl entschlofs sich
daher, die Kapstadt als nächstgelegenen Hafen anzulaufen, um dort die erlittenen