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Reiseberichte der Elsflether Schonerbrigg „Felix“,
Da, wie wir gesehen haben, die Strecke zwischen 20° und 30° N-Br
durchschnittlich den meisten Aufenthalt verursacht, so dürfte sich auch, um auf
der Rückreise bessere Resultate zu erzielen, eine Acenderung der Route hier
am meisten empfehlen. Natürlich mufßs diese der Art sein, dafs der Weg beim
Ueberschreiten der schwierigen Zone möglichst abgekürzt wird. Dementsprechend
möchten wir als das durchschnittlich Vortheilhafteste anrathen, bis nach 30° N-Br,
selbst wenn der Wind es zulassen sollte, nicht höher als rw. NNO und von
hier bis nach 35° N-Br etwa NOzN zu steuern. Im NE-Passat sollte man, so
lange derselbe nicht so schral ist, dafs durch das Abhalten vom Winde nur
der Weg verlängert, aber nicht das Gutmachen von Breite vermehrt wird, immer
gut volle Segel halten.
Auch für den weiteren Weg meinen wir, wenigstens für den Sommer,
eine etwas nördlichere Route als die oben angegebene mittlere. Route des
„Felix“ empfehlen zu müsSen. Letztere führt zu nahe an das Gebiet hohen
Luftdruckes in der Umgebung der Azoren, in welchem die von der Linie
kommenden Schiffe im Sommer sehr oft langen Aufenthalt durch Windstillen
ung leichte veränderliche Winde erleiden. Um dieses mehr zu vermeiden, sollte
man 40° W-Lg in etwa 42° N-Br und 30° W-Lg in etwa 46° N-Br Kreuzen,
[m Winter, wenn die Passatgrenze südlicher gelegen und das Wetter in höheren
Breiten oft zu stürmisch für eine rasche Beförderung der Reise ist, kann man
die Schnitipunkte 2 bis 3 Grad eüdlicher nehmen,
Selbstverständlich mufs man bei der Wahl der Route nicht nur den
mittleren, sondern auch und in erster Linie den gerade angetroffenen Umständen
Rechnung tragen, und letztere sind, wie die sehr rasche Reise des „Felix“
im Juli 1882 zeigt, nicht selten der Art, dafs sie ein erhebliches Abweichen
von vorstehenden, den mittleren Zuständen angepafsten Routen rathsam erscheinen
lassen. Auf alle Fälle gilt jedoch hier, wie auf allen Fahrten, auf denen zu-
nächst das Passatgebiet zu durchstechen und dann im Gebiet der vorherrschend
westlichen Winde die Länge abzusegeln ist, die Regel, dafs man bei östlichem
der zu flauem westlichem Winde und hohem Luftdruck die bessere Gelegenheit
auf höheren Breiten zu suchen hat. Ferner sollte man stets aufserhalb der
Linie bleiben, welche von den Azoren nach 45° N-Br und 15° W-Lg führt,
denn innerhalb südöstlich von derselben sind zu allen Jahreszeiten nördliche
Winde häußg.
Auch die Ausreise dürfte sich durch eine nähere Anpassung der Route
an die gerade angetroffene Wetterlage in manchen Fällen noch erheblich ab-
kürzen lasson.
Im Spätherbst und Winter kommt es nicht selten vor, dafs sich auf dem
östlichen Theile des Nordatlantischen Oceans, in 40° N-Br oder südlicher, an-
statt des gewöhnlich dort vorhandenen hohen Luftdrucks eine barometrische
Depression befindet und infolge dessen westliche Winde im nördlichen Theile
des Passatgebietes, östliche Winde dagegen in höheren Breiten, ferner südliche
Winde in der Nähe der Küste, nördliche Winde aber weiter landabwärts auf-
treten. Bei dieser Wetterlage, deren Vorhandensein sich dem Vorstehenden
zufolge also darin zeigt, dafs man schon aufserhalb der eigentlichen Passat-
oreiten östlichen Wind und zugleich einen verhältnifsmäfsig niedrigen Barometer-
stand antrifft, erscheint es von grofsem Vortheil, von der gewöhnlichen Route
nach Westen auszubiegen, denn auf diese Weise hat man Aussicht, in das Ge-
biet der nördlichen Winde zu gelangen, während man, den gewöhnlichen Kurs
verfolgend, leicht in die südlichen und südwestlichen Winde der Osthälfte der
Depression geräth. Das Beste in solchem Falle dürfte sein, bei ENE- oder
östlicherem Winde etwa WSW bis W rw. (nahezu flach vor dem Winde) zu
steuern, dann, wenn der Wind nördlicher holt, den Kurs direkt nach dem Be-
stimmungsplatz zu setzen, diesen Kurs so lange zu verfolgen, als der günstige
Wind anhält, und erst, wenn der Wind westlich geht, südwärts zu halten, um
den Passat aufzusuchen.
Möglicherweise ist das Minimum der Depression so westlich gelegen,
dafs man, um eine Umsegelung derselben an ihrer Westseite zu bewerkstelligen,
bis zur Länge der Azoren hinausgehen mufs. Man erkennt jedoch, wenn man
die Lage des gröfsten Kreises betrachtet, dafs dadurch nicht eine Verlängerung,
zondern eine erhebliche Abkürzung des Weges herbeigeführt wird. Ferner kann