accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

m 
Reiseberichte der Elsflether Schonerbrigg „Felix“, 
Da, wie wir gesehen haben, die Strecke zwischen 20° und 30° N-Br 
durchschnittlich den meisten Aufenthalt verursacht, so dürfte sich auch, um auf 
der Rückreise bessere Resultate zu erzielen, eine Acenderung der Route hier 
am meisten empfehlen. Natürlich mufßs diese der Art sein, dafs der Weg beim 
Ueberschreiten der schwierigen Zone möglichst abgekürzt wird. Dementsprechend 
möchten wir als das durchschnittlich Vortheilhafteste anrathen, bis nach 30° N-Br, 
selbst wenn der Wind es zulassen sollte, nicht höher als rw. NNO und von 
hier bis nach 35° N-Br etwa NOzN zu steuern. Im NE-Passat sollte man, so 
lange derselbe nicht so schral ist, dafs durch das Abhalten vom Winde nur 
der Weg verlängert, aber nicht das Gutmachen von Breite vermehrt wird, immer 
gut volle Segel halten. 
Auch für den weiteren Weg meinen wir, wenigstens für den Sommer, 
eine etwas nördlichere Route als die oben angegebene mittlere. Route des 
„Felix“ empfehlen zu müsSen. Letztere führt zu nahe an das Gebiet hohen 
Luftdruckes in der Umgebung der Azoren, in welchem die von der Linie 
kommenden Schiffe im Sommer sehr oft langen Aufenthalt durch Windstillen 
ung leichte veränderliche Winde erleiden. Um dieses mehr zu vermeiden, sollte 
man 40° W-Lg in etwa 42° N-Br und 30° W-Lg in etwa 46° N-Br Kreuzen, 
[m Winter, wenn die Passatgrenze südlicher gelegen und das Wetter in höheren 
Breiten oft zu stürmisch für eine rasche Beförderung der Reise ist, kann man 
die Schnitipunkte 2 bis 3 Grad eüdlicher nehmen, 
Selbstverständlich mufs man bei der Wahl der Route nicht nur den 
mittleren, sondern auch und in erster Linie den gerade angetroffenen Umständen 
Rechnung tragen, und letztere sind, wie die sehr rasche Reise des „Felix“ 
im Juli 1882 zeigt, nicht selten der Art, dafs sie ein erhebliches Abweichen 
von vorstehenden, den mittleren Zuständen angepafsten Routen rathsam erscheinen 
lassen. Auf alle Fälle gilt jedoch hier, wie auf allen Fahrten, auf denen zu- 
nächst das Passatgebiet zu durchstechen und dann im Gebiet der vorherrschend 
westlichen Winde die Länge abzusegeln ist, die Regel, dafs man bei östlichem 
der zu flauem westlichem Winde und hohem Luftdruck die bessere Gelegenheit 
auf höheren Breiten zu suchen hat. Ferner sollte man stets aufserhalb der 
Linie bleiben, welche von den Azoren nach 45° N-Br und 15° W-Lg führt, 
denn innerhalb südöstlich von derselben sind zu allen Jahreszeiten nördliche 
Winde häußg. 
Auch die Ausreise dürfte sich durch eine nähere Anpassung der Route 
an die gerade angetroffene Wetterlage in manchen Fällen noch erheblich ab- 
kürzen lasson. 
Im Spätherbst und Winter kommt es nicht selten vor, dafs sich auf dem 
östlichen Theile des Nordatlantischen Oceans, in 40° N-Br oder südlicher, an- 
statt des gewöhnlich dort vorhandenen hohen Luftdrucks eine barometrische 
Depression befindet und infolge dessen westliche Winde im nördlichen Theile 
des Passatgebietes, östliche Winde dagegen in höheren Breiten, ferner südliche 
Winde in der Nähe der Küste, nördliche Winde aber weiter landabwärts auf- 
treten. Bei dieser Wetterlage, deren Vorhandensein sich dem Vorstehenden 
zufolge also darin zeigt, dafs man schon aufserhalb der eigentlichen Passat- 
oreiten östlichen Wind und zugleich einen verhältnifsmäfsig niedrigen Barometer- 
stand antrifft, erscheint es von grofsem Vortheil, von der gewöhnlichen Route 
nach Westen auszubiegen, denn auf diese Weise hat man Aussicht, in das Ge- 
biet der nördlichen Winde zu gelangen, während man, den gewöhnlichen Kurs 
verfolgend, leicht in die südlichen und südwestlichen Winde der Osthälfte der 
Depression geräth. Das Beste in solchem Falle dürfte sein, bei ENE- oder 
östlicherem Winde etwa WSW bis W rw. (nahezu flach vor dem Winde) zu 
steuern, dann, wenn der Wind nördlicher holt, den Kurs direkt nach dem Be- 
stimmungsplatz zu setzen, diesen Kurs so lange zu verfolgen, als der günstige 
Wind anhält, und erst, wenn der Wind westlich geht, südwärts zu halten, um 
den Passat aufzusuchen. 
Möglicherweise ist das Minimum der Depression so westlich gelegen, 
dafs man, um eine Umsegelung derselben an ihrer Westseite zu bewerkstelligen, 
bis zur Länge der Azoren hinausgehen mufs. Man erkennt jedoch, wenn man 
die Lage des gröfsten Kreises betrachtet, dafs dadurch nicht eine Verlängerung, 
zondern eine erhebliche Abkürzung des Weges herbeigeführt wird. Ferner kann
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.