accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Reiseberichte S. M. S. „Freya“ 
21 
X 
Aus dem Bericht S. M. S. „Freya‘, Korv.-Kapt. Schulze, über 
die Reise von Habana über die Bermudas nach Norfolk. 
Nachdem S. M. S. „Freya“ am 17. April d. J. Abends unter Dampf den 
Hafen von Habana verlassen und den Leuchtthurm passirt hatte, um die Reise 
nach den Bermudas-Inseln durch die Florida-Strafse anzutreten, wurden Segel 
gesetzt und die Feuer in der Maschine gelöscht. Bei ENE-Wind, Stärke 4—5, 
kreuzend, gelangte das Schiff am 18. April Mittags in 23° 52‘ N-Br und 
81° 41‘ W-Lg. Der Besteck- Unterschied ergab eine Stromversetzung nach 
N82° E 22,8 Sm in 17 Stunden, Die Temperatur des Wassers stieg bis auf 
26,7° C., und nahm die Stärke der Strömung zu, bis gegen Abend, als das 
Schiff den Feuerkreis von Sombrero Cay erreichte. Hier sank die Temperatur 
des Wassers auf 25° C., und wurde deshalb, um wieder in den stärkeren Strom 
zu gelangen, gewendet und während der Nacht südlich gesteuert, bis vom "Topp 
aus das Leuchtfeuer von Cay Sal in Sicht kam. 
Da der Wind inzwischen auf ESE gegangen war und auch in den nächsten 
Tagen im allgemeinen eine südliche Richtung beibehielt, konnte nunmehr der 
direkte Kurs durch die Straße verfolgt werden. Am 19. April ging der. Wind 
allmählich abflauend auf SE und am 20. April bei einem verhältni(smäfsig 
niedrigen Barometerstande‘ von 763—764mm durch S auf W. Bereits Nach- 
mittags trat indessen wieder SE-Wind ein, wobei das Barometer zwischen 
762 und 764mm schwankte, 
Als am 20. April Abends der Ausgang der Florida-Strafse erreicht war, 
der Wind auffrischte und Neigung‘ zeigte, noch weiter nach Süden zu drehen, 
wurde vom 21. April früh ab direkt Kurs auf die Bermudas-Inseln gesteuert. 
Die SE-Windrichtung blieb bis zum 22, April vorherrschend, dann traten bei 
langsam fallendem Barometer zwischen SSE und SSW wechselnde Winde ein, 
die Wassertemperatur nahm in Uebereinstimmung mit der schwächer werdenden 
Strömung ab und fiel am 23. April bis auf 20,8°C. Am 24, April Abends 
wurde der Wind westlich, Stärke 5, und an den folgenden Tagen war die 
Windrichtung veränderlich zwischen SSE und WNW. In der Regel war der 
Himmel Abends bei lebhaftem Wetterleuchten und fallendem Barometer stark 
bewölkt. Nachts traten häufig Gewitter und Regenböen ein. Gegen Morgen 
klarte es gewöhnlich bei steigendem Barometer auf, und wurde der Wind dann 
stetig. Seinen niedrigsten Stand erreichte das Barometer am 25. April bei 
756,6mm. In der Nacht vom 27, zum 28, April wurde Gibbs Hüll-Feuer ge- 
sichtet, und gelang es gleichzeitig, auf der Argus-Bank eine Tiefe von 150m 
zu finden. Am 28. April Vormittags wurde es still und deshalb zum KEinlaufen 
in den Hafen um 9 Uhr Vormittags die Maschine mit zwei Kesseln in Betrieb 
gesetzt, woselbst auf der Murray Anchorage geankert wurde. 
Am 4. Mai Vormittags wurde die Reise nach Norfolk angetreten; als um 
2b p. m. die westlich von den Bermudas liegenden Riffe passirt waren, wurden 
bei leichtem nordwestlichem Winde Segel gesetzt und die Feuer in der Maschine 
gelöscht. Gegen Abend ging der Wind auf NNE, Stärke 2 bis 3, so dafs Kurs 
nach Kap Hatteras gesteuert werden konnte. Der Barometerstand war sehr 
hoch, zwischen 768 und 770mm schwankend. Am 5. Mai drehte der Wind 
durch E auf S und SW, und es blieben bei allmählich bis auf 763mm fallendem 
Barometer südwestliche Winde vorherrschend, bis am 9. Mai früh bei einem 
heftigen Gewitter und starkem Regenfalı der Wind in einer Böc auf N sprang. 
Das Barometer stieg bei östlich werdendem Winde langsam bis auf 765mm und 
fiel, als das Gewitter. vorüber ‚war, schnell auf 761,5mm, worauf der Wind 
durch Süd auf WSW drehte. Die Wassertemperatur, welche bis dahin durch- 
schnittlich 20° C. betragen hatte, steigerte sich am 9. Mai Abends bis auf 25° C. 
und blieb dann zwischen 25° und 26° C. ziemlich konstant; dieselbe ging jedoch 
am.1l1l. Mai um 2" a. m. plötzlich auf 13,5°C. herab. Die Stromversetzung 
wurde in Uebereinstimmung mit diesen Beobachtungen vom 9. bis 11. Mai nord- 
östlich und darauf südwestlich gefunden, wie die nachstehende Tabelle (II) 
zeigt. Seit dem 10. Mai wechselten leichte SSW- und NNE-Winde bei langsam 
steigendem Barometer, Nachdem am 12, Mai 8* a. m. die Maschine in Betrieb 
gesetzt und um 9* Kap Henry gesichtet war, wurden die Segel festgemacht 
Ann. d. Hydr. efe., 1834, Heft YI.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.