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Die Boca von Buenos Aires,
als Trinkwasser nicht verwendet werden darf. Dem Vernehmen nach haben
in der Boca oder deren direkter Umgebung niemals irgend welche Krankheiten
gcherrscht, welche auf lokale Verhältnisse zurückzuführen gewesen wären, und
kann daher die Boca in keiner Weise gesundheitsschädlich genannt werden; ein
dort liegendes Schiff wird höchstens im Sommer unter Fliegen und Musquitos
stark zu leiden haben, wie auch von einem sehr lästigen Staub, welcher bei dem
dort vorherrschenden Regenmangel durch jeden Windstofs aufgewirbelt wird. —
Zum Schutz gegen etwa an Bord kommende Ratten und Mäuse soll es gut sein,
die Anker- und Festmacherketten mit Büscheln von Zweigen über Wasser zu
umgeben. Auf Grund einer 17tägigen Pegelbeobachtung kann über die Wasser-
und Stromverhältnisse in der Boca Folgendes gesagt werden: Die Hafenzeit ist
ungefähr 6b 30=in; die Strömungen laufen ziemlich regelmäfsig, werden jedoch,
wie überall im La Plata, durch die vorherrschenden Winde sehr beeinflufst; cs
war durchschnittlich 6,8 Stunden Ebbe und 5,2 Stunden Fluth. Der Unterschied
von Hoch- und Niedrigwasser betrug im Mittel 0,8 m, im Maximum an ein und
demselben Tage 1,5m, der gröfste beobachtete Unterschied betrug im Ganzen
2 m. — Die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedrigwasser waren am geringsten
bei gutem Wetter und flauen Winden, am bedeutendsten bei SE- und SW-Winden;
bei anhaltenden oder starken NE-Winden war der Wasserstand unter normal;
am höchsten war derselbe bei südlichen und SE-Winden, welche das Wasser
in den La Plata hineintreiben. — Die Strömungen liefen für gewöhnlich schwach,
nur wenige Male wurde eine Geschwindigkeit derselben bis zu 1 Sm beobachtet.
Aus allem bisher Gesagten geht hervor, wie günstig die Verhältnisso
der Boca sich schon jetzt gestalten, und wie wichtig dieselbe daher als Hafen
von Buenos Aires; es liegen zur Zeit (November 1883) ungefähr 74 Seeschiffe
and 700 bis 800 Küstenfahrzeuge in der Boca, und der Verkehr in derselben
ist ein schr reger. Die fortschreitende Bedeutung derselben geht u. A. aus
folgender Zusammenstellung hervor. Es hielten sich im Ganzen in der Boca auf:
im Jahre 1877 18167 Schiffe und Fahrzeuge,
1878 25637 »
1879 21576 »
1880 23043 ®
1881 32886 $
1882 42 690
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Die Argentinische Regierung beabsichtigt nun, die Boca und deren Hafen
noch bedeutend zu vergröfsern und zu vervollkommnen, und zwar gehen die
Projokte dahin:
1. die äufseren Molen noch zu verlängern und den Kinsegelungskanal
150m breit zu machen, sowie denselben überall bis zu 6,6 bis 7,2 m zu
vertiefen;
2. die jetzige Residencia Bank auszugraben und dort acht Bassins an-
zulegen (s. Skizze), von denen das Bassin No. I z. B. 25 Schiffe fassen: soll;
zum Schutz dieser Anlagen soll eine grofse Mole gebaut werden, welche sich
in nordnordwestlicher Richtung von der jetzigen nördlichen Mole ununter-
brochen bis zur grofsen Landungsbrücke der Stadt hinzieht; längs dieser Mole
soll ein Passagekanal nach den verschiedenen Bassins führen, der Eingang zu
dem ganzen Hafen bleibt jedoch der jetzige durch die äufseren Molen;
3. soll der jetzige Riachuelo gleichmäfsig und mehr ausgetieft werden,
und an den Kais zahlreiche hydraulische und Dampfkrähne errichtet werden.
Den Anfang zu dem späteren Passagekanal bildet jetzt der alte Kanal,
welcher zur Zeit nur theilweise zur Aufnahme von Schiffen geeignet ist und
nach dem La Plata zu von sumpfigem Wiesengrund begrenzt wird; die ganze
Residencia Bank besteht jetzt ebenfalls gröfstentheils aus Sumpf und Wiesen-
grund und ist nur bei Hochwasser überfluthet.
Diese grofsartigen Projekte sind zwar noch nicht in ihrem ganzen Um-
fange von der Regierung genehmigt worden, aber doch schon im allgemeinen
in Angriff genommen, und wird es gewifs nicht an Energie und dem reichen
Lande auch nicht an Mitteln fehlen, dieselben nach und nach zur Ausführung
zu bringen, obgleich schon jetzt die Arbeiten ca 1700000 Patacon (4,18 MM)
per Jahr verschlingen.