Die Boca von Buenos Aires.
mitten im. Fahrwasser, und jedes Aufleuchten des rothen Lichtes zeigt ein Aus-
scheeren aus dem Fahrwasser an.!) .
Das Einlaufen der Schiffe in die Boca‘ist bei jeder Tages- und Nachtzeit
gestattet; es existiren bisher keine Bestimmungen darüber, an welchen Platz
die verschiedenen Schiffe sich zu legen haben, oder in welcher. Weise sie sich
an den Molen festmachen müssen; jedes Schiff oder Fahrzeug legt sich hin, wo
es. Platz findet, auch ist eine vorhergehende Anfrage oder Anmeldung bei irgend
einer Hafenbehörde nicht nöthig, Jedes Schiff kann sich in der Boca aufhalten
so lange es will, jedoch erwachsen einem Kauffahrteischiffe dadurch Hafen-
abgaben, welche sich vom 1. Januar 1884 an, wie folgt, gestalten werden: .
Für das Ein- und Auslaufen 30 Cents national pro Registerton; für die
Benutzung der Mole 2 Cents national pro Tag und pro Ton bis zu 100 Tons
und 1 Cent national pro Tag und Ton für Schiffe über 100 Tons; die Dampfer
bezahlen für Kin- und Ausgehen nur 15 Cents statt 30.
Die diesem Hefte beigegebene Skizze zeigt im allgemeinen das für die
Zukunft geplante Projekt der ganzen Hafenanlagen, sowie den jetzigen Stand
des Riachuelo. Wie aus derselben ersichtlich, läuft der Kiachuelo in nordöst-
licher Richtung in den La Plata aus; seine gröfsten Tiefen liegen am westlichen
Ufer, und an diesem sind daher regelmäfsig fortlaufende, gut ausgebaute Kais
errichtet, an denen Schiffe .yon 3,7 bis 4,5m Tiefgang bis zur Barracas-Brücke,
d. h. 4000m weit in die Boca hinein, liegen können; von diesem Punkt an
nach aufsen zu gestalten sich die Tiefen, wie in der Skizzc angegeben; die
dort eingetragenen Lothungen beziehen sich auf einen Wasserstand von 2 dem
anter dem normalen, Wie aus denselben hervorgeht, reichen die gröfsten Tiefen
der Boca von den äufseren Molen bis zum Bahnhof; es liegen auch bis zu
dieser Stelle grofse Dampfer und Vollschiffe ete. bis zu 6m Tiefgang; von da
an bis. zu den Schlipps liegen Schiffe bis zu 4m Tiefgang; von da an bis zum
Bahnhof Penas liegen vorläufig meistens Lichter und kleinere Fahrzeuge. An
den flachsten Stellen arbeiten drei Bagger Tag und Nacht; die ausgebaggerte
Erde wird mittels grofser Prähme aus der Boca hinausgefahren und aufserhalb
des Fahrwassers abgelagert.
Das ganze rechte östliche Ufer ist flach abfallend und nicht mit Molen
vorsehen; es können jedoch auch dort Schiffe festmachen, nur müssen dieselben
eine Strecke von Land abliegen. — Die an. den Molen weiter in den Flufs
hinauf liegenden Schiffe machen sich in der Regel nur mit Trossen und Fest-
macherketten an dem Kai fest, und sind zu diesem Zweck in demselben eiserne
Ringe eingelassen, von 25 zu 25 m; die gröfseren Schiffe lassen gewöhnlich vorn
and achtern einen Anker nach dem Fahrwasser zu fallen und bringen aufserdem
Festmacherketten nach Land aus; auch auf dem östlichen Ufer befinden sich
hierzu eiserne Ringe, während die Schiffe früher gezwungen waren, die eigenen
Anker an Land einzugraben, — Besondere Plätze für Kriegsschiffe sind bisher
noch nicht bestimmt, doch liegen diese wohl immer nur im äufsern Theil der
Boca,- dicht hinter den Molen; S. M. Kbt. „Albatro/s“ lag bei seinem Aufenthalt
in der Boca an dem östlichen (rechten) Ufer, mit je einem Anker vorn und
achtern und zwei Festmacherketten vertäut. — Ein in der Boca festgemachtes
Schiff liegt dort sehr gut und. völlig sicher; selbst bei heftigem Winde und
starkem Soegang auf der Rhede ist in der Boca meist glattes Wasser, und nur
gelten zeigt sich eine geringe Dünung. Das Wasser dortselbst ist bei aus-
laufendem Strom sehr schmutzig und voller Abfälle und Unreinlichkeiten aller
Art, doch wird dasselbe durch den ziemlich regelmäfsig laufenden Strom stets
gereinigt; man kann das Wasser zum Deckwaschen benutzen, während es
i) Nach der durch die Kaiserlich Deutsche Minister-Residentur für die La Plata-Staaten
eingesandten „A los Navegantes“ der Prefectura Maritima nebst Uebersetzung aus Buenos Aires vom
17. September 1883 (vgl. No. 1854 d. „Nachr. f. Seef.“ 1883) befinden sich auf den Molenköpfen
zu Riachuelo zwei Hafenfeuer. Die geographische Lage des Mittelpunktes der Kanalmündung zwi-
schen den Feuern ist 34° 837‘ 30“ S-Br und 58° 20‘ 52“ W-Lg; die Höhe der Leuchtfeuer über
dem. mittleren Wasserstand beträgt 13m und die Sichtweite 5 Sm, ;
Ein Schiff, welches mit dem Bug nach Süden die Einfahrt in den Hafen von Riachuelo
sucht, wird die Feuer roth auf St-B., weifs auf B-B. sehen; hat es den Bug nach Norden, wird
55 das rothe Feuer auf B-B., das weilse auf St-B. sehen, Ist es dicht am oder‘ im Centrum des
Kanals, wird es ein weifses Licht sehen. ,
Jedes Licht hat einen rothen bezw. weifsen Lichtsektor von je 79°.