Eingänge von meteorologischen Journalen ete., Januar 1%84
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li. Reise der Hamburger Bark „Parnass“, Kapt. R. Hilgendorf.
Bei mäfsigem Ostwinde verliefs am 3. Juni 1883 die von Hamburg nach
Valparaiso bestimmte Bark „Parnass“ den Kanal, Eine geringe Entfernung
aufserhalb desselben, trat an die Stelle des eben erwähnten Windes ein ver-
änderlicher Westwind, der, aus hoch südlicher Richtung beginnend, ‘sich all-
mählich nach rechts veränderte und später dem Schiffe die Möglichkeit eines
befriedigend raschen Fortganges gewährte. Unweit 39° N-Br drehte der frische
Wind am 10. Juni durch N nach NNE und indem er nachher die Drehung
langsam fortsetzte, nahm der Wind wieder die südliche Richtung an, um dieselhe
für längere Zeit beizubehalten. Aus ganz leisem Zuge, in den schliefslich dieser
Südwind geendet hatte, entwickelte sich am 18. Juni, in geringer Entfernung
von 29,3° N-Br und 23,3° W-Lg, und bei einem höchsten Barometerstande von
769,5 mm, der NE-Passat. Nach dem Einsetzen desselben konnte man bis nach
17° N-Br hin einen recht befriedigenden Fortgang erzielen. Südlich von dieser
Breite wurde die Fahrt, infolge dort auftretender schwächerer Winde, eine
langsamere; und noch mehr verzögert wurde dieselbe, nachdem die Bark un-
weit 9° N-Br in 24,6° W-Lg am 26. Juni das Passatgebiet verlassen hatte.
Im Stillengürtel beobachtete man zunächst an mehreren Tagen leichte südliche
und östliche Mallung, auf die am 1. Juli, in etwa 7,5° N-Br und 23,5° W-Lg,
ein mäßiger Südwind folgte. Bei demselben segelte die, nun gleichzeitig von
starker Ostströmung versetzte Bark mit St. B.-Halsen bis sie am 5. Juli nach
3,2° N-Br in 21,7° W.Lg gelangt war. Nachdem dort gewendet worden war,
erreichte „Parnass“ zwei Tage später den Aequator in 26,4° W-Lg. Es waren
damals 34 Tage nach der Abreise vom Kanal vergangen. Während dieser
Zeit hatte man: 40° N-Br in 14,5° W-Lg am 9. Juni, 30° N-Br in 22,7° W-Lg
am 17. Juni, 20° N-Br in 25,2° W-Lg am 21. Juni und 10° N-Br in 24,8° W-Lg
am 26. Juni gekreuzt. Am 10. Juli ging in 24° W-Lg die Hamburger auf einer
Reise von Hamburg nach Zanzibar begriffene Bark „Suaheli“ von nördlicher
in südliche Breite über. Dieselbe, welche den Kanal ebenfalls am 3. Juni ver-
{assen hatte, befand sich am 5. Juni Mittags in 47,7° N-Br und 8,9° W-Lg,
als gleichzeitig „Parnass“ in 48° N-Br und 8,4° W-Lg stand. Nach dieser
Zeit verlor „Suaheli“ aber gegen den Mitsegler derart, dafs, als diese Bark am
19. Juni die in 30° N-Br und 25,8° W-Lg liegende polare Passatgrenze eı-
reichte, der Schiffsort von „Parnass“ schon 27,5° N-Br in 23,8° W-Lg war.
Im Passatgebiete selbst konnte „Suaheli“, infolge dort angetroffenen frischeren
Windes, nahezu den ganzen Verlust wieder einholen, so dafs am 27. Juni
Mittags, als „Parnass“ in 8,6° N-Br und 24,6° W-Lg stand, jene Bark auch
schon nach 8,9° N-Br in 27,4° W-Lg vorgerückt war. In dem unweit dieses
Punktes erreichten Stillengürtel wurde „Suaheli“ durch die darin herrschenden
Verhältnisse anfänglich auch noch begünstigt. Am Mittage des 1. Juli war der
Schiffsort dieser Bark 6,5° N-Br in 27,4° W-Lg, gegen den von „Parnass“ in
7,5° N-Br und 23,6° W-Lg. Durch den zwar von beiden Schiffen angetroffenen,
jedoch bei „Parnass“ anscheinend bedeutend raumer wehenden SW-Monsun,
gewann diese Bark jedoch einen bedeutenden Vorsprung, denn als sie am
5. Juli in 3,2° N-Br und 21,7° W-Lg wendete befand sich „Suaheli“ noch in
5,5° N-Br und 20,6° W-Lg. Dieses Schiff wendete zum letzten Male als es
am 7. Juli nach 4,3° N-Br in 17,8° W-Lg gelangt war.
Im Südatlantischen Ocean, wo „Parnass“ bis nach 13° S-Br hin von
recht frischem Winde begünstigt wurde, fand diese Bark die polare Passat-
grenze am 18. Juli in der Nähe von 23° S-Br und 40,2° W-Lg. Der seit
mehreren Tagen schwach gewordene Wind ging dort, bei einem auf 773,2 mm
gestiegenen Barometerstande, in Windstille über, Nachdem diese einen halben
Tag angehalten hatte, trat ein bald auffrischender NE-Wind an deren Stelle,
und als dieser sich langsam nach links verändernde Wind den westlichen Halb-
kreis erreicht hatte, wehte derselbe am 22, Juli in geringer Entfernung von
32° S-Br und 45° W-Lg als kurzer heftiger Sturm. Während desselben er-
reichte der Luftdruck einen niedrigsten Stand von 761,5mm. Bei dem am
Tage nach dem Sturm folgenden Ostwinde stieg das Barometer wieder bis auf
771,7 mm, und als dieser Wind für mehrere Tage kräftig geweht hatte, entstand
aus ihm durch eive durch S erfolgende Veränderung ein SW-Wind. Südlich