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Segelanweisungen für die Küste von Ober-Guines
4. Landmarken.
Dem bei der Faktorei liegenden ca 150m hohen Berg wurde von Herrn
Lüderitz der Name Nautilus-Spitze beigelegt, und lief der genannte Herr
ein hohes Kreuz auf demselben errichten, welches eine gute Landmarke abgiebt.
Auch auf der Spitze Diaz, auf welcher früher ein vom Admiral Bar-
tolomeo Diaz im Jahre 1486 errichtetes Marmor-Kreuz stand, dessen Reste
jetzt in dem Museum zu Kapstadt aufbewahrt werden, ist ein grofees Kreuz
errichtet, welches weithin sichtbar ist und das Erkennen der Küste sehr
erleichtert. ;
Beiträge zu den Segelanweisungen für die Küste von Ober-Guinea
(Westafrika).
Von Kapt, H. Beenke, Führer der deutschen Brigg „Gemma“,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Von Westen kommend und nach einem Hafen zwischen Kap Palmas und
Kap Three Points bestimmt, suche man, wenn irgend möglich, ersteres anzu-
laufen, um den Stand seines Chronometers zu bestimmen, selbst wenn man auch
einige Wachen dadurch verlieren sollte; denn die Küste bietet weiterhin sehr
schlechte Landmarken, und der Strom setzt oft mit einer Geschwindigkeit von
über 2 Sm die Stunde nach Osten. Um die Wichtigkeit meiner Aussage zu
belegen, will ich nur anführen, dafs während meiner Anwesenheit in Zimina
ein norwegisches Schiff eintraf, welches nur 20 Sm bei diesem Platze vorbei-
gesegelt war, aber 14 Tage bedurfte, um wieder zurück zu kommen. Wenn es
sichtig genug ist, um die Berge, welche weiter nach dem Innern des Landes
liegen, zu erkennen, so gewähren dieselben sehr gute Peilobjekte,
Ein nach Grand Bassam bestimmtes Schiff nähere sich der Küste in
etwa 4° 20‘ W-Lg bis auf etwa 4 Sm. Wenn man in einem solchen Abstande
der Küste nach Osten entlang segelt, wird bald Land voraus in Sicht kommen,
weil die Küste bei Klein Bassam eine Biegung nach Süden macht. Hat man
diesen Vorsprung erreicht, woselbst nahe am Lande tiefes Wasser ist — ein
Umstand, der sonst nirgends an der ganzen Küste vorkommt — So steuere man
wieder in dem früheren Abstand der Küste entlang, worauf bald die beiden
Faktoreien von Grand Bassam, eine englische und eine französische, in Sicht
kommen werden. Die letztgenannte, die östlichste, ist leicht erkennbar an
einem groflsen viereckigen weilsen Gebäude mit einer Gruppe Palmenbäume in
Front und den Lagerhäusern, welche rothe Ziegeldächer haben, seitwärts im
Osten von demselben. Diese Faktorei diente früher als Hospital für das
französische Militär, welches hier stationirt war, aber im Jahre 1870 ab-
berufen wurde,
Das aus dem Costa-Flusse strömende Wasser verfärbt die Meeresoberfläche
in einer beträchtlichen Entfernung von der Küste, was unter Umständen für ein
ansegelndes Schiff als ein gutes Merkzeichen dienen kann. Der Ankergrund,
quer ab von den Faktoreien, %/4 Sm vom Strande entfernt und auf einer Wasser-
tiefe von 14 bis 18m (8 bis 10 Fad.), besteht aus Mudd (Schlick). Das Trink-
wasser ist in Grand Bassam schlecht und kaum zu erlangen.
Bis nach Assini, woselbst die Bäume etwas zurücktreten und der Strand
kahl wird, bietet die Küste denselben einförmigen Anblick, wie in der Nähe
von Grand Bassam. In Assini befinden sich ebenfalls eine englische und eine
französische Faktorei. Die letztgenannte steht am weitesten nach Osten und
tritt als ein weißes Gebäude mit rothem Ziegeldach hervor. Westlich von den
Faktoreien zieht sich das Negerdorf dem Strande entlang, während eben östlich
von der französischen Faktorei die Bäume, welche hier ziemlich hoch sind,