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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

„672 
Segelanweisungen für die Küste von Ober-Guines 
4. Landmarken. 
Dem bei der Faktorei liegenden ca 150m hohen Berg wurde von Herrn 
Lüderitz der Name Nautilus-Spitze beigelegt, und lief der genannte Herr 
ein hohes Kreuz auf demselben errichten, welches eine gute Landmarke abgiebt. 
Auch auf der Spitze Diaz, auf welcher früher ein vom Admiral Bar- 
tolomeo Diaz im Jahre 1486 errichtetes Marmor-Kreuz stand, dessen Reste 
jetzt in dem Museum zu Kapstadt aufbewahrt werden, ist ein grofees Kreuz 
errichtet, welches weithin sichtbar ist und das Erkennen der Küste sehr 
erleichtert. ; 
Beiträge zu den Segelanweisungen für die Küste von Ober-Guinea 
(Westafrika). 
Von Kapt, H. Beenke, Führer der deutschen Brigg „Gemma“, 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Von Westen kommend und nach einem Hafen zwischen Kap Palmas und 
Kap Three Points bestimmt, suche man, wenn irgend möglich, ersteres anzu- 
laufen, um den Stand seines Chronometers zu bestimmen, selbst wenn man auch 
einige Wachen dadurch verlieren sollte; denn die Küste bietet weiterhin sehr 
schlechte Landmarken, und der Strom setzt oft mit einer Geschwindigkeit von 
über 2 Sm die Stunde nach Osten. Um die Wichtigkeit meiner Aussage zu 
belegen, will ich nur anführen, dafs während meiner Anwesenheit in Zimina 
ein norwegisches Schiff eintraf, welches nur 20 Sm bei diesem Platze vorbei- 
gesegelt war, aber 14 Tage bedurfte, um wieder zurück zu kommen. Wenn es 
sichtig genug ist, um die Berge, welche weiter nach dem Innern des Landes 
liegen, zu erkennen, so gewähren dieselben sehr gute Peilobjekte, 
Ein nach Grand Bassam bestimmtes Schiff nähere sich der Küste in 
etwa 4° 20‘ W-Lg bis auf etwa 4 Sm. Wenn man in einem solchen Abstande 
der Küste nach Osten entlang segelt, wird bald Land voraus in Sicht kommen, 
weil die Küste bei Klein Bassam eine Biegung nach Süden macht. Hat man 
diesen Vorsprung erreicht, woselbst nahe am Lande tiefes Wasser ist — ein 
Umstand, der sonst nirgends an der ganzen Küste vorkommt — So steuere man 
wieder in dem früheren Abstand der Küste entlang, worauf bald die beiden 
Faktoreien von Grand Bassam, eine englische und eine französische, in Sicht 
kommen werden. Die letztgenannte, die östlichste, ist leicht erkennbar an 
einem groflsen viereckigen weilsen Gebäude mit einer Gruppe Palmenbäume in 
Front und den Lagerhäusern, welche rothe Ziegeldächer haben, seitwärts im 
Osten von demselben. Diese Faktorei diente früher als Hospital für das 
französische Militär, welches hier stationirt war, aber im Jahre 1870 ab- 
berufen wurde, 
Das aus dem Costa-Flusse strömende Wasser verfärbt die Meeresoberfläche 
in einer beträchtlichen Entfernung von der Küste, was unter Umständen für ein 
ansegelndes Schiff als ein gutes Merkzeichen dienen kann. Der Ankergrund, 
quer ab von den Faktoreien, %/4 Sm vom Strande entfernt und auf einer Wasser- 
tiefe von 14 bis 18m (8 bis 10 Fad.), besteht aus Mudd (Schlick). Das Trink- 
wasser ist in Grand Bassam schlecht und kaum zu erlangen. 
Bis nach Assini, woselbst die Bäume etwas zurücktreten und der Strand 
kahl wird, bietet die Küste denselben einförmigen Anblick, wie in der Nähe 
von Grand Bassam. In Assini befinden sich ebenfalls eine englische und eine 
französische Faktorei. Die letztgenannte steht am weitesten nach Osten und 
tritt als ein weißes Gebäude mit rothem Ziegeldach hervor. Westlich von den 
Faktoreien zieht sich das Negerdorf dem Strande entlang, während eben östlich 
von der französischen Faktorei die Bäume, welche hier ziemlich hoch sind,
	        
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